Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Farbvererbung bei Japanischen Mövchen (Lonchura striata f. dom.) unter besonderer Berücksichtigung der Manifestation von Katarakten bei der leuzistischen Farbvariante

Wriedt, Anja

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Erbgang der weißen Gefiederfarbe des Japanischen Mövchens zu analysieren und festzustellen, ob ein gehäuftes Auftreten von Katarakten innerhalb des weißen Farbschlages vorhanden ist, welche als Schaden im Sinne des § 11 b des Tierschutzgesetzes anzusehen sind. Für die Ermittlung des Erbgangs standen in der Ausgangspopulation 31 wildfarbige und 19 weiße Vögel verschiedener Herkunft zur Verfügung. Es wurden die weißen Japanischen Mövchen mit den wildfarbigen Partnern zur Schaffung einer F1-Generation (71 Nachkommen) verpaart, und die Nachkommen unter Berücksichtigung einer Inzuchtunterbindung weiterhin für Rückkreuzungen an die Parentalgeneration (75 Nachkommen) und eine Zucht der F2-Generation (55 Nachkommen) eingesetzt. Um das Auftreten von Katarakten beurteilen zu können, erfolgten ophthalmologische Untersuchungen im halbjährlichem Abstand über einen Zeitraum von 2 ½ Jahren an insgesamt 311 Japanischen Mövchen verschiedenen Farbschlages und Alters. Der Anteil weißer Tiere betrug dabei 23,5% (73 Vögel). Mit den Zuchtergebnissen wurde bezüglich der Vererbung der weißen Gefiederfarbe des Japanischen Mövchens die Hypothese eines autosomal monogenen unvollständig dominanten Erbgangs und eines autosomal digenen Erbganges als Kombinationszüchtung einer dominanten und rezessiven Scheckungsanlage getestet. Beide Hypothesen ergaben keine signifikante Abweichung der beobachteten Daten von den erwarteten Häufigkeiten. Bei 6 weißen Vögeln der Parentalgeneration und einem weißen Mövchen der R1weiß-Generation entwickelten sich Katarakte mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von 2-3 Jahren. Eine signifikante Assoziation der Katarakte mit der weißen Gefiederfarbe wurde für den untersuchten Bestand nachgewiesen und bei den betroffenen Katarkattieren der Parentalgeneration fand eine Übertragung auf einen Nachkommen statt. Ein züchterisch induzierter Schaden nach § 11 b des Tierschutzgesetzes kann somit nicht ausgeschlossen werden. Als Nebenbefund wurden iriskolobomähnliche Veränderungen verschiedener Formen bei 29 weißen Tieren diagnostiziert und Erblichkeit der Alterationen sowie eine signifikante Assoziation mit der weißen Gefiederfarbe nachgewiesen. An 8 Nucleusfamilien und insgesamt 140 Beobachtungen wurde anhand von Segregation festgestellt, dass ein epistatisch wirkendes Suppressorgen und ein weiteres autosomal rezessives Gen an dem Auftreten der Irisveränderungen beteiligt war. Der Suppressorgenort erscheint eng gekoppelt mit dem Farbgenort für rezessive Scheckung. Den Züchtern Japanischer Mövchen kann auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Arbeit empfohlen werden, die an einer Katarakt erkrankten weißen Vögel sowie ihre sämtlichen Nachkommen und ihre Eltern von der Zucht auszuschließen.

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Wriedt, Anja: Untersuchungen zur Farbvererbung bei Japanischen Mövchen (Lonchura striata f. dom.) unter besonderer Berücksichtigung der Manifestation von Katarakten bei der leuzistischen Farbvariante. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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