Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Transforming Growth Factor-β1 (TGF-β1) bei steril-eitriger Meningitis-Arteriitis (SRMA) des Hundes

Bammert, Meike

Die steril-eitrige Meningitis-Arteriitis (SRMA) des Hundes ist ein in der Kleintierpraxis immer häufiger anzutreffendes Krankheitsbild noch unbekannter Ätiologie und Pathogenese. Eine kombinierte Erhöhung der Konzentration von Immunglobulin A (IgA) in Serum und Liquor cerebrospinalis (CSF) gilt als diagnostisches Merkmal. Vermutlich führen primäre Interaktionen des Wirtes mit einem noch nicht identifizierten Umweltfaktor zu einer Dysregulation des Immunsystems, in deren Folge die vermehrte, unkontrollierte IgA-Synthese entsteht. Diese scheint eine zentrale Rolle in der Pathogenese der SRMA zu spielen. Eine mögliche Erklärung für diese unkontrollierte IgA-Synthese wäre eine übermäßige intrathekale Produktion von Transforming Growth Factor-ß 1 (TGF- ß 1). Dieses Zytokin besitzt als IgA-Switchfaktor eine Schlüsselfunktion in der IgA-Synthese und bewirkt einen Isotypwechsel von IgM zu IgA. Zur Klärung eines potentiellen Zusammenhanges zwischen dem erhöhten IgA-Spiegel und intrathekal produziertem TGF-ß 1 wurden die Konzentrationen von IgA und TGF-ß 1 in gepaarten Serum- und Liquorproben von Hunden mit SRMA mit Hilfe eines ELISAs gemessen und mit denen von neurologisch gesunden Hunden sowie Hunden mit bakteriellen und viralen Enzephalitiden, granulomatöser Meningoenzephalomyelitis (GME) und tumorösen Erkrankungen verglichen. Zusätzlich wurden im Verlauf einer Behandlung mit Glukokortikosteroiden intrathekale Konzentrationen von IgA und TGF-ß 1 untersucht. Mit Hilfe einer immunhistochemischen Darstellung von TGF-ß 1 sowie einer In-situ-Hybridisierung auf Gehirnschnitten von Hunden mit SRMA wurden die Resultate des ELISAs überprüft und die intrathekale Produktion des Zytokins bewiesen. Anhand der Konzentrationsbestimmungen von IgA und TGF-ß 1 konnten folgende Ergebnisse erzielt werden: 1. Der IgA-Spiegel im Serum war nur bei Hunden mit SRMA stark erhöht. Bei allen anderen Tiergruppen befand sich die systemische IgA-Konzentration im Normalbereich. 2. Die Bestimmung der TGF- ß 1 -Konzentration im Serum zeigte keinen deutlichen Unterschied zwischen Hunden mit SRMA und den beschriebenen Kontrollgruppen. 3. Die Konzentrationen von TGF-ß 1 und IgA im CSF waren bei Hunden mit SRMA signifikant höher als bei neurologisch gesunden Hunden (pTGF-ß <0,0001, pIgA<0,0001) sowie Hunden mit tumorösen Erkrankungen (pTGF-ß <0,0329, pIgA<0,0029). Auch gegenüber viralen Enzephalitiden zeigte SRMA einen signifikant höheren IgA-Spiegel (pIgA<0,0001) sowie einen tendenziell höheren intrathekalen TGF- ß 1 -Gehalt (pTGF-ß <0,0676). Kein Unterschied konnte jedoch zwischen SRMA und bakteriellen Enzephalitiden und GME festgestellt werden. 4. Im CSF lag eine signifikant positive Korrelation zwischen IgA und TGF-ß 1 für alle untersuchten Tiergruppen zusammen (p<0,0001) als auch speziell für Hunde mit SRMA (p<0,0337) vor. 5. Im Verlauf der Glukokortikosteroidtherapie bei Hunden mit SRMA sanken die anfangs erhöhten intrathekalen TGF- ß 1 -Konzentrationen mit zunehmender Behandlungsdauer und Genesung der Patienten bis in den Normalbereich ab. Bei Auftreten eines Rezidivs kam es jedoch wieder zu einem Anstieg der Werte. Der erhöhte intrathekale IgA-Spiegel war durch die Therapie nicht zu beeinflussen, bei Rezidiven stieg er sogar noch stärker an. Die Ergebnisse dieser Studie lassen vermuten, daß bei der steril-eitrigen Meningitis-Arteriitis eine erhöhte intrathekale Produktion von TGF-ß 1 zur Entstehung der übermäßigen IgA-Synthese im Liquor cerebrospinalis beiträgt und für die Pathogenese dieser Erkrankung von zentraler Bedeutung ist. Dieses Phänomen ist jedoch nicht spezifisch für SRMA und konnte auch bei anderen Erkrankungen (bakterielle Enzephalitiden, GME) beobachtet werden, was auf ähnliche pathophysiologische Mechanismen für den erhöhten intrathekalen IgA-Gehalt bei diesen entzündlichen Erkrankungen des ZNS schließen läßt. TGF-ß 1 scheint nicht für den Erhalt des erhöhten IgA-Spiegels während der späteren Erkrankungsphase verantwortlich zu sein. Weitere Studien sind notwendig, um diese Aufrechterhaltung des IgA-Spiegels bei SRMA zu untersuchen, da sie nicht allein durch die längere Halbwertszeit von IgA im Vergleich zu der von TGF-ß 1 erklärt werden kann. Eine therapeutische Beeinflussung der Erkrankung durch gezielte Blockierung des untersuchten Zytokins wäre aufgrund dieser Studie nur im Anfangsstadium der Erkrankung in Erwägung zu ziehen; eine praktische Bedeutung ist jedoch nicht gegeben.

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Bammert, Meike: Transforming Growth Factor-β1 (TGF-β1) bei steril-eitriger Meningitis-Arteriitis (SRMA) des Hundes. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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