Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Einfluß einer Zufütterung von Propylenglykol im peripartalen Zeitraum auf Tier- und Stoffwechselgesundheit sowie Reproduktions- und Milchleistung bei hochleistenden Milchkühen

Prange, Dagmar

Der Versuch wurde an 234 hochleistenden Milchkühen der Rasse „Deutsche Schwarzbunte“ im Landkreis Verden und Nienburg von Juni 1998 bis September 2000 in 8 landwirschaftlichen Betrieben durchgeführt. 117 Kühe erhielten ab dem 13. Tag a.p. drei kg Kraftfutter täglich, welches 9,57% Propylenglykol (PG) enthielt. Ab der Abkalbung bis zum 10. Tag p.p. wurde von diesem Kraftfutter täglich ein kg verfüttert (Behandlungsgruppe). 117 Kühe erhielten das gleiche Kraftfutter im gleichen Zeitraum, aber ohne den Zusatz von PG (Kontrollgruppe). Von allen Kühen wurde 6 Wochen a.p. bis 20 Wochen p.p. in 14-tägigem Abstand der Body-condition-score (BCS) erfaßt. Alle Tiere wurden in der dritten und 5. Woche p.p. gynäkologisch rektal untersucht, außerdem wurde der Serumprogesterongehalt zu diesen Zeitpunkten bestimmt. Die Daten der Milchleistungsprüfung der ersten 4 Kontrollen, der Kalbeverlauf, die Häufigkeit von Krankheiten und die Besamungen wurden für alle Tiere erfaßt. Blutproben von zufällig ausgewählten Kühen (n=43 Behandlungstiere; n= 40 Kontrolltiere) lieferten die Daten für die Bestimmung der Konzentrationen und Aktivitäten von freien Fettsäuren (NEFA), ß-Hydroxybuttersäure (BHB), Aspartat-Aminotransferase (AST), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH) und Insulin – like – growth – factor - 1 (IGF-1). Die Blutproben wurden zu den Zeitpunkten 6, 3 und 1 Woche a.p., 1 Tag p.p. und von der ersten bis 11. Woche p.p. in 14-tägigem Abstand gewonnen. 1. BCS: Die Verabreichung von Propylenglykol konnte den Verlauf der Körperkondition bei den Versuchstieren nicht beeinflussen. Zur Abkalbung fiel der mittlere BCS im Vergleich zur Trockenstehperiode in beiden Versuchsgruppen signifikant ab und blieb in der frühen Laktation bei ähnlichen Werten. 2. NEFA: Von der ersten Woche a.p. bis eine Woche nach der Abkalbung war in der PG-Gruppe die durchschnittliche Konzentration von NEFA im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant geringer. In beiden Gruppen stiegen die mittleren Konzentrationen zur Abkalbung an und fielen dann bis zum Versuchsende kontinuierlich wieder ab. 3. BHB: In der Behandlungsgruppe stieg die mittlere Konzentration eine Woche p.p. signifikant an, wobei der Anstieg bei den Kontrolltieren bereits eine Woche a.p. erfolgte. Die Werte der PG-Gruppe blieben von der ersten Woche a.p. bis zur 7. Woche p.p. unterhalb von denen der Kontrollgruppe. In beiden Versuchsgruppen wurden die höchsten mittleren Konzentrationen in den ersten drei Wochen p.p. gemessen, ab dann fielen sie wieder gleichmäßig ab. In der Kontrollgruppe erreichten signifikant mehr Kühe die kritische Schwelle von ? 1000 µmol/l BHB im Serum verglichen mit Tieren der PG-Gruppe. 4. AST: Propylenglykol konnte die durchschnittliche Aktivität von AST nicht beeinflussen. Zum Zeitpunkt der Abkalbung stieg die mittlere Aktivität an, erreichte ein Plateau und fiel ab der ersten Woche p.p. wieder ab. Zu den letzten Beobachtungszeitpunkten war die mittlere Aktivität in beiden Versuchsgruppen höher im Vergleich zur Trockenstehperiode am Versuchsanfang. 5. GLDH: Die Verabreichung von Propylenglykol hatte keinen Einfluß auf die mittlere Aktivität von GLDH im Versuchszeitraum. In beiden Versuchsgruppen fiel die mittlere Aktivität bis zur Abkalbung leicht ab und stieg dann bis zum Untersuchungsende kontinuierlich an. Ab der dritten Woche p.p. waren die mittleren Aktivitäten höher als am Versuchsbeginn. 6. IGF-1: Die mittleren IGF-1-Konzentrationen unterschieden sich während der Trockenstehperiode nicht und fielen in der PG-Gruppe zur Abkalbung signifikant ab. Im Gegensatz dazu war in der Kontrollgruppe bereits ab der ersten Woche a.p. ein Abfall zu beobachten. Die mittleren Konzentrationen von IGF-1 waren in der Behandlungsgruppe ab der ersten Woche a.p. bis eine Woche p.p. gegenüber der Kontrollgruppe erhöht. Im Vergleich zur Abkalbung stiegen die mittleren Konzentration in beiden Versuchsgruppen bis zum Versuchsende wieder leicht an. 7. Fruchtbarkeit: Die Reproduktionsleistung wurde durch eine peripartale Zufütterung von PG nicht beeinflußt. Dies galt für den Kalbeverlauf einschließlich des Puerperiums, die Fruchtbarkeitskennzahlen, die Progesteronkonzentrationen in der 3. und 5. Woche p.p. als Ausdruck einer vorhandenen Gelbkörperfunktion und die Häufigkeit von Ovarialzysten. Lediglich die Gebärmutterinvolution war in der dritten Woche p.p. in der PG-Gruppe weiter vorangeschritten als in der Kontrollgruppe. 8. Milchleistung und Milchinhaltsstoffe: Die durchschnittliche 100-Tage-Leistung sowie die Peak-Leistung konnte durch die Verabreichung von Propylenglykol nicht beeinflußt werden. Die mittleren Eiweißprozente der Kontrolltiere fielen von der ersten zur zweiten Melkphase stärker ab und verblieben auch auf einem geringerem Niveau als in der PG-Gruppe. In der PG-Gruppe wurde allerdings im Vergleich zur Kontrollgruppe ein höherer Harnstoffgehalt in den Melkphasen 1 bis 4 verzeichnet. 9. Eutergesundheit: Die mittleren Zellgehalte waren durch die Verabreichung von PG nicht zu beeinflussen. Auch die Anzahl der an Mastitis erkrankten Kühe war im Vergleich der Versuchsgruppen nicht unterschiedlich. 10. Krankheiten: Die Häufigkeit von Krankheiten unterschied sich nicht zwischen den Versuchsgruppen. 11. Schlußfolgerung: Die Zufütterung von PG mit dem Kraftfutter im peripartalen Zeitraum hatte zwar positive Effekte auf die Stoffwechselparameter NEFA, BHB, IGF-1 und auf die Uterusinvolution, aber diese Effekte bewirkten keine Verbesserung der Fruchtbarkeitsleistung, des Milchertrages und der Tiergesundheit in der frühen Laktation.

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Prange, Dagmar: Einfluß einer Zufütterung von Propylenglykol im peripartalen Zeitraum auf Tier- und Stoffwechselgesundheit sowie Reproduktions- und Milchleistung bei hochleistenden Milchkühen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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