Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Klinisch-gynäkologische und histopathologische Untersuchungen zur Beurteilung der endometrialen Reaktion auf besamungsrelevante Medien (Samenverdünner, Seminalplasma, Spermien) bei Warmblutstuten

Quetin, Magali

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Einfluß der einzelnen Komponenten eines Inseminates auf die postinseminatorische, morpho-funktionelle Reaktion des Endometriums der Empfängerstuten zu überprüfen. Am 17. Zyklustag wurde klinisch-genitalgesunden, östrischen Stuten einmalig intrauterin Aliquote von 20 ml einer Spermien-, Seminalplasma-, Verdünner-, Kochsalzlösung (Kontrollgruppe) oder verdünnter Samenportionen appliziert. Von insgesamt 39 Stuten mit unterschiedlichem Alter, Reproduktionsstatus und Vorbericht wurde vor Versuchsbeginn und in zeitlich definierten Abständen nach Applikation (+6-8 Std., +48 Std.) Endometriumbiopsieproben gewonnen und mit Hilfe histologischer Verfahren (Lichtmikrokopsie, Enzymhistochemie, Immunhistologie) zur Bestimmung der Anzahl neutrophiler sowie eosinophiler Granulozyten, Lymphozyten, Plasmazellen, Makrophagen und Mastzellen ausgewertet. Begleitend wurden klinisch-gynäkologische, bakteriologische und zytologische Untersuchungen vorgenommen. Nach Auswertung der prae applicationem gewonnenen Bioptate wurden die Stuten unabhängig von ihrer Gruppenzuordnung in 4 verschiedene histopathologische Klassen eingeteilt (Stuten mit ungeschädigtem Endometrium, mit Endometritissymptomen, mit Endometrose oder mit gleichzeitig nachgewiesenen entzündlichen und fibrotischen Läsionen der Uterusschleimhaut). Dadurch konnte zusätzlich der Einfluß des initialen endometrialen histopathologischen Zustandes auf den Reaktionsverlauf untersucht werden. In der vorliegenden Untersuchung ergibt sich aus der Klassenverteilung keine statistisch absicherbare Veränderung der entzündlichen Reaktion hinsichtlich der Infiltration neutrophiler Granulozyten, Lymphozyten, Makrophagen sowie Mastzellen. Durch eine vorliegende Endometritis war aber die Reaktion hinsichtlich des Auftreten von IgA-Plasmazellen beeinträchtigt. Unabhängig vom appliziierten Medium konnten bei allen behandelten Stuten klinische, zytologische sowie histologische Zeichen einer akuten exsudativen Endometritis nach 6 bis 8 Std. festgestellt werden. In der Uterusschleimhaut wurde hauptsächlich eine sprunghafte Infiltration mit neutrophilen Granulozyten, vergesellschaftet mit Lymphozyten, beobachtet. Die intrauterine Applikation von Spermien, frisch verdünntem Samen sowie Seminalplasma verursachte einen signifikant größeren Anstieg der Infiltration durch PMN im Vergleich zur Applikation von Verdünner, bzw. von Kochsalzlösung (Kontrolle). Diese Unterschiede werden im Hinblick auf die Einleitung des entzündlichen Prozesses interpretiert: Spermatozoenantigene sowie gewisse, bisher noch unbekannte Faktoren des Seminalplasmas wirken – vermittelt durch Komplementfaktoren und andere Entzündungsmediatoren –chemotaktisch auf die neutrophilen Granulozyten, während die Applikation eines bestimmten Flüssigkeitsvolumens (Verdünner, Kochsalzlösung) einfach mechanisch reizend auf die Schleimhaut wirkt. 48 Std. post applicationem nahm die Dichte neutrophiler Granulozyten im Endometrium ab und wurde als Ausdruck für eine effektive uterine Clearance interpretiert. Dennoch lagen zwischen den applizierten Komponenten hinsichtlich des Rückgangs der PMN-Dichte statistisch gesicherte Unterschiede vor. Die Präsenz neutrophiler Granulozyten erwies sich bei den Stuten der Kontrollgruppe als vollstäntig bzw. als nahezu abgeschlossen nach intrauteriner Applikation von Spermien und nach Besamung. Vergleichsweise verzögert verlief die uterine Reinigungsprozeß bei Stuten der Seminalplasma- und Verdünner-Applikationsgruppe. Weiterhin war 48 Std. nach Applikation von Spermien, frisch verdünntem Samen sowie Kochsalzlösung (Kontrolle) ein statistisch signifikantes Auftreten von IgA-Plasmazellen nachweisbar. Im Gegensatz dazu bestimmten 2 Tage nach intrauteriner Applikation von Seminalplasma bzw. Verdünner Makrophagen, statt Plasmazellen, das histologische Bild. Die Applikation von Verdünner führte möglicherweise zur Degranulation von Mastzellen. Aufgrund erheblicher interindividueller Schwankungen konnte kein Einfluß des applizierten Mediums auf das Vorkommen eosinophiler Granulozyten nachgewiesen werden. Bei der Entwicklung des postinseminatorischen Entzündungsprozesses sind die Einzelkomponenten des Inseminates (Spermien, Seminalplasma, Verdünner) bezogen auf die Zelldichte der neutrophilen Granulozyten graduell und temporär unterschiedlich beteiligt. Die Ätiopathogenese der Rekrutierung von Lymphozyten, Plasmazellen, Makrophagen und Mastzellen nach der Besamung bedarf jedoch noch weiterer Untersuchungen.

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Quetin, Magali: Klinisch-gynäkologische und histopathologische Untersuchungen zur Beurteilung der endometrialen Reaktion auf besamungsrelevante Medien (Samenverdünner, Seminalplasma, Spermien) bei Warmblutstuten. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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