Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Verbreitung von Clostridium difficile in einer Pferdeklinik unter Berücksichtigung des Vorkommens von Clostridium difficile und Clostridium perfringens im Kot von Pferden mit Koliksymptomatik und Typhlocolitis

Jobst, Daniela

Hauptanliegen der Arbeit war es, einen Überblick über das Vorkommen von C. difficile in der Umgebung der Pferde zu bekommen und darüber hinaus einen Vergleich mit dem Vorkommen von C. difficile im Darmkanal von Pferden während eines Klinikaufenthaltes anzustellen. Dazu wurden über einen Zeitraum von 10 Monaten insgesamt 259 Umgebungsproben von verschiedenen Lokalisationen in und außerhalb der Box auf das Vorkommen von C. difficile untersucht. Gleichzeitig kamen die Kotproben der dort eingestellten Pferde zur Untersuchung. Weiterhin standen insgesamt 524 Kot-, Darminhalts- sowie Colon- und Caecumproben von 153 Pferden zur Verfügung. Das Probenmaterial stammte von Tieren, die drei Altersgruppen zugeordnet worden waren. In Gruppe I befanden sich die Tiere bis einschließlich einem Jahr, in Gruppe II älter als ein Jahr bis einschließlich fünf Jahren und in Gruppe III die Pferde, die älter als fünf Jahre waren. Die Tiere waren aufgrund einer Kolik in die Klinik eingestellt und je nach Schwere der Magen- und Darmerkrankung konservativ oder operativ behandelt worden. Je nach Behandlungsmethode variierte das Schema der Probenentnahme. Bei den konservativ behandelten Pferden wurde stets beim Eintreffen und beim Verlassen der Klinik eine Kotprobe rektal entnommen. Bei Pferden, die operiert werden mußten, erfolgte die Probenentnahme zusätzlich noch vor der Operation (nach dem Hungern), während der Operation und am 1. und 2. Tag post operationem. Entwickelte sich bei den Patienten während des Aufenthaltes in der Klinik eine Typhlocolitis, wurden zusätzlich täglich bis zum Abklingen der Diarrhoe Kotproben entnommen. Alle durchgeführten Kotuntersuchungen waren auf den qualitativen Nachweis von C.difficile und C. perfringens ausgerichtet. Die weitere Differenzierung der kulturell isolierten Clostridien-Stämme erfolgte durch mikroskopische, biochemische und gaschromatographische Untersuchungen. Die Nachweise der Toxine A und B von C. difficile sowie die Typisierung und der Enterotoxinnachweis von C. perfringens erfolgten mit Hilfe der ELISA-Technik. Für eine Überprüfung der toxinpositiven Stämme von C. difficile wurde der Zellkulturtest (HEp 2-Zellen) eingesetzt. Eine Resistenzprüfung aller isolierten C. difficile-Stämme und der C. perfringens-Stämme von an Typhlocolitis erkrankten Pferden erfolgte mit dem E-Test. Für die Untersuchung standen Tetracyclin, Metronidazol, Erythromycin, Chloramphenicol, Bacitracin, Ampicillin bzw. Amoxycillin, Gentamicin, Penicillin G und Trimethoprim/Sulfonamid zur Verfügung. Bei 22 (51 %) von insgesamt 43 Untersuchungen konnten in unterschiedlicher Anzahl von Lokalisationen C. difficile nachgewiesen werden. Weiterhin zeigte sich, daß aus Kotproben von 11 Pferden, von denen am selben Tag bzw. kurzfristig um das Entnahmedatum der Umgebungsproben herum eine Kotprobe entnommen wurde, C. difficile isoliert werden konnte. Bei der Untersuchung der Kot-, Caecum- und Colonproben wurde in allen Altersgruppen C. difficile und C. perfringens nachgewiesen. Hierbei zeigten sich keine wesentlichen Abweichungen vom Durchschnitt in den einzelnen Gruppen. Eine Altersabhängigkeit konnte nicht beobachtet werden. Insgesamt konnte C. difficile bei 21,6% sowie C. perfringens bei 52,3% der Tiere nachgewiesen werden. Mit 1,9% waren Salmonellen nur selten zu isolieren. Beim Vergleich der Behandlungsmethoden wurde deutlich, daß im Kot operierter Kolikpatienten in 35,5% und im Kot konservativ behandelter Tiere in 12,1% der Fälle C. difficile nachgewiesen werden konnte. Unabhängig von der Behandlungsmethode konnte C. difficile mit 16,3% am häufigsten aus Kotproben von Pferden isoliert werden, die über einen längeren Zeitraum in der Klinik wegen einer Kolik eingestellt waren. Von 18 Tieren, die während des Aufenthaltes in der Klinik eine Typhlocolitis entwickelten, gelang bei acht (44,4%) der kulturelle Nachweis von C. difficile sowie bei 13 (72,2%) Tieren der Nachweis von C. perfringens. Von allen 97 C. difficile-Stämmen (47 Stämme aus der Umgebung und 50 Stämme aus Kot-, Colon- und Caecumproben) erwiesen sich 18 (38,3%) Stämme aus der Umgebung und 17 (34%) Stämme aus den Kotproben als Toxinbildner. Im Vergleich zu den Ergebnissen anderer Autoren, die gesunde Pferde untersuchten, ist das häufigere Auftreten von C. difficile bei Pferden mit Enteropathien hervorzuheben. Durch Antibiotikagaben zusammen mit anderen Stressoren (vor allem Operationen) kommt es offentsichtlich zu einer Dysbiose im Darm, potentiell pathogene Bakterienarten wie C. difficile und C. perfringens erhalten einen Selektionsvorteil. In vitro-Studien von STRAUB u. FREY (2000) haben z.B. gezeigt, daß die Biosynthese des ?2-Toxins von C. perfringens-Stämmen durch Zugabe von Gentamicin induziert wurde. In den eigenen Untersuchungen wurde ebenfalls deutlich, daß alle untersuchten C. difficile- sowie C. perfringens-Stämme Gentamicinresistenzen aufwiesen. Wie man bei zwei Pferden erkennen kann, erscheint eine exogene Infektion mit C. difficile durchaus möglich zu sein. Sowohl aus dem Kot als auch aus der Box konnten toxinogene C. difficile-Stämme isoliert werden. Allerdings muß auch die Möglichkeit einer endogenen Infektion berücksichtigt werden, d.h. Tiere können schon bei der Ankunft in der Klinik Träger von C. difficile sein, dessen Keimgehalt unter der Nachweisgrenze liegt. Durch den Einfluß der Stressoren kann es dann zur Vermehrung und der damit verbundenen Toxinproduktion kommen. Nach neueren Erkenntnissen besitzen neben C. difficile auch ?2-toxinproduzierende C. perfringens-Stämmen im Typhlocolitisgeschehen des Pferdes eine ursächliche Bedeutung.

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Jobst, Daniela: Verbreitung von Clostridium difficile in einer Pferdeklinik unter Berücksichtigung des Vorkommens von Clostridium difficile und Clostridium perfringens im Kot von Pferden mit Koliksymptomatik und Typhlocolitis. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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