Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Resistenzprüfung von Brachyspira hyodysenteriae gegenüber Tiamulin und Valnemulin mit dem Agardilutions- und Bouillondilutionstest

Keßler, Martina

Insgesamt 252 Brachyspira-Isolate des Schweines (221 Br. hyodysenteriae-, 13 Br. pilosicoli-, 8 Br. innocens-, 8 Br. murdochii- und 2 Br. intermedia-Stämme), die in den Jahren 1989 bis 2001 im Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der Tierärztlichen Hochschule Hannover isoliert worden waren, wurden nach Überprüfung der Artzugehörigkeit vergleichend im Agardilutions- sowie im Bouillondilutionstest gegenüber Tiamulin und Valnemulin untersucht. Die dabei zum Einsatz gelangende Methode der Agardilution war zunächst in Vorversuchen auf ihre Eignung zur Resistenzprüfung von Brachyspiren getestet worden. Der im Agardilutionsverfahren ermittelte MHK-Bereich von Tiamulin betrug für Br. hyodysenteriae <0,063 – 16 µg/ml, für Valnemulin wurde ein Bereich von <0,063 – 8 µg/ml erhoben. Die MHK90 für Tiamulin entwickelte sich von 1 µg/ml (1989-1993) auf 8 µg/ml (1998-2001), ebenso stieg die MHK90 für Valnemulin von 0,5 µg/ml (1989-1993) auf 8 µg/ml (1998-2001). Auch bei der Mittleren Minimalen Hemmkonzentration konnte ein Anstieg der Werte (Tiamulin 1989: 0,3 µg/ml – 2001: 4,1 µg/ml; Valnemulin 1989: 0,1 µg/ml – 2001: 1,8 µg/ml) verzeichnet werden. Es erwiesen sich insgesamt 57,9% der 221 Br. hyodysenteriae-Isolate als sensibel für Tiamulin, während 26,7% der Stämme in die Empfindlichkeitskategorie "Resistent" eingeordnet wurden. Für Valnemulin betrug der Anteil sensibler Br. hyodysenteriae-Isolate 71,5%; 16,7% wurden als Valnemulin-resistent beurteilt. Alle Stämme der Arten Br. innocens (MHK-Bereich Tiamulin <0,063 – 0,125 µg/ml; Valnemulin <0,063 µg/ml), Br. intermedia (MHK-Bereich Tiamulin/Valnemulin <0,063 µg/ml) sowie Br. murdochii (MHK-Bereich Tiamulin <0,063 – 0,5 µg/ml; Valnemulin <0,063 – 0,25 µg/ml) erwiesen sich als empfindlich für Tiamulin bzw. Valnemulin. Von den 13 geprüften Br. pilosicoli-Stämmen (MHK-Bereich <0,063 – 4 µg/ml) konnten 53,8% Tiamulin-sensible Isolate ermittelt werden, 46,2% waren als "mäßig empfindlich" (intermediär) für Tiamulin zu bezeichnen. Alle Br. pilosicoli-Isolate erwiesen sich sensibel gegenüber Valnemulin (MHK-Bereich: <0,063 - 0,25 µg/ml). Der im Bouillondilutionsverfahren erhobene MHK-Bereich für Tiamulin betrug bei Br. hyodysenteriae <0,031 – 8 µg/ml, für Valnemulin wurde ein Bereich von <0,031 – 4 µg/ml ermittelt. Die MHK90 für Tiamulin stieg von 0,125 µg/ml (1989-1993) auf 8 µg/ml (1998-2001) an, ebenso die MHK90 für Valnemulin (1989-1993: 0,063 µg/ml/1998-2001: 4 µg/ml). Auch bei der Mittleren Minimalen Hemmkonzentration konnte ein Anstieg der Werte (Tiamulin 1989: 0,2 µg/ml – 2001: 2,0 µg/ml; Valnemulin 1989: 0,03 µg/ml – 2001: 0,9 µg/ml) verzeichnet werden. Es erwiesen sich insgesamt 71,0% der 221 Br. hyodysenteriae-Isolate als sensibel gegenüber Tiamulin, während 6,8% der Stämme in die Empfindlichkeitskategorie "Resistent" eingeordnet wurden. Für Valnemulin betrug der Anteil sensibler Br. hyodysenteriae-Isolate 81,5%; resistente Isolate konnten nicht ermittelt werden. Alle Stämme der Arten Br. innocens (MHK-Bereich: Tiamulin/Valnemulin <0,031 µg/ml), Br. intermedia (MHK-Bereich Tiamulin/Valnemulin <0,031 µg/ml) sowie Br. murdochii (MHK-Bereich Tiamulin <0,031 – 0,25 µg/ml; Valnemulin <0,031 – 0,125 µg/ml) erwiesen sich als empfindlich für Tiamulin bzw. Valnemulin. Von den 13 geprüften Br. pilosicoli-Stämmen (MHK-Bereich <0,031 – 2 µg/ml) konnten 92,3% Tiamulin-sensible Isolate ermittelt werden, 7,7% waren gegenüber Tiamulin als "Intermediär" zu bezeichnen. Alle Br. pilosicoli-Isolate zeigten sich sensibel für Valnemulin (MHK-Bereich: 0,063 - 0,25 µg/ml). Der Bouillondilutionstest gestaltete sich in seiner Ausführung als arbeits- und zeitaufwendiger als der Agardilutionstest, jedoch wurden mit beiden Verfahren reproduzierbare Ergebnisse erzielt. Die mittels Bouillondilution erhobenen MHK-Werte lagen im Mittel eine Konzentrationsstufe unter den Werten des Agardilutionstests. Daraus ergaben sich Diskrepanzen hinsichtlich der Einordnung der Isolate in die entsprechenden Empfindlichkeitskategorien. Die Vor - und Nachteile beider Methoden wurden diskutiert. Eine erneute Überprüfung der bisherigen Grenzwerte für Tiamulin und Valnemulin scheint sinnvoll. Im Hinblick auf eine international fehlende Standardisierung der Methode zur Resistenzprüfung von Brachyspiren und die z.Zt. noch nicht genügend gesicherten Grenzwerte für Tiamulin und Valnemulin, sollte möglichst auf eine Einordnung in Empfindlichkeitskategorien verzichtet werden und statt dessen die Minimalen Hemmkonzentrationen der betreffenden Isolate angegeben werden.

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Keßler, Martina: Resistenzprüfung von Brachyspira hyodysenteriae gegenüber Tiamulin und Valnemulin mit dem Agardilutions- und Bouillondilutionstest. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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