Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Populationsgenetische Untersuchung von Milchleistungs- und Exterieurmerkmalen beim ostfriesischen und schwarz-braunen Milchschaf

Horstick, Annette

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Milchleistungs- und Exterieurmerkmale sowie deren Zusammenhänge beim ostfriesischen und schwarz-braunen Milchschaf mit populationsgenetischen Methoden zu untersuchen. Eine Assoziationsanalyse zwischen Milchleistungsmerkmalen und Blut- sowie Milchproteinpolymorphismen sollte deren Wert für die Selektion auf Milchqualität zeigen. Die populationsgenetischen Analysen wurden mit multivariaten Tiermodellen und Bayes-Methoden für longitudinale Daten durchgeführt. Für die Untersuchung standen 9729 Testtagsergebnisse von 1108 milchleistungsgeprüften Milchschafen mit 1746 Laktationsleistungen zur Verfügung. Die Milchleistungsdaten wurden von den Landesschafzuchtverbänden Niedersachsen, Weser-Ems, Westfalen-Lippe und der Bayerischen Herdbuch-Gesellschaft für Schafzucht bereitgestellt und stammten aus den Jahren 1992-2000. Bei 186 Milchschafen wurden 626 Euterbeschreibungen und 154 Körperbewertungen aus den Jahren 1999 und 2000 erfasst. Der Pedigreedatensatz bestand aus 2988 Tieren. Mit einem multivariaten Testtagstiermodell mit fixer Regression wurden für die Milch-, Fett- und Eiweissmenge Heritabilitäten von h2=0,17, 0,13 und 0,17 sowie für den Fett- und Eiweissgehalt und den Somatic Cell Score (SCS) Heritabilitäten von h2=0,07, 0,24 und 0,19 für die ostfriesischen Milchschafe geschätzt. Die für beide Rassen geschätzten Heritabilitäten entsprechen bis auf den Eiweissgehalt nahezu denen der ostfriesischen Milchschafe. Die Mittelwerte der mittels des Testtagstiermodells mit zufälliger Regression geschätzten Heritabilitäten lagen für die Milchmenge, den Fett- und Eiweissgehalt sowie für den SCS bei h2=0,25 ± 0,03, 0,46 ± 0,09, 0,63 ± 0,12 und 0,17 ± 0,02. Im Verlauf der Laktation schwankten die Heritabilitäten bei der Milchmenge von h2=0,03 bis 0,47, beim Fettgehalt zwischen h2=0,30 bis 0,70, beim Eiweissgehalt zwischen h2=0,44 bis 0,92 und beim SCS zwischen h2=0,14 bis 0,37. Hohe additiv-genetische Korrelationen (rg > 0,79) lagen zwischen der Milchmenge und der Fett- und Eiweissmenge vor. Niedrige additiv-genetische Korrelationen (rg=0,03 bis -0,15) bestanden zwischen der Milchmenge und dem Fett- und Eiweissgehalt. Die Eiweissmenge war mit dem Fettgehalt ebenso wie die Fettmenge mit dem Eiweissgehalt niedrig und negativ additiv-genetisch korreliert. Zwischen dem SCS und den Milchleistungsmerkmalen ergaben sich niedrige additiv-genetische Korrelationen (rg=0,14 bis -0,17). Mittlere bis hohe Heritabilitäten (h2=0,40 bis 0,67) ergaben sich bei multivariater Auswertung der Eutermerkmale der ostfriesischen Milchschafe für die Symmetrie, die hintere Strichplatzierung, die Strichrichtung und die Strichlänge. Für die Vordereuterform und -größe, den Euteransatz, das Zentralband und die Euterbodenform wurden Heritabilitäten von h2=0,06 bis 0,20 geschätzt. Die Heritabilitäten der Vordereuteraufhängung, der Eutertiefe, der Euterboden-unterteilung, der seitlichen Strichplatzierung und Strichform lagen im mittleren Bereich. Bei Auswertung beider Rassen lagen bei der Vordereutergröße, der Eutertiefe, der seitlichen Strichplatzierung, der Strichform und Strichlänge deutliche Abweichungen gegenüber den Heritabilitätsschätzwerten der ostfriesischen Milchschafe vor. Bei den Eutermerkmalen wurden die höchsten additiv-genetischen Korrelationen (rg=0,70 bzw. 0,84) zwischen der Euterbodenform und dem Zentralband sowie der Euterbodenunterteilung geschätzt. Die positiven additiv-genetischen Korrelationen zwischen dem Euteransatz und der Vordereuteraufhängung bzw. -größe (rg=0,24 bzw. 0,28) ermöglichen eine züchterische Veränderung des Euters hinsichtlich der im Zuchtziel beschriebenen Euterform. Demgegenüber stehen die negativen additiv-genetischen Korrelationen (rg=-0,33 bis -0,92) zwischen der Eutertiefe und der Vordereutergröße sowie dem Euteransatz. In ähnlicher Höhe lag auch die negative additiv-genetische Korrelation zwischen dem Zentralband und der Vordereutergröße. Zwischen der Strichrichtung und der hinteren Strichplatzierung bestand eine hohe additiv-genetische Korrelation (rg=0,69 bis 0,78), die eine Zucht auf vertikale und am Euterboden angesetzte Striche begünstigt. Die Strichlänge ist ebenso hoch positiv mit der Strichplatzierung von hinten und der Strichrichtung sowie mit der Strichform additiv-genetisch korreliert (rg=0,59 bis 0,96). Hoch und negativ sind die hintere Strichplatzierung und die Strichrichtung mit der Vordereutergröße additiv-genetisch korreliert (rg=-0,34 bis -0,59). Zwischen der seitlichen Strichplatzierung und der Vordereuteraufhängung bestand eine mittlere bis hohe positive additiv-genetische Korrelation (rg=0,51 bzw. 0,62). Diese additiv-genetischen Korrelationen zwischen den Euter- und Strichmerkmalen wirken der im Zuchtziel angestrebten Euterform für jeweils eines der miteinander korrelierten Merkmale entgegen. Ebenso führt eine züchterische Verbesserung der Vordereutergröße und des Euteransatzes zu einer unerwünschten Beeinflussung der Strichlänge und -form. Mittlere bis hohe additiv-genetische Korrelationen (rg=0,31 bis 0,91) bestanden zwischen der Vordereutergröße sowie dem Euteransatz und der Milch-, Fett- und Eiweissmenge. Ebenfalls hoch positiv korrelierte die Vordereutergröße additiv-genetisch mit dem Fett- und Eiweissgehalt. Zwischen der hinteren Strichplatzierung und der Strichrichtung lagen mit der Milch- und Eiweissmenge bzw. Fettmenge additiv-genetische Korrelationen von rg=0,35 bis 0,69 vor. Diese additiv-genetischen Korrelationen ermöglichen einen gleichzeitigen Zuchterfolg sowohl hinsichtlich einer Verbesserung der Euterform als auch in bezug auf eine Steigerung der Milchleistung. Mittel bis hoch und negativ waren die additiv-genetischen Korrelationen (rg=-0,37 bis -0,64) zwischen der Vordereuteraufhängung sowie der Schwanzbewollung und der Milch-, Fett- und Eiweissmenge. Zwischen dem SCS und der Vordereuter-aufhängung, der Eutertiefe, der hinteren und seitlichen Strichplatzierung und der Strichrichtung lagen niedrige bis mittlere negative additiv-genetische Korrelationen vor, so dass bei einer züchterischen Umsetzung der im Zuchtziel beschriebenen Euterform eine Abnahme des SCS zu erwarten ist. Deutlich positiv war der SCS mit der Vordereutergröße und der Strichform additiv-genetisch korreliert (rg=0,32 bis 0,60). Die Mitberücksichtigung der Daten der schwarz-braunen Milchschafe führte im Vergleich zu der alleinigen Auswertung der ostfriesischen Milchschafe bei den geschätzten additiv-genetischen Korrelationen zwischen den Eutermerkmalen sowie zwischen den Euter- und Zitzenmerkmalen zum Teil zu deutlichen Unterschieden. Bei multivariater Auswertung der Körpermerkmale wurden die höchsten Heritabilitäten (h2=0,69 bis 0,71) für die Widerrist- und Kreuzhöhe, den Brustumfang und die Mittelhandlänge ermittelt. Niedrige Heritabilitäten (h2=0,11 und 0,16) lagen bei der Gliedmaßenwinkelung und der Fesselstellung vor. Für die Kopfausprägung, die Bemuskelung und die Beinstärke ergaben sich Heritabilitäten im mittleren Bereich. Die höchsten additiv-genetischen Korrelationen lagen zwischen der Widerristhöhe, der Kreuzhöhe, dem Brustumfang und der Mittelhandlänge vor. Auf Grund der mittleren bis hohen positiven additiv-genetischen Korrelationen zwischen der Widerristhöhe, der Kreuzhöhe und der Widerristbreite mit der Gliedmaßenwinkelung kann es bei einer Zucht auf großrahmige Tiere zu einer zu starken Winkelung der Hintergliedmaßen kommen. Von den untersuchten Milch- und Blutproteinpolymorphismen zeigten das b-Casein und a-s2-Casein einen signifikanten Zusammenhang zur Milch-, Fett- und Eiweissmenge sowie zum Eiweissgehalt. Das b-Lactoglobulin erwies sich nur für die Mengenmerkmale als signifikant, nicht aber für die Milchinhaltsmerkmale. Von den Blutproteinen war nur für das Transferrin ein signifikanter Effekt auf die Milch- und Eiweissmenge sowie für das Hämoglobin auf die Eiweissmenge und den Eiweissgehalt nachzuweisen. Die Gruppenspezifische Komponente hatte keinen Einfluss auf die untersuchten Milchleistungsmerkmale.

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Horstick, Annette: Populationsgenetische Untersuchung von Milchleistungs- und Exterieurmerkmalen beim ostfriesischen und schwarz-braunen Milchschaf. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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