Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Therapie der Epiglottishypoplasie beim Pferd

Baudler, Andrea

Bei zehn klinisch gesunden Pferden wurde eine Epiglottisvergrößerung mittels transendoskopischer Injektion eines Implantatmaterials durchgeführt. Als solches wurde bei sechs Pferden bovines Kollagen, bei weiteren vier Tieren Polytetrafluorethylen verwendet. Die Kontrolle der Operationsergebnisse erfolgte sowohl endoskopisch als auch röntgenologisch, jeweils einen Tag, sowie eine, drei, sechs und zwölf Wochen post operationem. Anhand der Röntgenaufnahmen fanden Messungen der Länge und Dicke der Epiglottis statt. Um eine pathomorphologische und histologische Untersuchung durchführen zu können, wurde jeweils die Hälfte der Tiere einer Gruppe zu unterschiedlichen Zeitpunkten post op. (3 bzw. 12 Wochen) euthanasiert. Es erfolgte der Vergleich der endoskopischen Befunde, zum einen mit den röntgenologischen, zum anderen mit den pathomorphologischen und histologischen Befunden. Bei der makroskopischen Untersuchung wurde der Kehldeckel ebenfalls vermessen, die erhaltenen Werte mit denen der röntgenologischen Verlaufskontrolle in Beziehung gesetzt, sowie mit denen einer unbehandelten Kontrollgruppe verglichen. Die minimal invasive Operationsmethode ließ sich mit dem verwendeten Kollagenpräparat sehr gut durchführen, während die Injektion von Polytetrafluorethylen sich als weniger praktikabel erwies. Sowohl bei der Messung der Länge, als auch bei der Messung der Dicke des Kehldeckels konnte eine gute Korrelation zwischen den Werten der röntgenologischen und pathomorphologischen Untersuchung festgestellt werden. Die Länge des Kehldeckels blieb von der Injektion von Kollagen nahezu unbeeinflußt. Nach der Injektion von Polytetrafluorethylen trat bei einem von vier Pferden durch einen fibrosierenden Prozeß eine deutliche Verkürzung der Epiglottis auf. Nach der Injektion kam es bei beiden Materialien zunächst zu einer Zunahme der Epiglottisdicke, die jedoch über den jeweiligen Untersuchungszeitraum stetig zurückging. Sowohl nach der Injektion von Kollagen als auch von Polytetrafluorethylen war histologisch eine Organisation des Implantates festzustellen, die mit zunehmendem Abstand post op. fortschritt. Bei den Kollagenimplantaten dominierte die Bildung von Granulationsgewebe, begleitet von einer hauptsächlich aus Lymphozyten und Histiozyten bestehenden Entzündungsreaktion. Nach der Injektion des Polytetrafluorethylens entwickelte sich hingegen ein Fremdkörpergranulom. Zusätzlich traten in zwei von vier Fällen ulzerative Prozesse auf. Beide Implantatmaterialien führten nach der Injektion zunächst zu einer Dickenzunahme der Epiglottis, so daß eine Verbesserung ihrer Stabilität zu erwarten ist, welches für die Therapie der Epiglottishypoplasie günstig erscheint. Diese Dickenzunahme hatte jedoch ihr Maximum direkt post op. und nahm während des gesamten Untersuchungszeitraumes stetig ab. Dennoch spricht besonders im Fall des verwendeten Kollagens die Bildung eines faserreichen Granulationsgewebes und Besiedelung des Implantates mit Fibroblasten und Fibrozyten für eine bindegewebige Stabilisierung der Epiglottis. Bovines Kollagen erwies sich als sehr gut geeignet für die transendoskopische Operationsmethode. Mit Polytetrafluorethylen konnten zwar bereits via Laryngotomie gute klinische Erfolge erzielt werden, die schlechteren Bedingungen während der hier angewandten transendoskopischen Injektionstechnik führten aber zu einer höheren Komplikationsrate, so daß das Material für diese Methode ungeeignet erscheint.

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Baudler, Andrea: Untersuchungen zur Therapie der Epiglottishypoplasie beim Pferd. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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