Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Sonographische Lungenbefunde bei klinisch gesunden und lungenkranken Kälbern

Rocker, Anke

Die sonographischen Untersuchungen erfolgten an 81 Kälbern in insgesamt vier Durchgängen im Rahmen einer Wirksamkeitsstudie (Doppelblindstudie) für ein Medikament zur oralen Behandlung einer Bronchopneumonie. Die Kälber wurden täglich klinisch untersucht und eine eingehende Auskultation vorgenommen. In dreitägigem Abstand wurden die Tiere sonographisch untersucht, Blutgasanalysen des arteriellen Blutes durchgeführt und Lungenfunktionsanalysen durch Impulsoszilloresistometrie (IOS) vorgenommen. Die sonographische Untersuchung erfolgte jeweils an 37 Untersuchungspunkten der rechten und der linken Lunge mittels MicoImager 1000 (Ausonics) mit 7,5 MHz Real-time Sektorscanner. Die Ergebnisse von insgesamt 432 sonographischen Untersuchungen (5,4 ± 1,3 Untersuchungen pro Tier) wurden ausgewertet. Die Sonographie ermöglichte eine quantitative Erfassung subpleuraler Veränderungen durch Beurteilung des Umfangs von Kometenschweifartefakten und Konsolidierungen. Kometenschweifartefakte waren in begrenztem Umfang auch bei klinisch lungengesunden Kälbern im ventralen Bereich der Lunge nachweisbar. Klinische Relevanz erlangen Kometenschweifartefakte erst, wenn sie mittel- bis hochgradig auch in den dorsalen Arealen sonographisch nachweisbar waren. Eine größere Rolle für das Krankheitsgeschehen kam den Konsolidierungen zu. So wurden bei 85 % der Kälber mit schwerer Dyspnoe umfangreiche Konsolidierungen in den ventralen Lungenbereichen nachgewiesen. Die sonographischen Befunde der Lunge wurden im Rahmen der Auswertung getrennt für die Kometenschweifartefakte und die Konsolidierungen mittels einer Zahl quantifiziert, die dem Anteil an einem hypothetischen Maximalwert entsprach. Diese Werte wurden mit den Ergebnissen der Blutgasanalyse, der klinischen Symptomatik (quantifiziert mittels eines Scores) und der IOS-Messungen korreliert. Die Korrelationen zwischen diesen Werten und dem Umfang der Kometenschweifartefakte waren zwar hochsignifikant; die Korrelationskoeffizienten waren jedoch niedrig (im Mittel r = 0,24). Demgegenüber korrelierte der Umfang der Konsolidierungen hochsignifikant und enger mit dem klinischen Score (r = 0,67), dem Sauerstoffpartialdruck, Sauerstoffsättigung und alveolo-arterieller Sauerstoffpartialdruckdifferenz (r = 0,62-0,65) und der im Rahmen der IOS-Messungen bestimmten Reactance bei 5 Hz (r = 0,38), die der Compliance der Lunge entspricht. Der Umfang der Konsolidierungen korrelierte nicht mit der Resistance, die dem Atemwegswiderstand entspricht. Es läßt sich schlußfolgern, daß sonographisch mittels Erkennung verdichteter, atelektatischer Lungenareale vor allem die restriktive Komponente von Ventilationsstörungen nachgewiesen werden kann. Da diese für die Oxigenierung des Blutes bei Kälbern mit enzootischer Bronchopneumonie wichtiger zu sein scheint als der Umfang der Obstruktionen, kann die Diagnostik bei lungenkranken Kälbern durch die sonographische Untersuchung verbessert werden. Die Befunde sind – vor allem in Verbindung mit den Ergebnissen der Blutgasanalyse – relevant für die Einschätzung der Prognose von lungenkranken Kälbern. Insbesondere erscheint die Sonographie wertvoll für Verlaufsuntersuchungen bei respiratorischen Erkrankungen, die mit subpleuralen Veränderungen des Lungenparenchyms einhergehen.

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Rocker, Anke: Sonographische Lungenbefunde bei klinisch gesunden und lungenkranken Kälbern. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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