Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zum Sommerekzem, eine Typ I-Allergie beim Islandpferd

Kobelt, Christine

In dieser Arbeit wurden mit dem von KAUL (1998) entwickelten funktionellen in vitro Test (FIT) Grad und Verlauf der Typ I allergischen Sensibilisierung bei Islandpferden in unterschiedlichen Haltungs- und Alterssituationen sowie zu unterschiedlichen Jahreszeiten geprüft. Dabei standen folgende Fragen und Zielsetzungen im Vordergrund: 1. Wie steht es mit der Typ I Sensibilisierung bei Pferden, die in einem Culicoides freien Gebiet (Island) aufgezogen und gehalten werden ? Alle 12 untersuchten erwachsenen Pferde, die in Island gehalten werden, trugen deutlich nachweisbare Mengen an Immunglobulinen an der Oberfläche ihrer basophilen Granulozyten, die eine Degranulation auszulösen vermochten. Somit waren alle diese Pferde mit funktionellen Antikörpern „generell“ sensibilisiert. Dies ist Vorraussetzung, um überhaupt mit einer Typ I Allergie spezifisch auf ein Allergen reagieren zu können. 4 der 12 Tiere zeigten deutliche Reaktionen gegen Allergenpräparationen aus Insekten, jedoch nicht gegen Culicoides nubeculosus. 2 andere der 12 Pferde reagierten grenzwertig positiv mit der höchsten Allergenkonzentration von Culicoides nubeculosus. Vermutlich handelt es sich hier um eine Kreuzreaktion mit isländischen Insekten (vermutlich Simulium-Arten), da Sommerekzem induzierende Culicoiden in Island nicht vorkommen. Ob es sich hier auch um eine „Kreuzsensibilisierung“ handeln könnte, die diese beiden Tieren für eine bevorzugte Ausprägung des Sommerekzems oder einer anderen Insektenallergie prädisponiert, könnte durch eine Exposition mit hiesigen Insekten insbesondere mit Culicoides (Gnitzen) geklärt werden. 2. Wie lange bleiben Pferde mit Sommerekzem nachweislich sensibilisiert, wenn sie sich für längere Zeit in Culicoides freier Umgebung (Spiekeroog) aufhalten ? Auch nach bis zu 15 Jahren symptomfreiem Aufenthalt auf Spiekeroog ist bei 17 Islandpferden, die zuvor auf dem Festland nachweislich Sommerekzem ausgeprägt hatten, weiterhin eine deutliche Sensibilisierung ihrer basophilen Granulozyten gegen Culicoides nubeculosus nachweisbar. Diese Tiere haben ihre prinzipielle Bereitschaft, bei entsprechender Allergenexposition erneut ein Sommerekzem auszubilden, selbst nach so langer Zeit nicht verloren. Zudem zeigen alle der insgesamt untersuchten 26 Islandpferde eine „generelle“ Sensibilisierung ihrer basophilen Granulozyten, indem sich darauf funktionelle Antikörper nachweisen lassen, deren Antigen hier nicht erfasst wurde. Die starken jahreszeitlichen Schwankungen des Sensibilisierungsgrades, bis hin zur temporären scheinbaren Desensibilisierung, lassen daran denken, ob auf Spiekeroog heimische Insekten mit kreuzreaktiven Epitopen durch Restimulation der Pferde die Produktion sensibilisierender Antikörper aufrecht erhalten. Somit wäre dies keine echte Allergenkarenzsituation, wie ursprünglich vermutet. Warum keines der Tiere bei der vermuteten kreuzreaktiven Restimulation allergische Symptome entwickelt, bleibt zu klären. 3. Wann entwickeln Jungpferde eine nachweisbare Typ I Sensibilisierung, wenn sie in einem Gebiet mit starkem Culicoidesflug geboren und gehalten werden ? Die 10 in Süddeutschland geborenen Fohlen zeigten, daß bei Jungpferden schon nach wenigen Lebensmonaten sowohl eine „generelle“ (2 Tiere), als auch eine spezifische Sensibilisierung ihrer basophilen Granulozyten gegen Culicoides nubeculosus (1 Tier) erfolgt und nachweisbar ist. Weiter wurden 10 einjährige, 12 zweijährige und 10 dreijährige Tiere untersucht, die im selben Gestüt wie die Fohlen beboren und seither gehalten wurden. Diese Tiere waren, im Gegensatz zu den Fohlen, alle „generell“ sensibilisiert, d.h. sie trugen nachweisbare Mengen an funktionellen Antikörpern auf der Oberfläche ihrer basophilen Granulozyten. In jedem Jahrgang wurden einzelne Tiere gefunden, welche eine spezifische Sensibilisierung gegen Culicoides nubeculosus zeigten. Bei einigen Tieren zeigte sich im Herbst, im Gegensatz zum Frühjahr, eine schwächere bzw. keine spezifische Aktivierbarkeit der membranständigen Antikörper auf den Basophilen durch Culicoides nubeculosus Allergen. Hier dürfte eine relative Verminderung culicoidenreaktiver Antikörper auf den Basophilen stattgefunden haben, die möglicherweise durch den konkurrierenden Besatz mit Antikörpern anderer Spezifität bedingt war. Die Tatsache, daß einige Tiere im Herbst, bei nachgewiesener spezifischer Sensibilisierung gegen Culicoides nubeculosus, mit dem eingesetzten Antiserum gegen Pferdeimmunglobulin kein Histamin freisetzten, spricht dafür, daß dieses Antiserum nicht alle funktionell gebundenen Antikörper auf der Oberfläche der basophilen Granulozyten erkennen kann. Demnach muß es mindestens zwei Immunglobulinisotypen geben, durch welche die Basophilen funktionell sensibilisiert und allergische Reaktionen ausgelöst werden können. 4. Wie steht es mit der Typ I Sensibilisierung bei erwachsenen Islandpferden mit und ohne klinischer Ausprägung von Sommerekzem in Abhängigkeit von der Jahreszeit ? 14 Pferde mit und 12 Pferde ohne Sommerekzem, die mindestens 8 Jahre alt waren und auf einem Gestüt in Süddeutschland gehalten werden, wurden alle 4 bis 6 Wochen im FIT untersucht. Dabei zeigte sich, daß eine „generelle“ Sensibilisierung bei all diesen Pferden nachzuweisen war. Die spezifische Sensibilisierung der Basophilen gegenüber Culicoides nubeculosus ließ sich bei allen Tieren mit klinischer Ausprägung und bei der Hälfte der Pferde ohne klinische Symptome, unabhängig von der Jahreszeit und damit von der Allergenexposition feststellen. Die jahreszeitliche Kinetik des Sensibilisierungsgrades war individuell unterschiedlich. Auch in dieser Population von Islandpferden gab es mehrere Tiere, bei denen eine Stimulation der basophilen Granulozyten, durch die Vernetzung membranständiger Antikörper, ausschließlich im September mit dem eingesetzten Antiserum nicht mehr möglich war. Zeitgleich zeigten einige von ihnen eine deutliche Reaktion auf die Culicoides-Präparation. Demnach zeigte sich auch hier, daß mindestens zwei Immunglobulinisotypen auf der Oberfläche basophiler Granulozyten gebunden werden und eine spezifische Typ I Allergiereaktion auslösen können. 5. Wie bewährt sich der funktionelle in vitro Test (FIT) für Typ I Allergien zu verschiedenen Jahreszeiten und unter Feldbedingungen ? Ein besonderer Vorteil des FIT ist die parallele Erfassung des Gesamthistamingehaltes in der Blutzellprobe (durch physikalische und antikörpervermittelte Histaminfreisetzung), dem Nachweis einer „generellen“ Sensibilisierung in Form der funktionellen membranständigen Antikörper auf den basophilen Granulozyten, ohne das dazu passende Antigen zu kennen und der quantitative Nachweis spezifisch sensibilisierender Antikörper auf Basophilen durch dosisabhängige Reaktion mit Allergenpräparationen. Nur durch diese Parallelinformationen an derselben Blutprobe waren im Rahmen dieser Untersuchungen wichtige neue Fakten und Hinweise zu erhalten (Ergebnisse zu den Fragen 1 bis 4 in der Zusammenfassung). Ein noch bestehendes Defizit des FIT ist in der Tatsache zu sehen, daß das bisher eingesetzte Antiserum gegen Pferdeimmunglobulin offensichtlich nicht alle funktionell gebundenen Antikörperisotypen auf basophilen Granulozyten erfaßt. Es ist anzustreben, durch den Einsatz geeigneter Antikörper, alle Immunglobulinisotypen des Pferdes zu erfassen und damit alle funktionellen Immunglobulinisotypen auf den basophilen Granulozyten direkt zu bestimmen.

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Kobelt, Christine: Zum Sommerekzem, eine Typ I-Allergie beim Islandpferd. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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