Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Mutterlose Aufzucht von Heidschnuckenlämmern unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung eines Tränkeautomaten

Wollny, Tobias

Im Zeitraum zwischen Februar 1999 und Juni 2000 wurden 193 Heidschnuckenlämmer für eine mutterlose Aufzucht im Rahmen einer Lungenadenomatose-Herdensanierung aufgestallt. Die Lämmer konnten - durch Geburtsüberwachung rund um die Uhr - sofort nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden und wurden mit Rinderkolostrum oder Kolostrumersatz versorgt. Als Tränketechniken kamen Saugeimer und ein modifizierter Kälbertränkeautomat zum Einsatz. Als Tränke wurde ein Lämmer-Milchaustauscher verwendet. Drei Fütterungspläne (Gruppe A = ad libitum Fütterung; Gruppe B = ad libitum Fütterung mit Begrenzung der Tränkemenge pro Besuch; Gruppe C = restriktive Fütterung mit Begrenzung der Tränkemenge pro Besuch) sowie zwei Absetzverfahren (abruptes Absetzen und langsame Entwöhnung) wurden miteinander verglichen. Mittels individueller Tiererkennung in Verbindung mit der computergestützter Aufzeichnung der Tränkeabfragen konnten umfangreiche Daten zu Besuchshäufigkeit, Besuchszeiten, Sauggeschwindigkeiten, Dauer der Tränkeabfrage, abgefragte Tränkemengen und den Gesamtverbrauch an Milchaustauscher gesammelt werden, die neue Einblicke in das Tränkeverhalten der Lämmer ermöglichen. Zusätzlich wurden die Gewichtsverläufe, Wurfgröße, Lebensfrische, Gesundheitsprobleme und Verluste erfasst und auf Zusammenhänge überprüft. Die beim Einsatz des Tränkeautomaten gewonnenen Erfahrungen wurden besonders unter technischen Gesichtspunkten diskutiert. Durch die Bestimmung der Plasmakonzentrationen von g GT, ASAT und Creatinin wurde versucht die Kolostrumaufnahme von Lämmern beim Muttertier mit einem Analysegerät (Reflotronâ , Fa. Boehringer) zeitnah unter Praxisbedingungen nachzuweisen. Die 2 h p.p. bestimmten g GT-Plasmaenzymwerte waren geeignet, um Tiere nach Kolostrumaufnahme am Muttertier (g GT>110 U/l) zu differenzieren von Tieren ohne Kolostrumaufnahme (g GT<90 U/l). Creatinin und ASAT ließen keine Rückschlüsse auf die Kolostrumaufnahme zu.Die Verluste (n=16) unter den aufgestallten Lämmern betrugen 8,1 %. Dabei standen Verluste - im Anschluss an das Absetzens durch allmähliches Entwöhnen - in Form von Enterotoxämien (n=8) und Technopathien (n=4) im Vordergrund. In den ersten Lebenstagen traten vermehrt Erkrankungen unter dem Bild von "watery mouth" auf. Aufgrund der intensiven Betreuung und Behandlung der Lämmer traten in dieser Phase nur wenige Todesfälle auf. Das Kolostrumersatzpräparat (Globulac Lâ , Fa. Bergophor, Kulmbach) bot Vorteile bzgl. der Lagerung und des Handhabung. Die Gruppe, die mit Rinderkolostrum versorgt wurde zeigte eine höhere Akzeptanz und signifikant weniger Gesundheitsstörungen. Hohe tägliche Zuwachsraten von durchschnittlich über 300g/Tag konnten in der Aufzucht der Heidschnuckenlämmer erreicht werden. Das Anlernen an die moderne Tränketechnik war schnell und unproblematisch möglich. Das Tränkeverhalten, insbesondere die Besuchshäufigkeit, wird stark vom Tränkeregime beeinflusst, wobei eine Mengenrestriktion zu einem Anstieg der Besuchsfrequenz führt. Die Sauggeschwindigkeiten der Tiere stiegen von durchschnittlich 120 ml/min (1. Woche) auf 340 ml/min (7.Woche) an. Restriktiv gefütterte Tiere zeigten durchschnittlich höhere Sauggeschwindigkeiten. Die Kontrolle der Sauggeschwindigkeit stellte ein geeignetes Mittel dar, um Störungen des Allgemeinbefindens bei einzelnen Lämmern frühzeitig zu erkennen. Restriktive Fütterung in Verbindung mit abruptem Absetzen führte zu kürzerer Tränkedauer, besserer Milchaustauscherverwertung und niedrigerem Milchaustauscherverbrauch. Für einen Warm-Tränkeautomaten für Schafe konnten mehrere Empfehlungen bzgl. der Konstruktion und Steuerung sowie für die Gestaltung der Tränkestände gemacht werden. Die mutterlose Aufzucht im Rahmen einer Lungenadenomatose-Herdensanierung erforderte hohe personelle, zootechnische und nicht zuletzt wirtschafliche Anstrengungen, Sachkenntnis der Betreuer, sowie eine umfassende Planung. Der Einsatz des modifizierten Kälbertränkeautomaten stellte eine erhebliche Arbeitserleichterung dar, sodass der Einsatz eines Tränkeautomaten bei Lämmergruppen über 50 Tieren empfohlen werden kann.

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Wollny, Tobias: Mutterlose Aufzucht von Heidschnuckenlämmern unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung eines Tränkeautomaten. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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