Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Beitrag zur Ernährungsforschung bei Pferden bis 1950

Klingeberg-Kraus, Stefanie

In der vorliegenden Dissertation wurden die Forschungsarbeiten zur Verdauungsphysiologie, sowie zum Energie- und Eiweißstoffwechsel beim Pferd aus dem 18., 19. und der ersten Hälfte des 20. Jh. anhand der einschlägigen Literatur (Zeitschriften, Bücher) systematisch gesammelt und ausgewertet. Nach ersten sporadischen Untersuchungen zur Verdauungsphysiologie im 18. Jh. sowie der ersten Hälfte des 19. Jh. beginnen gründliche Arbeiten zur Verdauungsphysiologie um 1850 in Paris (COLIN; Sekretion von Speichel, Bauchspeichel, Galle; Magen), vor allem aber ab 1880 in Dresden (ELLENBERGER und HOFMEISTER; Kopfdarm, Magen und Dünndarm). Diese Arbeiten werden nach der Jahrhundertwende bis in die 20er Jahre des 20. Jh. von SCHEUNERT in Dresden bzw. Leipzig (Themata wie zuvor, sowie Dickdarm) fortgeführt. Quantitative Aspekte der Verdauung (Verdaulichkeit) versuchte erstmals WALDINGER (1808) durch eingekapselte Futtermittel, die den Darmkanal passierten, zu erfassen. Routinemäßige Verdauungsversuche folgten ab den 60er Jahren des 19. Jh. vor allem in Paris, Dresden und Hohenheim. Bis 1950 existierten 121 Publikationen über Verdauungsversuche, davon 71% aus Deutschland, 17% aus Frankreich, 6% aus den USA sowie 6% aus anderen Ländern. In vitro-Tests ergänzten diese Untersuchungen ebenso wie postmortale Analysen zur Bestimmung der partiellen Verdaulichkeit, letztere jedoch wenig erfolgreich. Den Energiebedarf von ruhenden wie arbeitenden Pferden versuchte man durch Zuteilung definierter Rationen und Registrierung der Gewichtsveränderungen sowohl in Paris (MÜNTZ, GRANDEAU) als auch in Hohenheim (WOLFF et al.) und Breslau (EHRENBERG et al.) abzuschätzen. Die Daten und daraus abgeleiteten Versorgungsempfehlungen konnten erst durch umfassende Respirationsversuche in Berlin (ZUNTZ) abgestützt und transparent gemacht werden. Weitere Respirationsversuche in Bonn (HAGEMANN 1911), Möckern (FINGERLING 1931) oder Missouri (BRODY 1945) haben keine grundsätzlich neue Information geliefert. Der intermediäre Stoffwechsel der Kohlenhydrate und Fette (Speicherung, Transport und Umsatz) bleibt im Rahmen der Respirationsversuche weitgehend unberücksichtigt. Diese Fragen erfuhren in den 20er Jahren des 20. Jh. durch das gehäufte Auftreten verschiedener Erkrankungen (insbesondere Verschlag) und die Entwicklung von klinisch einsetzbaren Tests verstärkt Beachtung. Erste Berichte über den Anstieg des Milchsäuregehaltes im Blut von arbeitenden Pferden (anaerober Stoffwechsel) stammen aus dem Jahr 1941. Aufgrund der Erkenntnisse bei anderen Spezies (Rind, Hund) wurden schon ab der Mitte des 19. Jh. die N-Bilanzen beim Pferd aufgestellt, insbesondere wurde auch über die verschiedenen N-haltigen Komponenten im Harn sowie ab 1882 über den Rest-N bzw. Harnstoffgehalt im Blut berichtet. Der intestinale N-Umsatz wurde nur in Ansätzen erkannt.

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Klingeberg-Kraus, Stefanie: Beitrag zur Ernährungsforschung bei Pferden bis 1950. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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