Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Einfluss von Silagen aus unterschiedlichen Maishybriden auf die Umsetzungen im Verdauungstrakt von Kühen

Höner, Kathrin

In der vorliegenden Arbeit wurden vier verschieden Maishybriden (Avenir, CGS5104, Byzance, CGS5107), die aufgrund eines vorangegangenen Screenings aus 26 Hybriden anhand der in sacco-Abbaubarkeit sowie Rohnährstoff- und Stärkegehalte ihrer Körner (LOOSE 1999) ausgewählt worden sind, als Ganzpflanzensilage hinsichtlich des Abbaus von T und NDF im Pansen, ihres Einflusses auf einige pansenphysiologische Parameter (pH-Wert, NH3 und flüchtige Fettsäuren) sowie der Nährstoffanflutung am Dünndarm bei Milchkühen untersucht. Zusätzlich wurden zur Charakterisierung der Maishybriden der ruminale T-Abbau der unsilierten Einzelfraktionen Körner (von drei Erntedaten) und Restpflanze (von zwei Erntedaten) bestimmt und mit den Ergebnissen der Maisganzpflanzensilage aus den in sacco- und in vivo-Versuchen verglichen. In dem ersten in sacco-Versuch wurden die Körner der vier Maishybriden von drei Erntezeitpunkten (22.09.98, 29.09.98, 06.10.98) und die Restpflanzen von zwei Erntezeitpunkten (29.09.98, 06.10.98) auf ihren T-Abbau bei drei laktierenden Milchkühen getestet. Die Ergebnisse zeigten einen mit zunehmendem Reifestadium abnehmenden ruminalen T-Abbau sowohl bei den Körnern als auch bei den Restpflanzen. Nach einer Inkubationszeit von 8 Stunden betrug der T-Abbau der vier Hybriden bei den Restpflanzen 31% - 38%, bei den Körnern 54% - 75% und nach 24 Stunden 39% - 46% bzw. 83% - 98%. Die Hybride Avenir zeigte bei einer unterstellten Passagerate von 8%/h sowohl bei den Körnern als auch bei den Restpflanzen die geringste effektive Abbaubarkeit, die unter anderem mit der weiter fortgeschrittenen physiologischen Reife zu den jeweiligen Erntedaten der Einzelfraktionen Körner und Restpflanze gegenüber den übrigen Hybriden zu erklären ist. In einem weiteren in sacco-Versuch wurden die vier Maissilagen (Erntekriterium: T von ca. 35%, daraus resultierten vier unterschiedliche Erntetermine) ebenfalls im Pansen von drei Milchkühen inkubiert und hinsichtlich des T- und NDF-Abbaus ausgewertet. Die Trockensubstanz wurde nach einer Inkubation von 24 Stunden zu 71% - 73% abgebaut. Die Hybride Avenir, die im Mittel 17 Tage vor den anderen drei Hybriden und mehr als 12 Tage vor den Einzelfraktionen geerntet wurde, wies bei einer Passagerate von 8%/h die höchste effektive Abbaubarkeit auf, während die drei restlichen Hybriden sich kaum unterschieden. Bei dem NDF-Abbau waren nach 24 Stunden Werte von 34% - 43% zu verzeichnen, wobei die Hybride Avenir hinter CGS5107 ebenfalls mit am höchsten abbaubar war. Aus diesen Ergebnissen ist zu ersehen, dass von der ruminalen Abbaubarkeit der unsilierten Einzelfraktionen (Körner und Restpflanzen) nicht auf die ruminale Abbaubarkeit der silierten Ganzpflanze zu schließen ist, insbesondere, wenn Einzelfraktionen und Ganzpflanze nicht zum gleichen Zeitpunkt geerntet wurden. In dem sich daran anschließenden Stoffwechselversuch mit diesen vier Maissilagen an vier ruminal- und duodenal-gefistelten Milchkühen der Rasse „Deutsche Holstein“ wurden hybridspezifische Auswirkungen auf die pansenphysiologischen Parameter und auf den Nährstofffluss am Dünndarm untersucht. Die Tiere erhielten eine Ration, die zu 56% aus Kraftfutter und zu 44% aus einer der vier Maissilagen bestand. An eine 14tägige Futteradaptation schloss sich eine 5tägige Duodenalchymussammelperiode an, in der alle zwei Stunden Stichproben aus dem Duodenum entnommen wurden. Die Nährstoffflussmengen zeigten nur geringe Unterschiede zwischen den vier Maishybriden (OS-Fluss 7,6 - 8,2 kg/Tag), wobei zwischen CGS5107 und CGS5104 bei den Parametern T, OS, ADF und Lignin signifikante Differenzen (p<0,05) abgesichert werden konnten. Hinsichtlich des pH-Wertes, der Konzentration an flüchtigen Fettsäuren und Ammoniak bestanden nach der Fütterung von Silage aus den vier Hybriden keine signifikanten Unterschiede. Bei den Ergebnissen, die die mikrobielle Proteinsynthese betreffen, bestanden ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den Rationen mit den vier verschiedenen Maissilagen, lediglich tendenziell schien die Hybride CGS5107 mit der geringsten Menge an fermentierbarer organischer Substanz zur höchsten Menge an Mikrobenprotein geführt zu haben. Die Hybridunterschiede, die sich bei den in sacco-Versuchen vor allem durch die Hybride Avenir abzeichneten, waren in dem in vivo-Versuch nicht reproduzierbar, so dass von den in sacco-Ergebnissen in der vorliegenden Arbeit nicht auf die in vivo-Abbaubarkeiten der vier Hybriden geschlossen werden konnte. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die in sacco-Methode allein nicht aussagekräftig genug ist, um den Futterwert einer Maissilage richtig einzuschätzen.

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Höner, Kathrin: Einfluss von Silagen aus unterschiedlichen Maishybriden auf die Umsetzungen im Verdauungstrakt von Kühen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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