Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Einfluss des Trainingszustandes auf die soziale Rangordnung bei Pferden

Lehmann, Katja

In der vorliegenden ethologischen Studie wurde die Beziehung zwischen dem Trainingszustand eines Pferdes und seinem sozialen Rang in der Herde untersucht. Deshalb wurde die Dominanzhierarchie einer Herde von 10 dreijährigen Wallachen sowohl durch Feldbeobachtung von agonistischen Verhaltensweisen als auch durch Paarfütterungsversuche bestimmt. Die Hälfte der Pferde wurde ca. 6 Monate lang mithilfe eines Hochgeschwindigkeitslaufbandes trainiert, die übrigen 5 Pferde bildeten die Kontrollgruppe. Alle vier Wochen wurde der Trainingserfolg anhand eines für alle 10 Pferde gleichbleibenden Standardbelastungstests überprüft. Nach dieser ersten Trainingsperiode erfolgte eine Trainingsumkehr der Gruppen und es folgte eine zweite Trainingsperiode von ca. 2,5 Monaten. Feldbeobachtungen wurden zu Beginn und am Ende des 6-monatigen Trainings durchgeführt, parallel dazu erfolgten die Paarfütterungsversuche, welche zusätzlich in der Mitte der Trainingsperiode und nach Trainingswechsel der Gruppen stattfanden. Die Paarfütterungsversuche wurden an 9 aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt und direkt in deren Anschluss wiederholt. Die Ergebnisse aus dem Paarfütterungsversuch und seiner direkten Wiederholung zeigten in 3 von 4 Fällen eine identische Rangfolge. Nur der erste Test vor Trainingsbeginn unterschied sich von seiner Wiederholung in einer Zweierbeziehung. Der Vergleich beider Methoden zeigte eine vollständige Übereinstimmung in der Differenzierung zwischen dominant und subdominant. Veränderungen in der Rangfolge fanden im Mittelfeld statt, d.h. auch nach Ablauf eines Jahres blieben ranghöchstes und rangniedrigstes Pferd identisch. Auffällig war, dass vier ursprüngliche Trainingspferde nach Ablauf eines Jahres die vier ranghöchsten Tiere darstellten, das fünfte ursprüngliche Trainingspferd blieb rangvorletztes Tier. Besonders 2 anfangs trainierte Pferde veränderten ihre Stellung in der Dominanzhierarchie deutlich: Nach Ablauf ca. eines Jahres stiegen sie um 3/5 Rangplätze auf. Pferde, bei denen sich der Rangplatz gravierend änderte, taten dies überwiegend nur in eine Richtung (d.h. auf- oder absteigend) und somit unabhängig davon, ob sie sich in der Trainings- oder Kontrollhälfte befanden. So fand sich auch kein statistisch signifikanter Unterschied in den Rangplätzen zwischen Trainings- und Kontrollgruppe. Es gab nur ein Pferd (Rangplatz 5), welches in der Kontrollphase in der Rangfolge absank (Rangplatz 9) und in der anschließenden Trainingsphase wieder aufstieg (Rangplatz 7). Dies zeigt, dass ein Trainingseffekt, wenn vorhanden, vermutlich durch andere Einflussfaktoren, wie z.B. Vorerfahrung überdeckt wird. Der Paarfütterungsversuch zeigte sich durch die hohe Motivation der Pferde zur Futteraufnahme als sehr gut geeignet, die Rangordnung in dieser Pferdeherde festzustellen. Dieses lag vor allem an der Wahl des geeigneten Futters, des Testortes, der Versuchsdauer und der angebotenen Futtermenge, die durch entsprechende Vorversuche ermittelt wurden. Korrelationen zwischen aus Ratingskalen ermittelten Eigenschaften der Pferde und physiologischen Werten und sozialem Rang zeigten, dass es zwischen Herdenabhängigkeit, Leistungsvermögen, Leistungsbereitschaft, Reitpferdeignung, Körpergewicht / Körpergröße und sozialem Rang keine Beziehung gibt. Dagegen zeigte sich ein Pferd um so aggressiver gegen seine subdominanten Herdenmitglieder, je höher es in der Dominanzhierarchie angesiedelt war (r = 0,54 / 0,71, p < 0,05). Es fand sich die Tendenz, dass rangniedrige Pferde umgänglicher und z.T. leistungsbereiter eingeschätzt wurden, als ranghohe Tiere. Diese Aussage konnte jedoch statistisch nicht abgesichert werden. Insgesamt zeigte die Untersuchung, dass sich der Rangplatz einzelner Pferde in der Herde gravierend, d.h. bis zu 5 Rangplätze, änderte, ohne zu einer vermehrten Unruhe und Aggressivität in der Herde zuführen. Werden Pferde also über einen längeren Zeitraum hinweg in einer relativ konstanten Gruppe zusammen gehalten, ist nicht davon auszugehen, dass eine unterschiedliche Nutzung der Tiere ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch Veränderungen in der Dominanzhierarchie bewirkt.

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Lehmann, Katja: Einfluss des Trainingszustandes auf die soziale Rangordnung bei Pferden. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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