Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Ernährungsphysiologische Studien am Hund (Verdauung, Energie- und Eiweißstoffwechsel) von 1900 bis 1950

Oppmann, Heike

Die vorliegende Arbeit dokumentiert die an Hunden im Zeitraum 1900-1950 gewonnenen Forschungsresultate zur Verdauungsphysiologie, zum Energie- und Eiweißstoffwechsel und zur Futtermittelkunde, mit Bezug zu Kenntnissen des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart. Während des ersten Quartals des 20. Jahrhunderts war die Forschung am Hund noch immer zuallererst von biologisch-vergleichenden und humanmedizinischen Fragestellungen geprägt. So gelang mit Hilfe des Hundes die Isolierung des Pankreashormons Insulin und die Identifikation des Insulinmangels als Ursache des Pankreasdiabetes. Weitere bahnbrechende Entdeckungen betrafen beispielsweise die Therapie des Diabetes mellitus und der Leberverfettung, die Behandlung von Eiweißmangelzuständen (Eiweißmangelödem), Blutverlusten sowie Verdauungsstörungen (Pankreasinsuffizienz, Gallengangsverschluß). Beginnend in den 20-er Jahren wurden bereits Themen bearbeitet, die die Klinik des Hundes selbst betrafen, wie zum Beispiel die Therapie des Diabetes beim Hund, die Entwicklung hundespezifischer Blutparameter, das Vorkommen von Harnsteinen beim Hund, die Störung des Purinstoffwechsels beim Dalmatiner. Auch die Futtermittelindustrie entdeckte den Hund im 20. Jahrhundert aufgrund seines zunehmenden Stellenwertes in der Zucht und Privattierhaltung als Verbraucher. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren ausgehend von England die ersten Mischfutter (Hundebiskuits) kommerziell produziert worden, an deren Optimierung man im 20. Jahrhundert - unterbrochen von Kriegs- (1. und 2. Weltkrieg) und Notzeiten - intensiv arbeitete. In den 30-er und 40-er Jahren erfolgten richtungsweisende Studien zur Toxizität und Verträglichkeit bestimmter Futterinhaltsstoffe für den Hund, zu Mangelkrankheiten sowie zum Nährstoffbedarf des adulten, des wachsenden und des arbeitenden Hundes sowie der laktierenden Hündin. Gleichzeitig wurden die ersten Diätfuttermittel für den kranken Hund und der erste kommerziell vertriebene Milchaustauscher für Welpen eingeführt. Auch wenn der Hund somit eine zunehmende Wertschätzung von Seiten des Tiermediziners und Privattierhalters erfuhr, wären auch im 20. Jahrhundert viele wesentliche Leistungen auf dem Gebiet der Humanmedizin ohne den Hund nicht erbracht worden. Dies ist nur ein Grund, warum wir dem Hund, der heute zuallererst eine Funktion als Kamerad und Begleiter des Menschen erfüllt, Dank schulden.

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Oppmann, Heike: Ernährungsphysiologische Studien am Hund (Verdauung, Energie- und Eiweißstoffwechsel) von 1900 bis 1950. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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