Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Computertomographie bei Heimtieren

Brettschneider, Jens

Die Computertomographie ist ein röntgenologisches diagnostisches nichtinvasives bildgebendes Verfahren, das überlagerungsfreie Schnittbilder eines Untersuchungsobjektes kontrastreich darstellen kann. Es besteht seit Anfang der 80er Jahre und wird seit den 90er Jahren routinemäßig auch in der Tiermedizin, nicht jedoch in der Heimtiermedizin eingesetzt. In der vorliegenden Arbeit wurde deshalb die Computertomographie zur Untersuchung verschiedener Heimtiererkrankungen geprüft. Dazu wurden zunächst die Bilderstellungsparameter optimiert und bei der anschließenden Untersuchung erkrankter Patienten genutzt. Während es sich bewährte, das Fensterzentrum auf die Röntgendichte des Untersuchungsobjektes einzustellen, war es vorteilhaft, die Fensterweite der Kontrastierung der Bilder anzupassen. Einer mangelhaften Kontrastierung begegnete man am besten mit einer schmalen Fensterweite, während bei einem gut kontrastierten Untersuchungsobjekt eine größere Fensterweite angezeigt war. Der Algorithmus von 9 bewährte sich bei der Darstellung von Knochen und Zähnen, während Weichteile vorteilhafter mit einem Algorithmus von 4-6 abgebildet wurden. Die exakte Patientenlagerung erwies sich als essentiell für die Bildbeurteilbarkeit besonders bei der Untersuchung des Kopfes. Bei der Beurteilung der Gerätesoftware zeigte sich, daß die Rohdatenspeicherung mit der Möglichkeit nachträglicher fragestellungsabhängiger Bildberechnung besonders wichtig war, um Zusammenhänge von Knochen- und Zahnerkrankungen mit Weichteilerkrankungen zu untersuchen. Als besonders vorteilhaft für die Diagnosestellung erwiesen sich die Filterfunktion edge 3, das Histogramm, die multiplanare Reformatierung und die Profilauswertung. Um die Einsatzmöglichkeiten der Computertomographie bei der Untersuchung von Heimtiererkrankungen zu überprüfen, wurden Kaninchen, Meerschweinchen, Frettchen, Chinchillas und Ratten untersucht. Einen Untersuchungsschwerpunkt bildeten dabei die Untersuchungen von Erkrankungen des Kopfes und der Zähne, einen weiteren die des Abdomens. Dazu wurden für bestimmte Bereiche Referenzaufnahmen erstellt. Dies betrafen beim Kaninchen das Temporomandibulargelenk, die Zähne sowie das Mittel- und Innenohr. Zahnhaken, Treppengebisse, mangelhafte Zahnqualität, Zahnwurzelerkrankungen, Unterkiefer- und retrobulbäre Abszesse, Zahnlücken, Otitiden, Gehirnventrikel, Verkalkungen der Kaumuskulatur, Abszesse im Abdomen, ein Uterustumor sowie eine Aszites konnten mittels der Computertomographie beim Kaninchen diagnostiziert werden. Beim Meerschweinchen wurden Referenzaufnahmen des Kiefergelenkes und Malokklusionen, Zahnhaken, Kopfabszesse, Riesenzähne, periapikale Knochenlysen und Wurzeldurchbrüche, Ovarzysten, eine Otitis, die Penetration des harten Gaumens durch einen Schneidezahn, knochendichte Zubildungen auf Hüftgelenkshöhe, ein Mammatumor, Abszesse innerhalb des Abdomens, eine Hydronephrose und ein Lymphom dargestellt. Die Untersuchungen erkrankter Frettchen betraf eine Otitis, Referenzaufnahmen und Tumoren der Nebennieren, eine Prostatazyste, eine Splenomegalie, ein Megaösophagus sowie Ovartumoren. Beim Chinchilla konnten Kopfabszesse und Zahnhaken diagnostiziert werden, während bei der Ratte ein Oberkiefertumor und ein Mammatumor computertomographisch untersucht wurde. Die Überlegenheit der Computertomographie gegenüber herkömmlichen bildgebenden Untersuchungsmethoden kam besonders dort zum tragen, wo knöcherne Strukturen, die üblicherweise konventionell röntgenologisch und Weichteile, die üblicherweise mittels Ultraschall untersucht werden, gleichermaßen dargestellt werden sollten. Dies traf in besonderem Maße für die Untersuchungen von Erkrankungen des Heimtierkopfes zu, wobei Zahnerkrankungen der Nager und Kaninchen eindeutig im Vordergrund standen. Die Computertomographie ermöglichte hier häufig die Diagnose zusammenhängender Krankheitsprozesse. Zudem erwies sich die überlagerungsfreie Darstellungsweise als besonders vorteilhaft, da damit die Lokalisation krankhafter Prozesse exakt festgestellt werden konnte. So wurde erstmals nachgewiesen, daß Backenzähne des Meerschweinchens auch als Riesenzähne vorliegen können. Der Einsatz der Computertomographie in der Heimtiermedizin kann damit neben einer exakten Diagnose, gezielten Therapie und einer verantwortungsvollen Prognose insbesondere zur Klärung zahlreicher nicht erforschter Krankheitsprozesse beitragen.

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Brettschneider, Jens: Computertomographie bei Heimtieren. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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