Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Studie zur Optimierung der Lungenfunktion in Narkose während Capnoperitoneum

Stieger, Marcus

In der Humanmedizin ist die Abnahme der Lungencompliance und die Verminderung der Oxygenierung während der Allgemeinanästhesie seit nunmehr drei Jahrzehnten bekannt. Diese Studie untersucht, ob der nachgewiesene narkosebedingte Verschluß von Alveolen durch Anwendung einer Alveolären Rekrutierungs-Strategie (ARS) überwunden und ein erneutes Kollabieren der Alveolen durch Anwendung erhöhter PEEP-Werte verhindert werden kann. Es wurden 19 normalgewichtige lungengesunde Patienten eingeschlossen, die sich minimalinvasiven Eingriffen von mindestens 30 Minuten Dauer unterzogen. Der PEEP wurde in Schritten von 3 Minuten um jeweils 5 cmH2O angehoben und wieder abgesenkt, bei normalen intraabdominalem Druck bis 15 cmH2O, unter Capnoperitoneum bis 20 cmH2O. Zur Rekrutierung wurde bei einem PEEP von 15 bzw. 20 cmH2O das Atemzugvolumen so erhöht, daß die zuvor eingestellte Druckgrenze erreicht wurde (45 cmH2O). Bei jedem Schritt wurden arterielle Blutgase bestimmt und die Lungenmechanik analysiert. Es traten keine Komplikationen auf. Die ARS verbesserte die arterielle Oxygenierung und die dynamische Compliance signifikant. Ohne Capnoperitoneum führte ein PEEP um 10 cmH2O zu den besten Ergebnissen; unter erhöhtem intra-abdominalem Druck waren die Rekrutierungseffekte deutlich geringer ausgeprägt, aber dennoch statistisch signifikant. Dies läßt die Vermutung zu, daß die Spitzendrücke noch höher gewählt werden müssen, um den durch den IAP erhöhten transmuralen Druck zu überwinden, wahrscheinlich um 55 cmH2O bei einem intra-abdominalem Druck um 14 mbar. Ein Übertragungsversuch auf ein narkotisiertes gesundes Pferd war erfolgreich.

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Stieger, Marcus: Studie zur Optimierung der Lungenfunktion in Narkose während Capnoperitoneum. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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