Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zu Umfang und Lokalisation der Nährstoffverdaulichkeit von fettreichen Rationen bei pankreasgangligierten Schweinen

Faßmann, Carsten

In Fortsetzung früherer Untersuchungen zur Enzymsubstitution bei pankreasgangligierten Schweinen (als Modell für die Pankreasinsuffizienz des Menschen) ging es in der vorliegenden Studie an pankreasgangligierten Minipigs bei generell fettreicher Ernährung (30 % uS) um die Effekte · einer enteralen Antibiotikaapplikation, · einer isolierten Lipasesubstitution sowie · einer unterschiedlichen Protein- und Stärkeaufnahme auf verschiedene Parameter der Dünn- und Dickdarmverdauung, mit besonderer Fokussierung auf die Frage der praecaecalen bzw. postilealen Fettverdauung. Hierfür standen 7 Minischweine (Alter 1- 4 Jahre) mit ileocae­caler Umleitungsfistel zur Verfügung, bei 4 Tieren war zusätzlich der ausführende Pankreasgang ligiert. Jedes Tier erhielt täglich in 2 Mahlzeiten je 250 g einer fettrei­chen (in % der uS: 31 Rfe, 15 Rp, 3 Rfa, 24 Stärke) bzw. 250 g einer fett- und stärkereichen (in % der uS: 30 Rfe, 9 Rp, 2 Rfa, 40 Stärke) bzw. einer fett- und proteinreichen (in % der uS: 32 Rfe, 31 Rp, 2 Rfa, 19 Stärke) Diät (mit entsprechender Mineralstoff- und Vitaminergänzung). In der Phase der Antibiotikazulage wurden mit jeder Mahlzeit 800 mg Ampicillintrihydrat, 240 mg Gentamicin, 190 mg Clindamycin, 100 mg Enrofloxacin und 200 mg Amphotericin B intracaecal verabreicht. In der Phase der Enzymsubsti­tution wurden mit jeder Mahlzeit 111984 (PL-L1) bzw. bei der höheren Dosierung 335952 (PL-L2) I. U. (FIP) mikrobiell hergestellter Lipase verabreicht. Ileumchymus (Chromoxid als Marker) wurde an 3 Tagen über jeweils 12 h (fraktioniert in 2 h-Proben) gewonnen, Kot zur Bestimmung der Gesamt­verdaulichkeit über 5 Tage gesammelt. Analysen: Rohnährstoffe (Weender Analyse); Stärke (Polarimeter); Zucker (Gewichtsanalyse); pH-Wert (pH-Meter); Viskosität (Brookfield Viskosimeter); Lipopolysaccharide (LPS) mittels LAL-Test; L-Laktat (enzymatische Bestimmung); flüchtige Fettsäuren (Gaschromatographie); Keimgehalt der Faeces, E. coli, Cl. perfringens und gramnegative Anaerobier (kulturelle Verfahren). Der Einsatz der fettreichen Diät zeigte bei pankreasgangligierten Schweinen die von TABELING (1998) beschriebenen Effekte auf die Chymusqualität, wie die reduzierte Verdaulichkeit der Rohnährstoffe im praecaecalen Bereich (VQ Rp: 26,1 %; VQ Rfe: 32,5 %; VQ Stärke: 92,5 %), eine erhebliche Kompensation im Dickdarm (VQ Rp 49,9 %) sowie eine postileale Fettzubildung (25,7 g/Tier/Tag). Auch konnte die im cranialen (LPS-Gehalt 576 µg/g uS Dünndarmchymus) wie im caudalen Verdauungstrakt (LPS-Gehalt 418 µg/g TS Faeces) beobachtete mikrobielle Proliferation bestätigt werden. Die weiteren Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Unter dem Einfluß enteral applizierter Antibiotika wurden der LPS-Gehalt im Chymus (22,7 µg/g uS) und der Faeces (9,76 µg/g uS) sowie auch die Keimzahlen im Kot (Cl. perfringens und E. coli nicht mehr nachweisbar) erheblich reduziert. Die praecaecale Rfe-Verdaulichkeit ging auf nahe null zurück (VQ Rfe: 6,18 %). Die Stärkeverdaulichkeit blieb nahezu unbeeinflußt, während die Proteinverdaulichkeit verbessert wurde (VQ Rp: 39,2 %). Im postilealen Bereich kam es unter der massiven Antibiose zu einer Absorption (33,0 g/Tier /Tag) anstelle einer Zubildung von Rohfett. Erhielten die pankreasgangligierten Schweine bei Einsatz einer fettreichen Diät eine Zulage von Lipase, so zeigten die Tiere in Abhängigkeit von der zugelegten Dosis eine Reduktion des LPS-Gehalts um 75 % im praecaecalen Bereich. Dosisabhängig wurde die praecaeacale Rohfettverdaulichkeit verbessert (VQ Rfe: 70 % bei höchster Lipasezulage). Unter den Bedingungen der Lipaseapplikation wurde die ileocaecal anflutende Rohfettmenge auch faecal ausgeschieden. Wies das fettreiche Mischfutter bei pankreasgangligierten Schweinen zusätzlich einen hohen Protein- bzw. Stärkegehalt auf, so blieb die Rohfettverdauung im praecaecalen Bereich davon unbeeinflußt. Unterschiede gab es jedoch für die praecaecale Stärkeverdauung (VQ Stärke: 61,4 %), die bei hoher Stärkezulage ihre Kapazitätsgrenze erreichte (114 g/Tier/Tag). Postileal konnte bei hoher Stärkeaufnahme wieder eine deutliche Fettzubildung (30,4 g/Tier/Tag) verzeichnet werden, während bei zusätzlich hohem Proteingehalt eine moderate Fettabsorbtion ermittelt wurde (8,43 g/Tier/Tag).

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Faßmann, Carsten: Untersuchungen zu Umfang und Lokalisation der Nährstoffverdaulichkeit von fettreichen Rationen bei pankreasgangligierten Schweinen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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