Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die ehemalige Tierarzneischule zu Stuttgart (1821-1912)

Frisch, Angelika

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der ehemaligen Tierarzneischule zu Stuttgart, von ihrer Gründung 1821 bis zur Aufhebung 1912. Anhand von archivalischen Quellen, zeitgenössischer und retrospektiver Literatur ihrer damaligen Professoren, zeitgenössischen Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie Literatur zur veterinärmedizinischen und württembergischen Geschichte wird versucht, ein objektives Erscheinungsbild der Stuttgarter Tierarzneischule in ihrer Zeit zu vermitteln. Darstellungen der Schulorganisation und des Unterrichts, Informationen über die Schüler und die Leistungen der Lehrstätte sollen einen Einblick in die veterinärmedizinische Ausbildung des damaligen Württembergs geben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Hintergründen der Schließung der Tierärztlichen Hochschule und dem zähen administrativen Kampf, der um ihren Erhalt geführt wurde. Die Tierarzneischule in Stuttgart wurde 1821 nach zwanzigjähriger Vorarbeit des damaligen Württembergischen Landestierarztes Gottlieb Heinrich Walz (*1771 †1834) gegründet. Sie entstand auf Erlaß von König Wilhelm I. vor der Stadt, in den ehemaligen Menageriegebäuden des Königshauses. Die Aufgabe der Tierarzneischule bestand zunächst hauptsächlich in der Ausbildung von praktischen, eher handwerklich orientierten Tierärzten, ab ca. 1868 wurde auch auf die wissenschaftliche Ausbildung der Studenten großer Wert gelegt. 1890 wurde ihr der Status einer Hochschule gewährt, 1910 erhielt sie das Promotionsrecht. Die Klinik der Schule wurde in den ersten Jahren fast ausschließlich von Pferdepatienten frequentiert. Auf 215, im Jahr 1827 behandelte Pferde kamen nur 80 Hunde und 11 Rinder. Im Laufe der Zeit machte sich die Tierarzneischule Stuttgart jedoch auch auf anderen Gebieten einen Namen: · Mit der 1847 gegründeten Rinderklinik, einer absoluten Neuerung in den klinischen Strukturen deutscher, tiermedizinischer Ausbildungsstätten, übernahm sie die Führung auf dem Gebiet der Rinderheilkunde. Die Folge bestand in einem steilen Anstieg der zu behandelnden Rinder: im Jahr 1848/49 bereits 275 Tiere. · Der 1874 für Professoren eingeführte „Augenspiegelkurs" führte 1875 zur Aufnahme der Ophthalmologie in den ständigen Lehrplan. Auch dies eine absolute Neuerung, da die Ophthalmologie im Bereich der Veterinärmedizin bisher nahezu unbeachtet geblieben war. · Auch auf dem Gebiet der Chirurgie war die Tierärztliche Hochschule Stuttgart lange Zeit führend. Diese Tatsache verdankte sie vor allem dem ab 1887 an der Schule lehrenden Professor Leonhardt Hoffmann (Verfasser des OP- Atlasses, Erfinder des ersten hydraulischen Operationstisches, u. v. m.). · Professoren wie Eduard Hering, Eduard Vogel, Eugen Fröhner, Robert von Ostertag u. a., trugen ebenfalls viel zum anerkannten Ruf der Stuttgarter Schule bei. Der sehr schlechte bauliche Zustand einiger Gebäude der Tierärztlichen Hochschule veranlaßte 1895 zunächst eine Diskussion um deren Neubau in Stuttgart. 1905 wurde die Diskussion um den Vorschlag ihrer Verlegung nach Tübingen, unter Angliederung als Tierärztliche Fakultät an die dort ansässige Universität, erweitert. 1909 wurde überraschend die Notwendigkeit einer württembergischen tierärztlichen Ausbildungsstätte in Frage gestellt und die Aufhebung der Tierärztlichen Hochschule in Erwägung gezogen. Nach mehreren, zäh und emotional geführten Verhandlungen, beschloß der Württembergische Landtag 1912, gegen viele Proteste seitens der Professoren, Schüler, landwirtschaftlicher und tierärztlicher Vereinigungen, mit einer geringen Mehrheit die Aufhebung der Tierärztlichen Hochschule Stuttgart. Die Folgen waren vielschichtig: · Die Versorgung der sehr spezialisierten, damit schwer vermittelbaren Professoren erforderte die Ergänzung des seit 1876 bestehenden Beamtengesetzes, um die finanzielle Absicherung arbeitsloser Professoren aufrecht zu erhalten. · Die Verteilung der Hochschulbibliothek, der sehr umfangreichen anatomischen Sammlung und sonstigen Inventars mußte so gestaltet werden, daß württembergische Tierärzte auch weiterhin davon profitieren konnten. Die Auflösung der Tierärztlichen Hochschule Stuttgart endete erst zu Beginn des Jahres 1914. · Zukünftige württembergische Studenten der Tiermedizin mußten auf andere deutsche tierärztliche Ausbildungsstätten ausweichen. Das bedeutete einen erhöhten finanziellen, im Fall der Studienaufnahme in München auch einen erhöhten behördlichen Aufwand, aufgrund einer von München erlassenen Einreisebeschränkung. Eine direkte Auswirkung der Schließung der Tierärztlichen Hochschule Stuttgart auf die tierärztliche Ausbildung Württembergs bzw. die Versorgung des Landes mit Tierärzten kann aufgrund des Ersten Weltkriegs nicht durch Zahlen belegt werden.

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Frisch, Angelika: Die ehemalige Tierarzneischule zu Stuttgart (1821-1912). Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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