Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Populationsgenetische Untersuchung zum Auftreten der Labmagenverlagerung bei Deutschen Holstein Kühen

Wolf, Viola

Im Zeitraum eines Jahres vom 01.02.1999 bis zum 31.01.2000 wurden in 160 Betrieben 9315 Kühe untersucht. An Labmagenverlagerung erkrankten 151 Kühe, dies entspricht einer Häufigkeit von 1,62 %. Mehr als 75 % der Labmagenverlagerungen traten bis zu 30 Tagen nach der Abkalbung auf. Die linksseitige Labmagenverlagerung trat mit 74,8 %, die rechtsseitige mit 25,2 % auf. Von den an Labmagenverlagerung erkrankten Tieren wurden bis Anfang April 2000 47,7 % gemerzt. Die Einflüsse des Abkalbemonats, der Laktationsnummer, des Alters bei der Abkalbung, des Inzuchtkoeffizienten, der vorhergehenden Milchleistung und der Zuchtwerte für die Milchleistung erklärten keinen signifikanten Anteil an der Streuung der Häufigkeit von Labmagenverlagerungen. Für den Vater des Tieres und den Betrieb konnten für die linksseitige Labmagenverlagerung signifikante Effekte geschätzt werden. Der Betriebseffekt war für die rechtsseitige Labmagenverlagerung und alle Labmagenverlagerungen gemeinsam betrachtet nicht signifikant. Die Heritabilitätsschätzungen mittels bivariaten linearen REML-Modellen unter Berücksichtigung der Verwandtschaftsmatrix der Kühe ergab für die linksseitige Labmagenverlagerung einen Schätzwert von h2 = 0,034 ± 0,009, für die rechtsseitige Labmagenverlagerung h2 = 0,005 ± 0,004. Im Schwellenmodell ergaben sich Heritabilitätsschätzwerte von h2 = 0,42 für die linksseitige Labmagenverlagerung und von h2 = 0,14 für die rechtsseitige Labmagenverlagerung. Die additiv-genetischen Korrelationen zwischen Milchleistungsmerkmalen und dem Auftreten der linksseitigen und rechtsseitigen Labmagenverlagerung bewegten sich im Bereich von rg = 0,13 bis rg = -0,03. Die Residualkorrelationen zwischen Milchleistung und dem Vorkommen von linksseitiger und rechtsseitiger Labmagenverlagerung lagen nahe bei Null. Es besteht also eine genetische Disposition bei den Deutschen Holstein Kühen für Labmagenverlagerung. Eine hohe Milchleistung und eine genetische Veranlagung zu hoher Milchleistung scheinen keine besonderen Risikofaktoren für die Labmagenverlagerung darzustellen.

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Wolf, Viola: Populationsgenetische Untersuchung zum Auftreten der Labmagenverlagerung bei Deutschen Holstein Kühen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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