Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Referenzwerte der zytologischen Knochenmarkdiagnostik beim Hund unter besonderer Berücksichtigung der Megakaryopoese

Busse, Ljuba

Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war, die prozentuale Verteilung der kernhaltigen Vorläuferzellen der Hämatopoese im zytologischen Knochenmarkaus-strich des gesunden Hundes unter Berücksichtigung des Alters und Geschlechts der Tiere zu ermitteln, sowie das Verfahren für die Beurteilung der Megakaryopoeseakti-vität beim Hund zu optimieren. Die Untersuchung erfolgte an 131 klinisch gesunden Hunden unterschiedlicher Rassen, Geschlechter und verschiedenen Alters. Es wurden sieben Altersgruppen gebildet. Bei jedem Patienten wurden drei Objektträger bei 100facher Vergrößerung untersucht und die Anzahl der kernhaltigen Vorstufen der Megakaryopoese als auch der Anteil der Zellen pro Markbröckel, der prozentuale Anteil der Markbröckel, kernhaltigen Zellen und Fettzellen pro markbröckelhaltigem Blickfeld bestimmt. Im weiteren wurden für jeden Hund basierend auf 1000 differenzierten kernhaltigen Zellen der Hämatopoese eines Objektträgers ein Myelogramm nebst Aufstellung des M:E-Quotient und der Reifungsindizes ermittelt. Die Ergebnisse der Altersgruppen wurden basierend auf dem arithmetischen Mittelwert und der Standardabweichung verglichen. Die Referenzwerte der adulten Hunde wurden basierend auf dem 2,5%- und 97,5%- Quantil angegeben. Es wurden folgende Ergebnisse erzielt: 1. Der Anteil der Zellen am Markbröckel lag unabhängig vom Alter im Mittel bei ca. 50%. Hunde bis zum Alter von sechs Monaten wiesen einen höheren Anteil der außerhalb der Markbröckel liegenden kernhaltigen Zellen pro Blickfeld auf. Die Tiere über acht Jahre wiesen den höchsten Anteil an Markbröckel bzw. außerhalb der Markbröckel befindlichem Fett auf. Geschlechtsunterschiede bezüglich der Zellularität im Knochenmark konnten nicht ermittelt werden. 2. Die Anzahl der Megakaryozyten lag mit 7,2 ± 3,0 Zellen pro Blickfeld ebenso wie die Summe der kernhaltigen Zellen der Megakaryopoese pro Blickfeld (10,4 ± 2,7) bei den weiblichen Hunden deutlich höher als bei den männlichen Tieren (4,4 ± 2,6 bzw. 7,8 ± 2,0 Zellen pro Blickfeld). 3. Die Untersuchung verschiedener Objektträger zur Beurteilung der Megakaryopoeseaktivität im zytologischen Knochenmark des Hundes ist unerheblich. Die Genauigkeit der Befunde variierte mit der Anzahl der untersuchten Blickfelder pro Patient. Eine Ungenauigkeit von 20% erforderte z. B. die Untersuchung von 24 Blickfeldern. 4. Bei der Auswertung des Myelogramms lag bei den Tieren im Alter bis sechs Monaten der prozentuale Anteil der Proerythroblasten, Makroblasten und basophilen Normoblasten am höchsten. Bei den adulten Hunden lag der Referenzbereich für den Gesamtanteil der Erythropoese zwischen 22 und 64%. 5. Der Gesamtanteil der Granulopoese am Myelogramm war bei den juvenilen Hunden am niedrigsten. Beim adulten Hund fanden sich Werte für den Anteil der Granulopoese von 29 bis 65%. 6. Der höchste Anteil der Monozyten und Lymphozyten fand sich bei den bis sechs Monate alten Hunden. Bezüglich des Anteils der Plasmazellen am Myelogramm wies die Gruppe der juvenilen Tiere den niedrigsten Anteil auf. Für die adulten Tiere wurde ein Referenzbereich von 0 bis 1,3% (Monozyten), 0 bis 0,9% (Makrophagen) und 1,7 bis 20% (Lymphozyten) ermittelt. Der Anteil der Plasmazellen reicht bei den adulten Hunden von 0,6 bis 7,5%. 7. Das Verhältnis von myeloischen zu erythroischen kernhaltigen Zellen (M:E-Quotient) lag bei den Hunden unter sechs Monaten niedriger als bei den anderen Altersstufen. Der Referenzbereich adulter Tiere betrug 0,5 und 2,9. 8. Der Reifungsindex der Erythropoese (I:ME-Index) lag bei den Hunden unter sechs Monaten am höchsten. Für die adulten Hunde konnte ein Referenzbe-reich von 0,1 bis 0,5 ermittelt werden. 9. Geschlechtsunterschiede bezüglich des Anteils einzelner Zelltypen am Myelogramm, des M:E-Index und der Reifungsindizes konnten beim adulten Hund nicht festgestellt werden.

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Busse, Ljuba: Referenzwerte der zytologischen Knochenmarkdiagnostik beim Hund unter besonderer Berücksichtigung der Megakaryopoese. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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