Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (ANCA) bei steril-eitriger Meningitis-Arteriitis (SRMA) des Hundes

Albers, Elisabeth

Die steril-eitrige Meningitis-Arteriitis (SRMA) des Hundes ist eine hochgradige eitrige Meningitis und nekrotisierende Vaskulitis hauptsächlich im Bereich der spinalen Meningen. Als Ursache wird eine Dysregulation des Immunsystems vermutet, die sich vor allem in einer exzessiven systemischen und intrathekalen IgA-Synthese widerspiegelt. Sowohl bei dem Kawasaki-Syndrom, für das die SRMA als anerkanntes Tiermodell gilt, als auch bei der Wegeners Granulomatose gilt der gelungene Nachweis von antineutrophilen zytoplasmatischen Antikörpern (ANCA) gegen Proteinase 3 (PR3) und Myeloperoxidase (MPO) als wichtiges Mittel zur Diagnostik. In vorliegender Studie sollte mit Hilfe von zwei kommerziell erhältlichen ELISA zum Nachweis von humanen PR3- und MPO-ANCA (Varelisa PR3-ANCA® und Varelisa‑MPO-ANCA®) das Vorkommen von ANCA bei Hunden mit SRMA untersucht werden. Nach Adaptierung der Systeme für den Hund erwiesen sich die ELISA als zuverlässige Methoden zum Nachweis von ANCA. Die Ergebnisse konnten mit anderen Techniken wie der Durchflusszytometrie und indirekten Immunfluoreszenz bestätigt werden. Es wurden gepaarte Serum- und Liquorproben von insgesamt 158 Hunden untersucht und die Ergebnisse an SRMA erkrankter Patienten mit gesunden Hunden und Hunden mit bakteriellen und viralen Enzephalitiden, granulomatöser Meningoenzephalomyelitis, Tumorerkrankungen des zentralen Nervensystems, idiopathischer Epilepsie und verschiedenen immunologischen Erkrankungen verglichen. Die Ergebnisse standen im Vergleich zum IgA‑Titer im Serum und Liquor cerebrospinalis und der Anzahl neutrophiler Granulozyten im Liquor. Zudem wurde bei 15 Hunden mit SRMA der ANCA-Verlauf während einer Therapie mit Glukokortikosteroiden bestimmt. Bei allen untersuchten Gruppen waren ANCA nachweisbar. Dabei zeigte sich eine deutlich positive Korrelation zwischen dem Auftreten von PR3-ANCA und MPO-ANCA. Mit Hilfe des entwickelten ELISA konnten im Serum PR3-ANCA bei 37 % der Hunde mit SRMA, aber auch bei 0 % (idiopathische Epilepsie) bis 50 % der Hunde der Kontrollgruppen - sowohl gesunde als auch erkrankte Tiere - nachgewiesen werden. Der MPO‑ANCA-ELISA zeigte 43 % der untersuchten Serumproben von Hunden mit SRMA und 13 % bis 43 % der Kontrollgruppen als positiv an. 13 % der Liquorproben an SRMA erkrankter Hunde und 0 % (idiopathische Epilepsie) bis 50 % der Hunde der Kontrollgruppen wiesen im PR3‑ANCA-ELISA positive Ergebnisse auf. Der MPO‑ANCA-ELISA ergab bei 29 % der Liquorproben der Hunde mit SRMA und bei 0 % (idiopathische Epilepsie) bis 39 % der Kontrollgruppen positive Ergebnisse. Im Liquor cerebrospinalis der untersuchten Hunde mit SRMA besteht im Krankheitsverlauf eine positive Korrelation zwischen der Höhe der MPO‑ANCA‑Werte und dem IgA-Titer. Es besteht keine Rassen-, Geschlechts- oder Altersdisposition für das Auftreten von ANCA. Bei 6 von 14 Patienten mit SRMA konnte eine positive Korrelation zwischen dem ANCA-Wert und dem Krankheitsverlauf festgestellt werden. Die Höhe des ANCA-Werts ließ sich durch die Therapie mit Glukokortikosteroiden nur bei 5 von 14 Patienten beeinflussen. In der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass ein Nachweis von ANCA nicht pathognomonisch für SRMA ist, sondern ANCA auch bei gesunden Hunden bzw. im Rahmen anderer Erkrankungen beim Hund unspezifisch auftreten. Sie können nicht für eine frühzeitige Rezidivdiagnostik bzw. für Therapiestudien verwendet werden. Ob ANCA bei SRMA oder anderen Erkrankungen des ZNS ein Epiphänomen sind oder ob sie am Krankheitsprozess beteiligt sind, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Es scheint aber wahrscheinlich, dass die Produktion von ANCA vergleichbar mit der intrathekalen IgA-Synthese durch einen noch unbekannten Faktor aufrechterhalten wird. Es kann vermutet werden, dass sie Einfluss auf gewebeschädigende Prozesse bzw. die Aufrechterhaltung der Entzündung im ZNS haben. Auch für SRMA ist das bekannte Two-Hit-Modell anwendbar: Neben der Bildung von ANCA muss eine Aktivierung neutrophiler Granulozyten stattfinden, damit ANCA eine schädigende Wirkung im Organismus entwickeln können. Beide Faktoren sind bei SRMA vorhanden. Im Vergleich zeigen humanmedizinische Studien über Vaskulitiden unbekannter Genese einen ähnlichen individuell unterschiedlichen klinischen Verlauf wie SRMA und ANCA-Synthese. SRMA bleibt daher weiterhin ein gutes Tiermodell für diese Störungen, vor allem da beim Hund Verlaufsuntersuchungen und Therapiestudien möglich sind.

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Albers, Elisabeth: Antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (ANCA) bei steril-eitriger Meningitis-Arteriitis (SRMA) des Hundes. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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