Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Etablierung einer neuen plastischen Chirurgie der Rekto-Vagino-Vestibulum-Fistel beim Pferd

Sampaio, Augusto J. S. A.

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, eine neue Methode der chirurgischen Reparatur der sogenannten Rekto-Vestibulumfistel beim Pferd zu entwickeln. Hierbei sollte versucht werden, vorteilhafte Bestandteile bereits bestehender etablierter Methoden der plastischen Chirurgie dieses traumatisch bedingten Defekts aufzugreifen und zu kombinieren und deren Nachteile - chirurgische Transferierung zum Dammriss 3. Grades, Kompliziertheit der Operationsdurchführung und hohe Rezidivrate - zu eliminieren. Das wesentliche Kennzeichen der neuen Operationsmethode ist die chirurgische Überführung und Hereinnahme der Rekto-Vestibulumfistel in einen artifiziellen Dammriss 2. Grades, womit wesentliche Bestandteile des Perinealkörpers und der Sphincter ani in toto erhalten bleiben. Zur schrittweisen Etablierung der neuen chirurgischen Plastik wurden drei Erprobungsabschnitte der Operationstechnik eingehalten: Im Abschnitt A wurde die Methode am isolierten Organmaterial (n = 15) in einem eigens hierfür konstruierten Stativ auf grundsätzliche Durchführbarkeit simuliert. Im Abschnitt B erfolgte eine Erweiterung der Operationssimulation am frischtoten Tier (n = 8), dessen Hinterpartie durch entsprechende Halte- und Hebevorrichtung in topografisch normaler Stehendposition verbracht wurde. Dies erlaubte eine weitestgehende Simulation der Operation später am lebenden Probanden unter Einschluss der normalen Operationsfeldvorbereitung, lokaler Anaesthesie, Operationsfeldpräsentation, chirurgische Präparation und Naht. Die Erprobung der Operation erwies deren technische Durchführungsbarkeit und ergab einen hohen Trainingseffekt für den Operateur, sodass die Operation am lebenden Tier im Abschnitt C erprobt werden konnte. Abschnitte C bestand aus zwei Phasen der Operationserprobung am lebenden Tier (n = 6). In Phase 1 erfolgte die artifizielle Anlage der Fistel, wodurch gleiche Ausgangsbedingungen für den plastischen Wiederverschluss geschaffen wurden. Die Durchführung der Operation, die sich konsequent an die in den Voruntersuchungen der Abschnitte A und B hielten, war in jedem Falle möglich. Die Abheilung bis zum Entfernen der Fäden verlief klinisch ungestört. Die klinische Abheilung der operierten Fisteln war im Mittel nach 14 Tagen erreicht worden. Komplikationen wie Darmobstipationen, Tenesmus, überschiessende Entzündungsreaktion oder Allgemeinstörungen der Probanden wurden in keinem Fall beobachtet. In vier von sechs Fällen war die Fistel nach erster Operation vollständig verschlossen und abgeheilt. In zwei von sechs Fällen entstand ein Rezidiv in Form einer nunmehr wesentlich kleineren Fistel, die in je einer Nachoperation endgültig verschlossen wurde und abheilte. Die pathologisch-anatomisch und histologischen Untersuchungen des Rektalboden und des Vestibulumdachs im Bereich der Operation nach der Euthanasie der Tiere ergaben bei allen sechs untersuchten Probanden ähnliche Befunde. Die Befunde belegen, dass im Bereich der operierten Fistel sowohl makroskopisch als auch histologisch eine eindeutige Ausheilung mit Vernarbung eingetreten war, die als belastbar zu bewerten ist. Abschliessend ist festzustellen, dass die vorgestellte, neu etablierte plastische Chirurgie der Rekto-Vestibulumfistel die wesentlichen Zielsetzungen; 1. Dauerhafter und belastbarer chirurgischer Verschluss der Fistelöffnung, 2. Erhalt der Integrität der Schliessfunktion des Sphincter ani und 3. Zuverlässiger externer Genitalabschluss erfüllt und dem Einsatz in der Praxis zu Breitenerprobung anempfohlen werden kann.

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Sampaio, Augusto J. S. A.: Etablierung einer neuen plastischen Chirurgie der Rekto-Vagino-Vestibulum-Fistel beim Pferd. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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