Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zu den Effekten einer Zearalenonbelastung bei präpubertären Schweinen auf Uterusgewicht und renale Zearalenonausscheidung sowie protektiven Kapazitäten eines Zeolithzusatzes

Boyens, Birte

Die Belastung von Futtermitteln mit Zearalenon stellt bei der Getreide- und Tierproduktion ein bekanntes Problem dar. Insbesondere Weizen und Mais können kontaminiert sein und durch die östrogenartige Wirkung des Mykotoxins zur Beeinträchtigung der Gesundheit führen. Da die vollständige Bekämpfung von Fusarien auf dem Feld und die damit verbundene Minimierung der Zearalenonbelastung bisher durch keine Maßnahme ausreichend gewährleistet werden kann, sollte anhand der vorliegenden Untersuchungen in zwei Versuchsphasen (A und B) die Effizienz von Zeolith als Mykotoxinbinder überprüft werden. In Versuchsabschnitt A erhielten jeweils fünf Schweine eine unterschiedliche Zearalenon- (0, 50, 250 bzw. 500 µg/kg Futter) bzw. Zeolithdosis (0, 10 bzw. 50 g/kg Futter). In gepoolten Tagesharnproben wurde die ausgeschiedene Zearalenon und a-Zearalenolkonzentration bestimmt und der Einfluß von Zeolith auf die renale Exkretion untersucht. Im Versuchsabschnitt B wurden ovarektomierte Schweine mit 180 bzw. 360 µg Zearalenon/kg Futter versorgt (Gruppe 3z bis 6). Eine Hälfte der Tiere erhielt zusätzlich 20 g Zeolith/kg Futter (Gruppe 3z und 5z). Als Kontrolle dienten acht unkastrierte (Gruppe 1) und eine identische Zahl kastrierter Schweine (Gruppe 2). Die Trockensubstanz sowie das Gewicht des Uterus wurden ermittelt und die Ergebnisse im Hinblick auf zearalenon- bzw. zeolithbedingte Effekte überprüft. Die folgenden Resultate wurden erzielt: Die Futterakzeptanz und –aufnahme wurde durch den Gehalt von Zearalenon bzw. Zeolith im Futter nicht beeinflußt. Ein Einfluß von Zearalenon bzw. Zeolith auf die Futterverwertung konnte nicht nachgewiesen werden. Anzeichen von Hyperöstrogenismus traten bei Schweinen, die 360 µg Zearalenon pro kg Futter erhielten, nach 21 bis 24 Tagen auf. Während Tiere, die 500 µg Zearalenon pro kg Futter aufgenommenen haben, erste Symptome nach 12 bis 14 Tagen zeigten. Bei Versuchstieren, die weniger als 360 µg Zearalenon pro kg Futter aufgenommen haben, konnten weder Veränderungen der Milchleiste oder der Vulva noch ein Prolaps des Rektums beobachtet werden. Unterschiede zwischen Schweinen, die Zeolith erhielten und Tieren, denen kein Zeolith gefüttert wurde, waren nicht vorhanden. Versuchsabschnitt A (Untersuchung der renalen Exkretion): Bei Schweinen, die kein Zearalenon erhielten, konnte weder das Mykotoxin, noch seine Metabolite im Harn nachgewiesen werden. Durch die Fütterung von 50, 250 bzw. 500 µg Zearalenon/kg Futter gelang in 40, 95 bzw. 100 % der gepoolten Tagesharnproben die Bestimmung von Zearalenon und in 100 % der Nachweis von a-Zearalenol. Dabei ergab sich im Mittel eine tägliche renale Exkretion von 0,41; 0,59 bzw. 1,72 µg Zearalenon und 0,66; 1,01 bzw. 2,14 µg a-Zearalenol pro kg Körpermasse. Der Zusatz von 1 % Zeolith und die Aufnahme von 50, 250 bzw. 500 µg Zearalenon/kg Futter führte bei 60, 90 bzw. 100 % des Probenmaterials zu einer nachgewiesenen Belastung mit Zearalenon, während a-Zearalenol in allen Proben vorhanden war. Die durchschnittlich pro kg Körpermasse und Tag renal ausgeschiedenen Mengen betrugen 0,41; 0,64 bzw. 1,88 µg Zearalenon sowie 0,34; 0,53 bzw. 2,34 µg a-Zearalenol. Nach der Aufnahme von 50 g Zeolith/kg Futter und 50, 250 bzw. 500 µg Zearalenon/kg Futter konnte in 40, 100 bzw. 100 % der Tagesharnproben Zearalenon und in 70, 100 bzw. 90 % a-Zearalenol bestimmt werden. Es erfolgte im Mittel eine tägliche Abgabe von 0,42; 0,99 bzw. 0,72 µg Zearalenon und 0,97; 1,97 bzw. 0,90 µg a-Zearalenol im Harn. Versuchsabschnitt B (Untersuchung der Uterusentwicklung): Das relative Uterusgewicht der unkastrierter Kontrolltiere (Gruppe 1) lag mit durchschnittlich 0,56 g (uS) pro kg Körpermasse knapp vierfach höher als das relative Organgewicht der ovarektomierten Tiere, die kein Zearalenon erhielten (Gruppe 2). Die kastrierten Schweine der Versuchsgruppen (Gruppe 3 bis 6) hatten im Mittel 69,5 % größere relative Gebärmuttergewichte als ovarektominierte Tiere der Kontrollgruppe (Gruppe 2), deren relatives Organgewicht 0,15 g uS/kg KM betrug. Nach Verdopplung der Zearalenondosis von 180 auf 360 µg Zearalenon/kg Futter nahm das relative Uterusgewicht wachsender Schweine von durchschnittlich 0,27 (Gruppe 4) auf 0,28 g uS pro kg Körpermasse (Gruppe 6) geringfügig, aber nicht signifikant zu. Durch Fütterung von Zeolith (2 % der Gesamtration) wurde das relative Gebärmuttergewicht im Mittel um das 1,4 (180 µg Zearalenon/kg Futter) bzw. 1,1 fache (360 µg Zearalenon/kg Futter) auf 0,20 bzw. 0,26 g uS/ kg KM reduziert. Ein Einfluß auf den Wassergehalt des Uterusgewebes als Folge einer Zearalenon bedingten Ödematisierung konnte nicht festgestellt werden. Schlußfolgerungen: Die tägliche renale Ausscheidung von Zearalenon und a-Zearalenol nimmt mit steigenden Zearalenongehalt des Futters zu. Durch den Zusatz von 1 % Zeolith erfolgt keine statistisch abgesicherte Beeinflußung der pro Tag über den Harn abgegebenen Zearalenon- und a-Zearalenolmenge. Die Fütterung von 5 % Zeolith bewirkt nur bei einer Konzentration von 500 µg Zearalenon/kg Futter eine signifikante Senkung der täglichen renalen Exkretion des Mykotoxins und seines Metabolits. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, daß Zeolith den östrogenartigen Effekt von Zearalenon vermindert und die durch das Mykotoxin induzierten Gewichtszunahmen des Uterus geringfügig reduziert, jedoch ist Zeolith nicht in der Lage die östrogenartige Wirkung von Zearalenon vollständig aufzuheben. Aufgrund dieser Untersuchungen ist der Einsatz von Zeolith als Maßnahme zur Eliminierung oder Minimierung einer Belastung mit Zearalenon nicht geeignet. Da die Versuchstiere ovarektomiert sind, können Veränderungen der Ovarien nicht beurteilt werden. Somit kann anhand dieser Studie nicht geklärt werden, in welchem Umfang der Effekt von Zeolith auf das Uterusgewicht Auswirkungen auf die Fertilität hat.

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Boyens, Birte: Zu den Effekten einer Zearalenonbelastung bei präpubertären Schweinen auf Uterusgewicht und renale Zearalenonausscheidung sowie protektiven Kapazitäten eines Zeolithzusatzes. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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