Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Versuch zur Sanierung einer Heidschnuckenherde von der Lungenadenomatose mittels mutterloser Lämmeraufzucht

Krämer, Ursula

Die vorliegende Arbeit dokumentiert und bewertet die Erfahrungen aus der Durchführung eines Sanierungsprojekt an einer mit dem Lungenadenomatosevirus infizierten Herdbuchherde Grauer Gehörnter Heidschnucken. Während zweier Lammzeiten wurden die Geburten kontinuierlich überwacht und die Lämmer sofort nach der Geburt separiert und räumlich getrennt mutterlos aufgezogen. Insgesamt konnten in den zwei Jahren 187 Lämmer für die mutterlose Aufzucht gewonnen werden. 169 dieser Lämmer wurden erfolgreich aufgezogen. In dieser Ziffer enthalten sind 55 männliche Schlachtlämmer. Bei ihren Müttern verblieben 75 Lämmer, darunter 45 männliche Schlachtlämmer. Bei den Tieren in der mutterlos aufgezogenen Herde hat es keinen Fall von klinischer LA gegeben. Bei der pathohistologischen Untersuchung von 55 Schlachtlungen wurden jedoch in einem Fall lungenadenomatosebedingte Veränderungen entdeckt. Damit ist die Eignung dieser Maßnahme zur Sanierung von der Lungenadenomatose grundsätzlich in Frage gestellt. Die Ursache für den Mißerfolg der Sanierung kann nicht eindeutig identifiziert werden. Es scheint zur Zeit am wahrscheinlichsten, daß die Infektion erst nach der Geburt erfolgt ist. Die Inzidenz unter den konventionell aufgezogenen Lämmern ist erheblich höher. Hier wurden schon bei sechs bis neun Monate alten Lämmern Veränderungen des Lungengewebes (in 29,8% von 47 untersuchten Lungen) und teilweise hochgradige klinische Symptome der LA festgestellt. Diese Ergebnisse sprechen für einen Einfluß des Infektionsdruckes auf den Verlauf der Erkrankung und die Ausbildung klinischer Symptome. Der Infektionsdruck in der Herde konnte durch die Sanierung erheblich gesenkt werden. Eine abschließende Beurteilung kann erst in einigen Jahren vorgenommen werden. Um die Geburtenüberwachung rationeller zu gestalten, wurden die Muttern vor der Bedeckung synchronisiert und in kleinen Gruppen den Böcken zugeführt. Dazu wurden im ersten Jahr Progesteron und PMSG, im zweiten Jahr Prostaglandin eingesetzt. Die Progesteronbehandlung erwies sich als wesentlich erfolgreicher: Hier wurde eine Konzeptionsrate von 78% nach dem ersten auf die Behandlung folgenden Östrus erzielt. Durch die Verabreichung von PMSG konnte die Wurfgröße auf durchschnittlich 1,76 Lämmer heraufgesetzt werden im Vergleich zu 1,3 Lämmern nach Prostaglandinbehandlung. Nach zweimaliger Prostaglandinbehandlung nahmen nur 24% der behandelten Tiere auf. In der tageszeitlichen Verteilung der Lammungen kristallisierten sich zwei Schwerpunkte (6.00 bis 8.00 h und 22.00 bis 2.00 h) heraus. Die Lämmeraufzucht verlief im ersten Jahr weitgehend problemlos, Aufzuchtverluste durch infektiöse Ursachen traten ausschließlich nach dem Absetzen von der Milchtränke auf. Im zweiten Jahr standen Gesundheitsprobleme mit der Symptomatik von "watery mouth" in den ersten Lebensstunden im Vordergrund, die jedoch aufgrund intensiver Betreuung und Behandlung in nur einem Fall zum Verlust führten. Dennoch verendeten in diesem Jahr sieben Lämmer aus anderen Ursachen in den ersten 7 Lebenstagen. Für die Überwachung der Geburten und die Versorgung der Lämmer in den ersten Lebenstagen waren mindestens drei Personen erforderlich. Die eigentliche Lämmeraufzucht wurde von einer weiteren Person übernommen. Im Hintergrund waren zudem immer ein erfahrener Schäfer sowie Tierärzte der Klinik für kleine Klauentiere tätig. Der personelle und finanzielle Aufwand dieser Sanierungsmaßnahme ist nicht unerheblich, hinzu kommt die Notwendigkeit einer umfangreichen Planung. Der Erfolg der Geburtsüberwachung hängt in hohem Maße von der Zuverlässigkeit der "Geburtshelfer" ab. Grundlage dafür ist, außer einer hohen Motivation und ausgeprägtem Verantwortungsbewußtsein von Seiten der Helfer, eine sorgfältige Aufklärung über die Übertragungsrisiken und eine vertrauensvolle Basis der Zusammenarbeit. Im September 2000 konnten 147 Tiere als neue Herde in Döhle in der Lüneburger Heide angesiedelt werden. Eine weitere wissenschaftliche Begleitung der Herde im Hinblick auf ihre Gesundheit im Allgemeinen und die Entwicklung der Infektion mit dem Adenomatosevirus im Besonderen ist notwendig.

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Krämer, Ursula: Versuch zur Sanierung einer Heidschnuckenherde von der Lungenadenomatose mittels mutterloser Lämmeraufzucht. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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