Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Immunhistochemische Diagnostik von intraokulären Melanomen bei Hund und Katze

Glage, Silke

Mit Hilfe dieser Arbeit soll eine Aussage zu der Frage gefunden werden, ob die in der Humanmedizin neue immunhistochemische Nachweismethode mit dem Antikörper Melan A auf die Diagnostik von intraokulären Melanomen bei Hund und Katze in der Veterinärmedizin übertragen werden kann und ob sie einen wesentlichen Vorteil gegenüber den bisher routinemäßig eingesetzten Färbemethoden mit S100 und Vimentin besitzt. Dabei wurden auch die im Vorfeld mittels der lichtmikroskopischen Beurteilung gestellten Diagnosen überprüft. Ferner sollte durch eine sorgfältige lichtmikroskopische Beurteilung der in den intraokulären Melanomen beider Tierarten gefundenen histologischen Befunde ein Vergleich zu den in der Literatur genannten Angaben zum histologischen Erscheinungsbild sowie dem malignen oder benignen Zellbild und Verhalten des Tumors gezogen werden. Für diese Untersuchungen wurden insgesamt 43 Augen von Hunden und Katzen beiderlei Geschlechtes mit Neoplasien ausgewertet. Davon stammten 20 Proben von Hunden im Alter von 2 bis 17 Jahren und 23 Proben von Katzen im Alter von 3 bis 16 Jahren. Von den 20 caninen Proben stand bei 17 Fällen im Vorfeld aus der lichtmikroskopischen Beurteilung der H. & E.-Färbung die Diagnose eines Melanomes, ebenso in 20 von 23 Fällen der Neoplasien der Katze. Sechs intraokuläre Veränderungen mit einer anderen Diagnose ( Tab. 12) wurden zur Darstellung der Spezifität der verwendeten Antikörper gefärbt. Bei der Auswertung der immunhistochemischen Färbungen zeigt sich Vimentin bei beiden Tierarten als ein zuverlässiger Marker für Melanome. Er reagierte jedoch mit allen Veränderungen nichtmelanozytären Ursprungs ebenfalls deutlich positiv. S100 reagierte in dieser Untersuchung vor allem bei den Melanomen der Hunde unzuverlässig. Auch bei den untersuchten Melanomen der Katze zeigten sich deutliche Schwankungen hinsichtlich der Farbqualität und -spezifität. Die Reaktionen mit Tumoren nichtmelanozytären Ursprungs waren bis auf eine Ausnahme ebenfalls positiv ausgefallen. Die Reaktionen mit dem neuen Antikörper Melan A zeigten mit den Melanomen der Hunde eine sehr unterschiedliche Ausprägung. So war das Ergebnis in sechs von 17 Fällen negativ und in einem Fall nur schwach ausgefallen. Auffällig ist, daß vier Fälle mit einem negativen Färbeergebnis ebenfalls mit S100 negativ reagierten. Dieses Ergebnis der immunhistochemischen Färbungen deutet nicht auf das Vorliegen eines Melanoms hin, welches jedoch anhand der lichtmikroskopischen Befunde als Diagnose bestätigt werden muß. Bei den Katzen reagierte Melan A zuverlässiger, wies jedoch ebenfalls in zwei Fällen ein negatives Ergebnis auf. In zwei Fällen, in denen sich die Veränderungen aus einer vorhergehenden Korneaverletzung entwickelt hatte, konnte die Diagnose eines Melanoms nach der immunhistochemischen Auswertung nicht bestätigt werden. Melan A zeigte bis auf eine Ausnahme keine Reaktion mit nichtmelanozytären Veränderungen. Einzig im Fall-Nr. 39 eines Lymphosarkoms bei einem Hund war die Farbreaktion schwach positiv beurteilt worden. Bei der Färbung je eines unveränderten Bulbus von Hunden und Katzen reagierte der Antikörper Melan A deutlich positiv mit den unveränderten Melanozyten. Es kann mit seiner Hilfe nicht zwischen gesunden und entarteten Melanozyten unterschieden werden. Das primäre intraokuläre Melanom des Hundes trat im Durchschnitt ab einem Alter von 9 Jahren auf. Die Primärlokalisation befand sich dabei vorwiegend in der Uvea anterior. Nur in einem Fall im Untersuchungmaterial befand sich die Primärlokalisation in der Uvea posterior. Bei den lichtmikroskopischen Untersuchungen der Hunde fiel eine häufig starke Pigmentierung sowie eine hohe Mitoserate auf. Insgesamt sind Malignitätszeichen wie invasives Wachstum, Auftreten von Nekrosen und Blutungen beim Hund häufiger ausgeprägt als bei der Katze. Bei den Katzen ist die Diagnose eines intraokulären Melanoms im Schnitt im Alter von 10 Jahren gestellt worden. Die Primärlokalisation befand sich hier ausschließlich in der Uvea anterior. In der lichtmikroskopischen Auswertung zeigte das primäre intraokuläre Melanom der Katze ein relativ benignes Erscheinungsbild. Es ist vorwiegend gering pigmentiert und es finden sich nur wenig Mitosefiguren. Es zeigt eine geringe Neigung zu invasiven Wachtum, Nekrosen und Blutungen.

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Glage, Silke: Immunhistochemische Diagnostik von intraokulären Melanomen bei Hund und Katze. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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