Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vergleich der postoperativen Behandlung von Zitzenkanalstenosen bei Milchkühen mittels Wollzitzenstift oder Keratelin Zäpfchen nach Geishauser unter endoskopischer Kontrolle

Foitzik, Dörte

In der vorliegenden Arbeit wurden zwei Zitzenstifte bei der Nachbehandlung chronischer Zitzenkanalstenosen verglichen. Die untersuchten 41 Zitzen wurden randomisierend in zwei Behandlungsgruppen eingeteilt, bei denen die Nachbehandlung entweder mit dem Wollzitzenstift (WZS, n = 21) oder mit dem Keratelin Zäpfchen nach Geishauser­® (GKZ, n = 20) erfolgte. Es wurden nur Zitzen von Eutervierteln ohne klinische Mastitis und ohne Anzeichen einer akuten Entzündung in den Versuch einbezogen. Nach Beseitigung der Stenose unter Sichtkontrolle mit Hilfe einer Lateralendoskopie erfolgte eine einwöchige Nachbehandlung mit täglichem Wechsel des Zitzenstiftes und antibiotischer Versorgung des Euterviertels. Das Sekret wurde drei Tage lang einmal täglich abgelassen, 4 Tage nach der Operation wurde mit dem Maschinemelken begonnen. Um die Auswirkungen der Stifte auf den Zitzenkanal und die Zisternenschleimhaut zu untersuchen, wurden die 41 Zitzen am vierten und achten Behandlungstag erneut endoskopisch durch den Zitzenkanal mit einem starren Endoskop mit 3 mm–Optik untersucht. Außerdem wurden am Operationstag sowie am vierten und achten Behandlungstag die betroffenen Euterviertel und Zitzen palpiert, die Melkbarkeit überprüft sowie das Sekret makroskopisch und mit dem California-Mastitis-Test untersucht. Drei Monate nach Entlassung aus der Klinik wurden die Besitzer telefonisch um Auskunft über den Verbleib der betroffenen Tiere, die Melkbarkeit sowie das Auftreten von Zellgehaltsproblemen und Mastitiden bei den betroffenen Eutervierteln gebeten. · Palpation: Akute entzündliche Reaktionen (Thelitis) traten nach 4 Tagen bei 47,6 % (WZS) bzw. 35, 0 % (GKZ) der Zitzen auf; nach 8 Tagen bei 52,4 % (WZS) und 45,0 % (GKZ) (P ³ 0,05). Am vierten Behandlungstag wurde eine Verdickung der Zisternen-schleimhaut (Zisternitis) in 38,1% bzw. 60,0 % der mit WZS bzw. GKZ behandelten Zitzen gefunden, am Tag 8 waren es 47,6 % (WZS) und 55,0 % (GKZ) (P ³ 0,05). · Melkbarkeit: Bei Beginn des Maschinemelkens nach 4 Tagen war der Milchfluss in 42,9 % (WZS) und 35,0 % (GKZ) der Fälle vermindert (P ³ 0,05). Die Wiederherstellung einer guten Melkbarkeit gelang bei 37 Zitzen, zwei 2 Zitzen aus jeder Behandlungsgruppe mußten in der postoperativen Phase erneut operiert werden. Alle Kühe wurden mit einer guten Melkbarkeit nach Hause entlassen. · Der Durchmesser des Zitzenkanals wurde als „weit“ definiert, wenn sich das Endoskop widerstandslos einführen ließ, als „eng“, wenn die Einführung der Endoskopspitze nicht ohne Widerstand möglich war. In der WZS Gruppe nahm die Zahl der engen Zitzenkanäle während der Behandlungszeit ab (61,9 %, 33,3 % und 19,0 % am Tag 1, 4 und 8) (Tag 1 vs Tag 8: P < 0,01). In der GKZ Gruppe nahm die Häufigkeit enger Zitzenkanäle schon von Tag 1 zu Tag 4 signifikant ab (75,0 %, 10,0 %, 5,0 % am Tag 1, 4 und 8; Tag 1 vs. Tag 4 und 8: P < 0,0001). · In beiden Behandlungsgruppen wurden reaktive Veränderungen sowohl an der Zitzenkanal- als auch an der Zisternenschleimhaut beobachtet. Es konnten während der Behandlung keine Gruppenunterschiede hinsichtlich der Farbveränderungen (weiß zu rot) und der Veränderungen der Schleimhautoberfläche (glatt zu rauh, Auftreten von „Zotten“) ermittelt werden. In der WZS Gruppe hielten die entzündlichen Reaktionen über den gesamten Behandlungszeitraum bis Tag 8 an, außerdem war die Rötungsgrad der Schleimhaut ausgeprägter. In der GKZ Gruppe schienen die Entzündungszeichen schon während der Therapie zwischen Tag 4 und 8 abzuklingen. · Bis Tag 4 entwickelten sich bei 71,4 % (WZS) und 70,0 % (GKZ) der behandelten Euterviertel klinische Mastitiden (P ³ 0,05); bis zum achten Tag sank die Zahl auf 38,1 % (WZS) bzw. 35,0 % (GKZ; P ³ 0,05). Die Anzahl der positiven Reaktionen beim CMT stieg von Tag 1 (43,9 %) im Vergleich zu Tag 4 (85,4 %; P < 0,05) und Tag 8 (61,0 %) (P < 0,05) an. Es gab keine Gruppenunterschiede im Hinblick auf die Zahl der im CMT positiv reagierenden Euterviertel (P ³ 0,05). · Unabhängig von der Behandlungsart wurden in den drei auf die Operation folgenden Monaten in 19,5 % der Fälle erneut Melkbarkeitsstörungen beobachtet. 43,9 % der betroffenen Euterviertel fielen in diesem Zeitraum durch erhöhte Milchzellgehalte auf. Alle 39 Kühe befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung noch im Bestand. Schlußfolgerung: Obwohl die Behandlung mit dem WZS vor allem kurz nach der Operation eine stärkere entzündliche Reaktion hervorzurufen schien als der GKZ, konnten zwischen den beiden Behandlungsgruppen keine Unterschiede bei der Nachbehandlung chronischer Zitzenkanalstenosen hinsichtlich der Wiederherstellung melkbarer Zitzen ermittelt werden.

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Zitierform:

Foitzik, Dörte: Vergleich der postoperativen Behandlung von Zitzenkanalstenosen bei Milchkühen mittels Wollzitzenstift oder Keratelin Zäpfchen nach Geishauser unter endoskopischer Kontrolle. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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