Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Uterusdistension und intrauterinen Druckentwicklung bei der Hysteroskopie des Pferdes

Schiemann, Viola

Die Durchführung der in der equinen Gynäkologie inzwischen etablierten diagnostischen und operativen Hysteroskopie erfordert eine ausreichende Distension der zu untersuchenden Gebärmutter. Zur Festsetzung dazu notwendiger intrauteriner Distensions- und Grenzdrücke wurden neun klinisch anöstrische Stuten jeweils fünfmal, sowie zehn interöstrische Stuten jeweils einmal endoskopisch untersucht. Die Untersuchung der anöstrischen Stuten wurde dabei zur Klärung des pharmakologischen Einflusses auf die intrauterinen Drücke und zur Prüfung der Durchführbarkeit unter wechselnder Sedation (Xylazin/Levomethadon, Acepromazin/ Levomethadon und ohne Sedation) vorgenommen. Mit Hilfe definierter Insufflationsschemata erfolgte die Bestimmung des für die vollständige uterine Entfaltung notwendigen Druckbereiches (parb, pI, pII, pIII), des intrauterinen Grenzdruckes für den Zervixschluss (pcerv), als auch der maximal zu erzielenden Drücke (pmax). Ein parallel zur Druckmessung vorgenommenes Monitoring der Herzfrequenz diente als Anhaltspunkt für die Kreislaufbelastung während des jeweiligen Druckbereiches. Sowohl die vollständige Entfaltung der Gebärmutter als Voraussetzung der uneingeschränkten Visualisierung endouteriner Strukturen, als auch die Zervixpassage waren zu beiden untersuchten Zyklusstadien möglich. Es ließ sich ein reproduzierbarer mittlerer Arbeitsdruck (parb) mit nur geringer Standardabweichung von etwa 20 ± 5 mmHg festlegen. Für die vollständige Distension des Cavum uteri waren intrauterine Einzeldrücke bis 30 mmHg meistens ausreichend, niemals wurden Drücke oberhalb 40 mmHg benötigt. Die Art der Sedation nahm keinen signifikanten Einfluss auf die intrauterinen Drücke, jedoch auf die Durchführbarkeit eines sicheren hysteroskopischen Eingriffes. Ausschließlich Xylazin/Levomethadon erwies sich als geeignet, bei den Stuten die notwendige Toleranz gegenüber den vorgenommenen Manipulationen zu erzeugen. Beim Vergleich der beiden in Abhängigkeit des Serumprogesterongehaltes gebildeten Gruppen (Gruppe A (n=7): < 1ng/ml, Gruppe B (n=12): > 1ng/ml) war der pcerv als Ausdruck für die Zervixschlussfunktion bei den unter Progesterondominanz stehenden Stuten (Gruppe B) mit 65,93 mmHg signifikant höher (p<0,05) als der der Gruppe A mit 48,22 mmHg. Insgesamt waren damit in Gruppe B durch den leichter zu beherrschenden Verlust über den Zervikalkanal auch signifikant höhere Maximaldrücke (pmax) zu erzeugen. Darüberhinaus nahm die Wahrscheinlichkeit, den Arbeitsdruck ohne manuellen Verschluss der Zervix aufbauen zu können, mit zunehmendem Progesteronwert zu. Aufgrund der nur bei Applikation von Xylazin/Levomethadon ausreichenden Ausschaltung äusserer Reize, war unter Verwendung dieser Sedation am eindeutigsten eine Beziehung zwischen intrauterinem Druck und Herzfrequenz herstellbar. Während intrauterine Drücke im hier definierten Arbeitsdruckbereich zu nahezu keiner Kreislaufbelastung führten, stieg die Herzfrequenz oberhalb dieses Bereiches sehr hoch signifikant an. Zur Überprüfung der Geschlechtsgesundheit erfolgte eine klinische, mikrobiologische (Uterustupfer) sowie pathohistologische (Endometriumbiopsie) Verlaufsuntersuchung der interöstrischen Stuten (n=8). Diese ergab eine bakteriologische Kontaminationsrate von 50% (n=4) am Tag 5 nach der Hysteroskopie. Häufigster nachgewiesener Keim war dabei Pseudomonas aeruginosa. Bei zwei Stuten persistierte der Keim auch nach dem Folgeöstrus ohne endometriale Reaktion. Bei 75% (n=6) der Stuten war eine geringgradige eitrige oberflächliche Entzündungsreaktion in der Endometriumbiopsie nachweisbar, die in vier von sechs Fällen nach dem darauffolgenden Östrus überwunden war. Auffälligster Befund der histologischen Untersuchung des Endometriums war eine durch die Hysteroskopie induzierte deutliche Eosinophilie. Die zugrundeliegende Ätiologie bedarf jedoch noch der weiteren Klärung. Zur uneingeschränkten Darstellung endouteriner Strukturen im Rahmen einer Hysteroskopie ist die vollständige Distension der Gebärmutterhöhle Voraussetzung. Da jedoch nach dem Erreichen dieser jede weitere Druckerhöhung visuell nicht erfassbar ist, ungewollt überhöhte intrauterine Drücke aber, wie hier gezeigt, einen starken Einfluss auf Kreislaufparameter haben, ist eine gerätegesteuerte Insufflation zu empfehlen. Auf Basis vorliegender Arbeit, sollte ein für equine Verhältnisse vorgesehener Hysteroflator einen Flow von 3 - 5 l/min sowie einen maximalen intrauterinen Druck von 40 mmHg vorgeben.

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Schiemann, Viola: Untersuchungen zur Uterusdistension und intrauterinen Druckentwicklung bei der Hysteroskopie des Pferdes. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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