Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Räudediagnostik in Schweinezuchtbetrieben bei Bestandssanierung durch einmalige Behandlung mit Doramectin

Keßler, Elke

Das Ziel dieser Arbeit war der Versuch der Räudesanierung in Schweinezuchtbeständen durch einmalige Behandlung mit Doramectin. Ausgangspunkt hierfür waren drei Ferkelerzeuger, davon ein Betrieb mit angeschlossener Mast. Bei den Tieren, die die Infektion auf natürlichem Wege erworben hatten, wurden die Diagnosen chronische (Betrieb 1), akute (Betrieb 2) und subklinisch-chronische (Betrieb 3) „Räude" gestellt. Dies erfolgte durch Untersuchung auf typische Hautveränderungen, Ermittlung des Scheuerindexes, den Nachweis von Milben im Ohrhautgeschabsel und von Antikörpern gegen Sarcoptes scabiei var. suis vergleichend mit Hilfe von zwei verschiedenen serologischen Tests (Chekitâ Sarcoptest, Sarcoptes-ELISA 2001â ). Ausschlaggebend für die Erhebung einer Diagnose von 100 %iger Sicherheit war einzig der Nachweis von lebenden Milben. Nach der Eingangsuntersuchung und Feststellung der Prävalenz, deren Ermittlung stark abhängig vom Diagnostikverfahren war, wurde eine Sanierung bei gegebenen Hygienebedingungen durch eine einmalige Applikation von Doramectin versucht. Verlaufskontrollen erfolgten über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr. Zur Schätzung der Prävalenz in der Eingangsuntersuchung und zur Beurteilung des Sanierungserfolges erwiesen sich die klinischen Erscheinungen und die Serologie (Sarcoptes-ELISA 2001â ) am aussagekräftigsten. Mit der Methode des direkten Milbennachweises waren vier Wochen nach Behandlung der Tiere in allen drei Betrieben keine Parasiten mehr nachweisbar. Die Hautveränderungen bildeten sich sehr langsam zurück. Die Ergebnisse des Scheuerindexes sind vorsichtig zu beurteilen, da die Kratzaktivitäten der Sauen teilweise stark von Umwelteinflüssen abhängig waren. Bei den serologischen Untersuchungen zeigten die Sauen in ihrer Immunantwort große individuelle Unterschiede. In allen drei Betrieben konnten seropositive Sauen gefunden werden. Der Nachweis von Antikörpern war nach erfolgreicher Sanierung noch bis zu sechs Monate (Sarcoptes-ELISA 2001â ) möglich. Danach traten nur noch fragliche Titer auf (Sarcoptes-ELISA 2001â ). Mit beiden ELISAs gelang es außerdem, Antikörper im Kolostrum von seropositiven Sauen nachzuweisen. Bei den Ferkeln wurden maternale Antikörper recht schnell abgebaut und konnten zwei Wochen nach Behandlung nicht mehr festgestellt werden. Der Räude-Status des Betriebes 1 war aufgrund der Aufgabe der Sauenhaltung nach einem halben Jahr nicht sicher beurteilbar. Im Betrieb 2 kam es sechs Monate nach der Behandlung zu einer Reinfektion. Die Sauen im Betrieb 3 waren nach einem Jahr klinisch und labordiagnostisch unauffällig, so dass von einer erfolgreichen Sanierung ausgegangen werden kann. In einer weiteren Untersuchung wird der Antikörpertiterverlauf bei sechs Absetzferkeln nach Kontaktinfektion mit Sarcoptes scabiei var. suis im Alter von acht Wochen beschrieben. Als Vergleich diente eine Sarcoptes-freie Kontrollgruppe mit ebenfalls sechs Absetzferkeln. Einmal wöchentlich entnommene Blutproben wurden auf Antikörper gegen Sarcoptes scabiei var. suis mit drei verschiedenen indirekten ELISAs untersucht. Nach erfolgreicher Infektion wurden die Versuchstiere mit einem Antiparasitikum behandelt (12 Wochen p.i.) und der Antikörperverlauf bis zur Seronegativität verfolgt. Während die Antikörperspiegel der Versuchstiere sowohl beim Sarcoptes-ELISA 2001â als auch beim Acar-Test P*- ELISA fünf Wochen nach dem ersten Kontakt mit einer räudeinfizierten Sau den Grenzwert überschritten und positiv wurden sowie ca. sieben Wochen nach Behandlung wieder im negativen Bereich lagen, zeigte sich mittels Chekitâ Sarcoptest zwar ein Titeranstieg, jedoch ergaben sich nach vorgegebenem Grenzwert des Testes zu keiner Zeit positive Werte. Bei einer Nachuntersuchung bei zusätzlich herabgesetztem Grenzwert und neuer Mikrotiterplattencharge wurden bei den meisten der Versuchstiere positive Serumwerte ermittelt, die auch sieben Wochen nach der Behandlung noch positiv waren. Jedoch konnten nicht alle Tiere zu jedem Zeitpunkt zuverlässig als seropositiv eingestuft werden. Die vorliegende Untersuchung zeigt damit eine deutlich höhere Sensitivität für den Sarcoptes-ELISA 2001â und den Acar-Test P*- ELISA. Die unterschiedliche Testsensitivität muss beim Einsatz serologischer Verfahren zur Räudediagnostik, insbesondere auch für Verlaufsuntersuchungen während der Sanierung räudeinfizierter Bestände beachtet werden.

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Keßler, Elke: Räudediagnostik in Schweinezuchtbetrieben bei Bestandssanierung durch einmalige Behandlung mit Doramectin. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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