Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Klinische und weiterführende kardiologische Verlaufsuntersuchung bei Warmblutpferden mit Herzklappeninsuffizienzen

Michl, Antje

Bei 31 Warmblutpferden mit mindestens einer Herzklappeninsuffizienz wurden die klinischen und echokardiographischen Befunde der kardiologischen Erst- und Nachuntersuchung im Untersuchungsintervall von zwei bis sieben Jahren verglichen. Einige Patienten zeigten eine gering- bzw. hochgradige Erkrankung; die meisten waren mittelgradig erkrankt. Die Pferde wurden als Turnier-, Freizeit- und Weide- (bzw. Zucht-) pferde genutzt. Das durchschnittliche Alter betrug 12 Jahre. Bei den meisten Patienten (n = 25) lag eine Mitralklappeninsuffizienz vor; 17 Pferde zeigten eine Trikuspidalklappeninsuffizienz und bei sechs Pferden wurde eine Aorteninsuffizienz festgestellt. Klinisch traten bei der Nachuntersuchung lediglich geringgradige Veränderungen der Herzgeräusche auf; das Allgemeinbefinden blieb ungestört. Bis auf drei hochgradig herzkranke Pferde zeigten die meisten (gering-, mittel- und hochgradig herzkranke) Pferde bei der kardiologischen Nachuntersuchung laut ihrer Besitzer eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit. Einige Parameter der zweidimensionalen Echokardiographie erfuhren eine geringgradige Veränderung. Die Dimensionen des rechten und linken Vorhofes, des linken Ventrikels und der Aortenwurzel vergrößerten sich im Durchschnitt geringgradig, blieben allerdings im Mittel im oberen Bereich der Norm. Fast alle Pferde mit Mitralklappeninsuffizienz zeigten geringgradige Vergrößerungen des linken Vorhofes, zum Teil auch über den oberen Normwert hinaus. Tendentiell wurde mit der konventionellen und auch mit der farbcodierten Dopplertechnik eine hämodynamische Auswirkung der Herzklappeninsuffizienzen festgestellt. Die Werte der Rückflußvolumina der Mitralklappeninsuffizienzen und die der Vena contracta der Mitralklappe vergrößerten sich im Zeitraum zwischen der Erst- und der Nachuntersuchung durchschnittlich geringgradig. Da aus der geringgradigen Verschlechterung der Herzfunktion jedoch größtenteils keine Verschlechterung des Herzstatus resultierte und nur bei drei hochgradig herzkranken Pferden von den Besitzern eine Leistungsminderung erkannt wurde, scheinen die Veränderungen einzelner kardiologischer Parameter bei den Pferden der vorliegenden Studie ohne klinische Relevanz zu sein. Eine Abhängigkeit der Entwicklung von Herzklappeninsuffizienzen vom Alter und von der Leistungsfähigkeit der Pferde, vom Schweregrad der Herzerkrankung und vom Zeitraum zwischen der Erst- und der Nachuntersuchung wurde nicht nachgewiesen. Die vorliegende Studie zeigt, daß die Herzklappeninsuffizienzen (insbesondere Mitralklappeninsuffizienzen) bei den 31 untersuchten Pferden im Untersuchungszeitraum von zwei bis sieben Jahren weitgehend kompensiert blieben, obwohl geringgradige Verschlechterungen einzelner echokardiographischer Parameter auftraten.

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Michl, Antje: Klinische und weiterführende kardiologische Verlaufsuntersuchung bei Warmblutpferden mit Herzklappeninsuffizienzen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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