Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Diagnostik und Prävalenz von Infektionen durch Lawsonia intracellularis bei Schweinen unterschiedlicher Altersgruppen.

Bonitz, Arnold

Das gramnegative, obligat intrazellulär vorkommende Bakterium Lawsonia intracellularis ist der primäre Erreger der weltweit vorkommenden porzinen proliferativen Enteropathie der Schweine. Aufgrund des schwierigen und aufwendigen kulturellen Nachweises ist der Erreger deswegen mit herkömmlichen mikrobiologischen Verfahren nur schwer nachweisbar. In der vorliegenden Dissertation wurden drei verschiedene diagnostische Verfahren, eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und eine indirekte Immunfluoreszenz (IFT) zum Erregernachweis sowie ein serologisches Verfahren zum Nachweis von Antikörpern gegen Lawsonia intracellularis bezüglich ihrer Aussagekraft bei Alt- und Jungsauen als auch bei Läuferschweinen untersucht. In einer Feldstudie wurden 20 verschiedene Betriebe aus dem norddeutschen (n=15) und rheinland-pfälzischem Raum (n=5) beprobt. Pro Betrieb wurden jeweils von 20 Schweinen eine Kot- sowie eine Blutprobe entnommen, wobei pro Betrieb 5 Altsauen 5 Jungsauen und 10 Läufer beprobt wurden. Die Probennahme fand zwischen September 1999 und Mai 2000 statt. Keiner der Betriebe war in der Vergangenheit durch Erkrankungen an proliferativen Enteropathien aufgefallen. Zusätzlich wurden zwei, mit Durchfallsymptomen in die Klinik für kleine Klauentiere der Tierärztlichen Hochschule eingestallte Läuferschweine in regelmäßigen Abständen, über 4½ Monate, mit Hilfe der PCR und der indirekten Immunfluoreszenz auf die Ausscheidung von Lawsonia intracellularis untersucht. Gleichzeitig wurde jeweils ein Antikörpernachweis bei beiden Tieren durchgeführt. In allen 20 Betrieben traten Tiere mit nachweisbarem Antikörpertiter (e 1:30) auf, in jedem Betrieb war sowohl mittels PCR als auch mit dem IFT mindestens ein erregerausscheidendes Tier detektierbar. Über 80% der Alt- und Jungsauen waren serologisch positiv, die meisten Läufer (71,3%) hatten jedoch keinen nachweisbaren Antikörpertiter. Am häufigsten wurden in der Gruppe der Läufer Erregerausscheider mittels PCR entdeckt (23,1%) bei den Jungsauen waren es noch 17,4% und die Altsauen schieden am seltensten Lawsonien aus (11,3%). Die PCR-Untersuchung ergab häufiger positive Befunde beim Erregernachweis im Vergleich zum IFT und ist die sensitivere Methode, besonders bei latenten Infektionen mit Lawsonia intracellularis. Ohne Berücksichtigung der im IFT fraglichen Proben ergibt sich zwar eine relative Spezifität von 97,5%, aber nur eine relative Sensitivität von 56,5% im Vergleich zur PCR. Mittels des IFT ist eine ausreichend sichere Aussage über den Ausscheiderstatus nur bei klinisch erkrankten Tieren zu machen. Für ein Herdenscreening zum Infektionsnachweis ist die serologische Untersuchung, insbesondere von Jung- oder Altsauen zu bevorzugen, die Serologie zeigt jedoch nur eine geringe Korrelation zur Erregerausscheidung. Wie in der Verlaufsstudie gezeigt wird, kommt es frühestens nach 3 Wochen zu einer Serokonversion. Die aus einem klinisch unauffälligen Betrieb stammenden, zunächst seronegativen Tiere schieden noch bis 2-4 Wochen nach der Serokonversion Lawsonien aus. Wahrscheinlich führte der Transportstress zum Auftreten klinischer Symptome (Durchfall), wobei auch das gleichzeitige Vorhandensein von Brachyspira spp. eine Rolle gespielt haben kann. Genauere Untersuchungen des Herkunftsbestandes belegten eine Serokonversion im Sauenbereich sowie das Vorhandensein von maternalen Antikörpern bei Saugferkeln, bei Läuferschweinen waren Serotiter nur im Einzelfall feststellbar. Die vorliegenden Untersuchungen haben gezeigt, dass Infektionen mit Lawsonia intracellularis auch in klinisch unauffälligen Betrieben gehäuft vorkommen. In Betrieben mit klinischer Symptomatik (Durchfall, Kümmern) sollte der Erregernachweis deshalb erst unter Berücksichtigung möglicher pathomorphologischer Befunde zu einer ätiologischen Diagnose führen.

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Bonitz, Arnold: Untersuchungen zur Diagnostik und Prävalenz von Infektionen durch Lawsonia intracellularis bei Schweinen unterschiedlicher Altersgruppen.. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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