Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Diagnostik intrakranieller Erkrankungen bei Hund und Katze unter besonderer Berücksichtigung der Computertomographie

Fuchs, Christiane

In die vorliegende Arbeit wurden 70 Patienten, 50 Hunde und 20 Katzen, aus dem Patientengut der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover mit pathomorphologisch abgesicherten intrakraniellen Erkrankungen einbezogen. Bei den Tieren wurden nach Feststellung des Signalements und der Anamneseerhebung eine neurologische Untersuchung, Elektroenzephalographie, röntgenologische und computertomographische Untersuchung des Schädels einschließlich Liquoruntersuchung vorgenommen. Die Erkrankungen der 70 Patienten ließen sich in die acht Erkrankungsgruppen primäre (n = 23) und sekundäre (n = 8) Neoplasien, Entzündungen (n = 15), Degenerationen (n = 8), Traumen (n = 6), Mißbildungen (n = 6), zerebrovaskuläre Erkrankungen (n = 3) und funktionelle Störungen (n = 1) einteilen. Basierend auf den pathomorphologischen Ergebnissen wurde retrospektiv die Aussagekraft der verschiedenen Untersuchungsverfahren beurteilt. Dabei lag der Schwerpunkt auf der computertomographischen Untersuchung. Mit Ausnahme der sechs Mißbildungen, die sich alle auf das Ventrikelsystem erstreckten, und der einen funktionellen Störung, die pathomorphologisch ohne besonderen Befund war, waren die Läsionen laut pathomorphologischen Untersuchungsergebnissen in 37 Fällen einem der Gehirnabschnitte Groß-, Kleinhirn oder Hirnstamm und in 26 Fällen multifokal zwei oder allen drei dieser Gehirnregionen zuzuordnen. Mit Hilfe von Anamnese und neurologischer Untersuchung ließen sich in 32 der 37 auf eine Gehirnregion beschränkten Fällen und bei 23 der 26 multifokal verteilten Erkrankungen richtig die Lokalisation und Ausbreitung der Läsion bestimmen. In neun Fällen mit fokalen Prozessen konnten unilateral auftretende Symptome zur Lateralisation genutzt werden. Es traten auch unilaterale Symptome bei sechs Patienten und Symptome nur einer Hirnregion in drei Fällen trotz multifokaler Verbreitung ihrer Läsionen auf. Kein Symptom oder Gruppe von Symptomen war pathognomonisch für eine bestimmte Erkrankung. Aus diesem Grund konnte niemals von der Symptomatik auf die Art der Erkrankung geschlossen werden. Mittels Anamnese und neurologischer Untersuchung ließ sich folglich keine Diagnose stellen, höchstens die Lokalisation im Gehirn ermitteln. Das EEG war in 22 Fällen verändert, in acht Fällen nicht auswertbar und in 12 Fällen trotz vorliegender krankhafter Prozesse unauffällig. Als einzigen charakteristischen elektroenzephalographischen Befund waren die sehr hohen Amplituden und niedrigen Frequenzen beim angeborenen Hydrocephalus internus anzusehen. Da die Veränderungen im EEG immer in allen Ableitungen auftraten, war auch in keinem Fall eine Lokalisation möglich. Mit Ausnahme des Hydrocephalus internus ist also der Anteil der elektroenzephalographischen Untersuchung an der Diagnosesicherung als äußerst gering einzuschätzen. Veränderungen waren röntgenologisch in 14 Fällen sichtbar: bei kalzifizierten (n = 2) und osteolytisch (n = 1) wirksamen Meningeomen, sekundären, von Stirn- und Nasenhöhlen (n = 2) in die Schädelhöhle übergreifenden und retrobulbären (n = 1) Neoplasien, bei Frakturen (n = 4) und angeborenen Hydrocephali interni, bei denen die Volumenzunahme relativ früh begonnen hatte (n = 4). 28 Patienten waren hingegen röntgenologisch unauffällig. Der Nutzen einer röntgenologischen Untersuchung des Schädels ist daher als sehr beschränkt zu bewerten. Bei der Liquoruntersuchung von 53 Patienten ergaben sich keine Befunde, die spezifisch für das Vorliegen einer bestimmten Erkrankung sprachen. Unveränderter Liquor trotz intrakranieller Erkrankung kam in 12 Fällen vor. Die Liquoruntersuchung lieferte also keine nützlichen Informationen hinsichtlich einer Diagnosestellung. Die computertomographische Untersuchung ermöglichte die Beurteilung sowohl von Weichteil- als auch von knöchernen Strukturen. Mit Ausnahme von vier Entzündungen, zwei zerebrovaskulärer Erkrankungen und sechs degenerativen Veränderungen -insgesamt von Erkrankungen, die nur histologisch erkennbar waren oder die makroskopisch nur durch Größenveränderungen, Herniation von Gehirnteilen durch das Foramen magnum und Verfärbungen im Neuroparenchym auffielen- hatten alle 58 übrigen Fälle zu computertomographisch darstellbaren Veränderungen geführt. Dabei konnten nicht nur die Lokalisation der Primärlasion, sondern auch ihre Sekundäreffekte bestimmt werden. Die Sensitivität des computertomographischen Untersuchungsverfahrens lag in der vorliegenden Studie bei 82,6 % unter Berücksichtigung pathologisch-histologischer Veränderungen. Zog man nur die pathomorphologisch-anatomischen Befunde heran, betrug die berechnete Sensitivität 94,8 %. Die Computertomographie spielt also eine große Rolle bei der Diagnostik intrakranieller Erkrankungen. Letztendlich ist für eine definitive Diagnosestellung jedoch immer eine pathomorphologische Untersuchung notwendig.

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Fuchs, Christiane: Diagnostik intrakranieller Erkrankungen bei Hund und Katze unter besonderer Berücksichtigung der Computertomographie. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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