Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die Übertragbarkeit des "Klassischen Schweinepestvirus" durch in vivo und in vitro produzierte porzine Embryonen

Schüürmann, Ellen

Als Übertragungswege der KSP gelten die Verfütterung von Speiseabfällen, der direkte und indirekte Kontakt zu infizierten Tieren, die transplazentare Übertragung und die genitale Übertragung durch Sperma als gesichert. Untersuchungen zur Übertragung der KSP liegen nur vereinzelt für in vivo produzierte Embryonen vor, die Übertragung durch in vitro erstellte Embryonen wurde bisher nicht untersucht. Daher wurden in der vorliegenden Arbeit in vivo und in vitro produzierte Embryonen bezüglich ihrer Empfänglichkeit für das KSPV miteinander verglichen. Die in vivo und in vitro produzierten Embryonen wurden mit KSPV-haltigem Zellkulturüberstand über einen Zeitraum von 48 bis zu 120 Stunden inkubiert. Der KSPV-Nachweis erfolgte nach Waschvorgängen und Umsetzen der Embryonen auf KSPV-empfänglichen PK(15)A-Zellen durch die direkte Immunfärbung. Gleichzeitig wurde der Einfluß des KSPV auf die Entwicklung der Embryonen anhand der Bildung der Blastozysten bestimmt. Als Kontrolle dienten Embryonen, die mit KSPV-freiem Zelkulturüberstand inkubiert wurden. Zur Überprüfung der Empfänglichkeit der Blastomeren der in vitro erstellten Embryonen wurde die Zona pellucida enzymatisch abgelöst und die Embryonen mit KSPV-haltigem Zellkulturüberstand kokultiviert. Eine Inkubationszeit von 48 Stunden mit KSPV-haltigem Zellkulturüberstand führte bei den in vitro produzierten Embryonen mit intakter Zona pellucida zum positiven KSPV-Nachweis. Es wurde nur geringgradig KSPV nachgewiesen. Nach 96-stündiger Inkubation mit KSPV-haltigem Zellkulturüberstand konnte von den in vitro produzierten Embryonen mit intakter Zona pellucida kein KSPV nachgewiesen werden. Eine Vermehrung des KSPV fand nicht statt. Die Embryonalzellen der in vitro produzierten Embryonen ließen sich nach enzymatischer Ablösung der Zona pellucida mit KSPV infizieren. Eine unversehrte Zona pellucida schützt die Embryonalzellen vor einer Infektion mit dem KSPV, verhindert aber nicht eine mechanische Anheftung des KSPV an die Zona pellucida. Untersuchungen zu strukturellen Unterschieden zwischen in vivo und in vitro produzierten Embryonen sind nötig, um ihre unterschiedliche Infektionsbereitschaft zu klären. Die Entwicklung der in vitro produzierten Embryonen wurde durch das KSPV nicht signifikant beeinträchtigt. Die Blastozystenrate der KSPV-infizierten Gruppe (19,1%) wich kaum von der Blastozystenrate der Kontrollgruppe (18,9%) ab. Aus den infizierten in vivo produzierten Embryonen entwickelten sich signifikant weniger Blastozysten als im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das KSPV hat vermutlich indirekt einen negativen Einfluß auf die Entwicklung der in vivo produzierten Embryonen. Inwieweit Proteine aus dem KSPV-haltigem Zellkulturüberstand dafür verantwortlich sind, bleibt ungeklärt. Bei den in vitro produzierten Embryonen ist die Übertragungsgefahr der KSP durch Embryotransfer geringer einzuschätzen als bei den in vivo produzierten Embryonen.

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Schüürmann, Ellen: Die Übertragbarkeit des "Klassischen Schweinepestvirus" durch in vivo und in vitro produzierte porzine Embryonen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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