Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen der Wirkung von ACE-Hemmern bei Pferden mit Mitralklappeninsuffizienz

Vieth, Jenscarsten

Es wurden 19 Pferde mit Mitralklappeninsuffizienz und 5 herzgesunde Pferde vor und nach Medikation mit ACE-Hemmern klinisch, elektrokardiographisch und echokardiographisch untersucht. Die echokardiographische Untersuchung wurde im B-Mode, im M-Mode sowie mit dem konventionellen Doppler und dem Farbdoppler vorgenommen. Es wurden die Befunde vor und nach Medikation mit dem Signed Rank Test verglichen. Weiter wurde eine Evaluierung mit einem neu erarbeiteten Score-System sowie mit älteren Score-Systemen, die nur einzelne Untersuchungsabschnitte (klinische und konventionell echokardiographische sowie dopplerechokardiographische Untersuchung) enthalten, vorgenommen und mit der Spearman Korrelationsanalyse verglichen. Im Vergleich der Beurteilung der Mitralklappeninsuffizienz mit Hilfe der verschiedenen Beurteilungsscores stellte sich tendenziell eine Übereinstimung heraus, die Ergebnisse zeigten jedoch, dass zur exakten Diagnose einer Mitralklappeninsuffizienz beim Pferd außer der klinischen und konventionell echokardiographischen Untersuchung auch eine dopplerechokardiographische Untersuchung (VTI und V.c. der MVI) vorgenommen werden muss. Nach Abschluss der ersten Untersuchung wurden alle Pferde mit dem Präparat Accupro 20® (Wirkstoff: Quinapril) in einer Dosierung von 120 mg/Pferd/d oral über einen Zeitraum von ca. 8 Wochen behandelt. Nach der Therapie wurde eine signifikante Reduzierung des Schweregrades der Mitralklappeninsuffizienz der herzkranken Patienten festgestellt. So wurde eine hochsignifikante Steigerung des Schlagvolumens und des Herzminutenvolumens einerseits sowie eine hochsignifikante Verringerung der Vena contracta und des Regurgitationsvolumens andererseits ermittelt. Daraus wurde geschlossen, dass durch den Einsatz von Quinapril eine Verbesserung der Hämodynamik bei den Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz eingetreten ist. Eine Abnahme der vergrößerten Herzdimensionen wurde im Untersuchungszeitraum nicht beobachtet. Bei der Beurteilung der Leistungsbereitschaft durch den Besitzer wurde eine schwach signifikante Verbesserung festgestellt. Der Lautstärkegrad des systolischen Herzgeräusches wies eine schwach signifikante Korrelation mit dem ausschließlich nach hämodynamischen Kriterien (Vena contracta, VTI des Rückflussvolumens) ermittelten Grad der MVI auf. Da nach der Therapie nur eine geringe Anzahl von Pferden, bei denen vorher der Lungenkapillardruck über eine Rechtsherzkatheterisierung gemessen wurde, für erneute Messungen zur Verfügung gestellt wurde, konnte die Auswirkung der ACE-Inhibition auf den Lungenkapillardruck nicht eindeutig geklärt werden. Der ACE-Hemmer Quinapril erscheint nach den ersten hier gewonnenen Daten zur Behandlung von Mitralklappeninsuffizienzen beim Pferd geeignet, so dass weitere pharmakokinetische und –dynamische Untersuchungen sinnvoll wären. Da es sich hierbei einerseits um eine Dauertherapie mit hohen Kosten handelt und andererseits keine Zulassung für das Pferd vorliegt und zusätzlich dopingrelevante Erwägungen notwendig sind, ist der Einsatz in der Praxis zur Zeit noch auf wenige Fälle beschränkt.

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Vieth, Jenscarsten: Untersuchungen der Wirkung von ACE-Hemmern bei Pferden mit Mitralklappeninsuffizienz. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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