Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Qualitative und quantitative Risikofaktoren für die Einschleppung und Verbreitung von Viruskrankheiten am Beispiel der Klassischen Schweinepest (KSP) und der Maul- und Klauenseuche (MKS)

Nissen, Bettina

Das Ziel dieser Arbeit bestand in der Ermittlung der relativen Wichtigkeiten von Risikofaktoren, die eine Bedeutung für die Einschleppung der Klassischen Schweinepest sowie der Maul- und Klauenseuche nach Deutschland und ihrer Verbreitung innerhalb Deutschlands haben. Hierzu fand eine Expertenbefragung statt, die mit Hilfe eines speziellen statistischen Verfahrens, der Conjoint Analyse, erstellt und ausgewertet wurde. Die Durchführung der Befragung erfolgte mit zwei verschiedenen Methoden. Es wurden zum einen 41 Experten aus fünf verschiedenen Arbeitsbereichen persönlich befragt. Zusätzlich wurden 151 Fragebögen an Experten aus Veterinärämtern fünf ausgewählter Bundesländer verschickt. Die Einschätzungen der Experten wurden einer Conjoint Analyse unterzogen. Mit den Ergebnissen aus der Conjoint Analyse wurde weiterhin eine Clusteranalyse durchgeführt, um zu prüfen, ob Gleichheiten in den Beurteilungen der Risikosituationen aufgrund desselben Arbeitsfeldes bzw. der Tätigkeit in derselben Region auftraten. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: An der persönlichen Befragung nahmen für die KSP 40 und für die MKS 38 Personen teil. Von den 151 verschickten Fragebögen wurden 78 (52 %) zurückgeschickt, von denen 66 auswertbar waren. Die Ergebnisse der Conjoint Analyse aus diesen beiden unterschiedlichen Befragungsmethoden fielen vergleichbar aus. Dies läßt den Schluß zu, daß Expertenbefragungen unter Nutzung der Vorteile des postalischen Weges durchgeführt werden können, ohne einen Verlust der Qualität der Ergebnisse zu riskieren. Für die Einschleppung der KSP nach Deutschland wird das größte Risiko im Import von lebenden Schweinen (26,1 % bzw. 27,0 %) sowie durch Wildschweine (26,8 % bzw. 20,8 %) gesehen. Weiterhin erlangt noch die Fütterung importierter Speiseabfälle (18,3 % bzw. 19,0 %) eine ähnlich hohe Bedeutung. Die größte Gefahr für die Verbreitung der KSP innerhalb Deutschlands stellen insbesondere die Risikofaktoren Viehdichte und indirekter Kontakt dar. Zusammengefaßt erlangen diese beiden Faktoren relative Bedeutungen von 32,9 % bzw. 26,9 %. In dieser Form gleichen sie den in Studien häufig genannten Risiken Nachbarschaft, Personen und Fahrzeuge, die sich ebenfalls zusammenschließen lassen und dann Bedeutungen zwischen 31 % und 38 % erreichen. Die weiteren Risikofaktoren Fütterung von Speiseabfällen, Tierhandel und Tierverkehr, Wildschweine und inapparente Infektionen liegen mit ihren Bedeutungen alle in derselben Größenordnung. Eindeutig als gefährlichster Faktor für die Einschleppung der MKS nach Deutschland wird der Import von Lebendvieh (25,3 % bzw. 27,7 %) eingeschätzt. Mit einigem Abstand folgen die Fütterung importierter Speiseabfälle (18,4 % bzw. 17,4 %) und der Tourismus (16,4 % bzw. 13,7 %). Das größte Risiko für die Verbreitung der MKS innerhalb Deutschlands bergen ebenfalls die Faktoren Viehdichte und indirekter Kontakt, die zusammengefaßt relative Bedeutungen von 39,5 % bzw. 40,8 % erlangen. Eine weitere wesentliche Gefahr ist im Tierhandel und Tierverkehr (27,2 % bzw. 29,3 %) zu sehen. Mit den Ergebnissen der Conjoint Analyse wurde eine Clusteranalyse durchgeführt. Mit ihr sollte getestet werden, ob äußere Einflüsse, wie die Tätigkeit in demselben Arbeitsbereich bzw. in derselben Region, bei der Beurteilung der Risikosituationen eine Rolle spielten. In diesem Fall wäre eine Durchführung der Conjoint Analyse innerhalb bestimmter Gruppen sinnvoll gewesen. Die Clusteranalyse ergab, vorbehaltlich der differierenden Anzahl an Beobachtungen in den Gruppen, daß die äußeren Umstände keine Bedeutung haben, was zu einer gemeinsamen Auswertung aller Teilnehmer führte. Die auf dem Wege der Expertenbefragung ermittelten relativen Bedeutungen ermöglichen eine Einschätzung der Risiken, die für die Einschleppung und Verbreitung der KSP und der MKS in bezug auf die Bundesrepublik Deutschland vorhanden sind. Solange Felddaten nicht ausreichend zur Verfügung stehen, stellt diese Art der Datenbeschaffung eine hilfreiche Methode dar. Die Daten können u. a. als Parameter für Computer-Simulationsmodelle dienen, die sich mit Verhütungs- und Bekämpfungsmaßnahmen von Tierseuchen beschäftigen.

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Nissen, Bettina: Qualitative und quantitative Risikofaktoren für die Einschleppung und Verbreitung von Viruskrankheiten am Beispiel der Klassischen Schweinepest (KSP) und der Maul- und Klauenseuche (MKS). Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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