Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Der Lungenkapillardruck beim herzgesunden und herzkranken Warmblutpferd unter standardisierter Belastung auf dem Laufband

Bubeck, Kirstin

Im Rahmen dieser Studie wurde bei 16 gesunden trainierten und untrainierten Warmblutpferden der Lungenkapillardruck in Ruhe und unter standardisierter Belastung auf dem Laufband gemessen. Eine Herzerkrankung wurde zuvor durch eine klinische, elektro- und echokardiographische Voruntersuchung ausgeschlossen. Es war das Ziel dieser Studie Normwerte für den Lungenkapillardruck beim Warmblutpferd unter Belastung in den Grundgangarten (Schritt, Trab, Galopp) zu erstellen. Die Lungenkapillardruckwerte stiegen nach dem Wechsel von einer niedrigeren zu der nächsthöheren Geschwindigkeitsstufe signifikant an. Ein signifikanter Unterschied zwischen trainierten und untrainierten Pferden war nicht zu erkennen. Bei den untrainierten Pferden wurde jedoch eine signifikant höhere Herzfrequenz als bei den trainierten Pferden unter hoher Belastung (7 m/s und 8m/s) festgestellt. Außerdem wurde bei 10 Pferden mit Mitralklappeninsuffizienz in Ruhe und Belastung eine Lungenkapillardruckmessung durchgeführt. Die Graduierung der Mitralklappeninsuffizienzen (6 Pferde: mittelgradig / 4 Pferde: hochgradig) erfolgte mit Hilfe der konventionellen und der farbkodierten Dopplerechokardiographie. Pferde mit mittelgradigen Mitralklappensuffizienzen wiesen in Belastung Tendenzen zu einer Erhöhung des Lungenkapillardruckes auf. Dagegen zeigten Pferde mit hochgradigen Mitralklappeninsuffizienzen zum Teil deutliche Erhöhungen dieses Parameters. Bei vier weiteren Patienten mit Vorhofflimmern stieg der Lungenkapillardruck in Belastung über einen zum Teil schon erhöhten Ruhewert hinaus weiter an. Das weist daraufhin, dass aus einer fehlenden Vorhofkontraktion sowohl in Ruhe als auch während der Belastung eine Druckerhöhung im Bereich der Pulmonalvenen und des linken Vorhofes resultiert. Bei einem Pferd mit Vorhofflimmern und Mitralklappeninsuffizienz konnte eine Herzkatheteruntersuchung nach erfolgreicher Therapie mit Kardioversion durchgeführt werden. Nach Kardioversion entstand eine Absenkung des Lungenkapillardruckes unter Belastung und Steigerung des Schlag- und des Regurgitationsvolumens bei erniedrigter Regurgitationsfraktion. Neben dem Lungenkapillardruck war auch die Herzfrequenz unter Belastung nach Kardioversion deutlich niedriger. Die Lungenkapillardruckmessung unter Belastung ermöglicht somit beim Pferd in Kombination mit der Echokardiographie eine genauere Differenzierung der hämodynamischen Beeinträchtigung durch Klappenvitien und stellt somit eine weitergehende Beurteilungsmöglichkeit der hämodynamischen Veränderungen bei Herzpatienten mit Linksherzerkrankungen dar. Diese Studie läßt außerdem die Tendenz erkennen, dass sich eine mittelgradige Mitralklappeninsuffizienz in Belastung kaum hämodynamisch auswirkt, während hochgradige Mitralinsuffizienzen jedoch hämodynamisch von Bedeutung sind.

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Bubeck, Kirstin: Der Lungenkapillardruck beim herzgesunden und herzkranken Warmblutpferd unter standardisierter Belastung auf dem Laufband. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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