Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Histologische und immunhistologische Untersuchungen an der Synovialmembran von Hunden mit spontanem vorderen Kreuzbandriß oder Polyarthritis

Lemburg, Anna Katharina

Gelenkerkrankungen werden klassischerweise in entzündliche und nicht-entzündliche Arthropathien eingeteilt. Unabhängig von dieser Klassifizierung mußte man aber erkennen, daß sich bei beiden Krankheitsabläufen sowohl beim Menschen als auch beim Hund entzündliche Veränderungen in der Synovialis finden lassen. Aber nicht nur die zelluläre Beteiligung am Entzündungsgeschehen, auch die Zell-Zell-Interaktionen und deren Vermittlung wurden Gegenstand des Interesses. Die Expression verschiedener Adhäsionsmoleküle als Vermittler von Zell-Zell-Kontakten sowie von Zell-Matrix-Kontakten kann als Maß für die Aktivierung von Zellen im entzündlich veränderten Gewebe angesehen werden. Die Expression von Adhäsionsmolekülen in der Synovialmembran von Hunden mit Gelenkerkrankungen ist bisher noch nicht untersucht worden. In der vorliegenden Arbeit wurden die Entzündungszellen in der Synovialis des Hundes, die bei der rheumatoiden Arthritis bzw. nach einem Kreuzbandriß auftreten, durch immunhistochemische Methoden phänotypisch differenziert. Desweiteren wurde das Vorkommen von Zellen mit dendritischer Morphologie und die Expression bestimmter Adhäsionsmoleküle in der unveränderten wie der entzündlich infiltrierten Synovialis des Hundes charakterisiert. Hierfür wurden Synovialisproben aus dem Kniegelenk von Patienten mit vorderem Kreuzbandriß (n=28) und von Hunden mit chronischer Polyarthritis (n=7) untersucht und Synovialisproben von 11 Vergleichstieren miteinbezogen. Bis auf vier Synovialisproben, die entweder unverändert oder nicht auswertbar waren, wiesen alle Biopsien der Patienten mit Kreuzbandriß und auch die Proben der Hunde mit Polyarthritis entzündliche Veränderungen, überwiegend in Form lymphoplasma-zellulärer Infiltrate, in unterschiedlichem Ausmaß auf. Das Maß der Entzündung im Verhältnis zur jeweiligen Patientengruppengröße zeigte, daß in der Kreuzbandrißgruppe 60% der Proben geringgradig, 15% mittelgradig und 10% hochgradig entzündlich verändert waren. Die restlichen 15% der Proben waren entweder unverändert oder aufgrund mangelnder Synovialdeckzellanschnitte bzw. aus technischen Gründen nicht eindeutig auswertbar. In der Polyarthritisgruppe wiesen 71% der Tiere geringgradige Veränderungen auf und 29% der Tiere hatten eine mittelgradig entzündlich veränderte Synovialis. Geringgradig infiltrierte Fälle zeigten im H.E. Bild immer ein disseminiertes Verteilungsmusterf. Höhere Grade an Infiltration gingen stets mit einem disseminierten und fokalen Verteilungsmuster der Entzündungszellen einher. Aufgrund meiner Untersuchungsergebnisse war demnach festgzustellen, daß die Synovialmembran aus Gelenken mit degenerativen Veränderungen auch entzündliche Veränderungen aufweist und diese Entzündung in der Mehrzahl der Fälle geringgradig, aber durchaus auch hochgradig sein kann. Es konnte allerdings kein signifikanter Unterschied in der Anzahl der verschiedenen Entzündungszellen zwischen der Gruppe der Hunde mit Kreuzbandruptur und der Gruppe der Hunde mit chronischer Polyarthritis festgestellt werden. Außerdem gab es bei den Kreuzbandrißpatienten mehr Fälle mit bis zu 75% Plasmazellanteil am Gesamtinfiltrat als bei den Patienten mit chronischer Polyarthritis. In beiden Patientengruppen waren die Plasmazellen überwiegend positiv für Immunglobulin G, die Anzahl IgM- und IgA-positiver Zellen jedoch geringer. Bei den Polyarthritis-Fällen waren die T-Lymphozyten die dominierende Zellart in den Infiltrationen. In dieser Arbeit konnte gezeigt werden, daß auch in der Synovialis des Hundes, in unverändertem wie entzündlich verändertem Gewebe, viele MHCII-positive Zellen mit dendritischer Morphologie vorkommen können. Oft liegen diese Zellen in direkter Nachbarschaft zu den lymphoplasmazellulären Infiltraten. Weiterhin war nachzuweisen, daß die Adhäsionsmoleküle CD11a, CD11c und CD18 in unveränderter wie entzündlich veränderter Synovialis des Hundes exprimiert werden. Konnten bei den Vergleichstieren nur wenige positive Zellen in der Deckzellschicht und im Stroma beobachtet werden, so stieg das Maß der Expression aller drei Adhäsionsmoleküle in den entzündlich veränderten Fällen in unterschiedlichem Ausmaß an. Der Expressionsgrad der Adhäsionsmoleküle korrelierte positiv mit dem Maß an synovialer Entzündung.

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Lemburg, Anna Katharina: Histologische und immunhistologische Untersuchungen an der Synovialmembran von Hunden mit spontanem vorderen Kreuzbandriß oder Polyarthritis. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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