Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vergleich verschiedener Behandlungen der chronischen Endometritis des Rindes unter Berücksichtigung von Faktoren des Behandlungserfolges

Tenhagen genannt Emming, Simone

1. Im Rahmen dieser Arbeit wurden von Januar 1997 bis Februar 1998 ursprünglich 200 Tiere zur Erstuntersuchung vorgestellt, von denen 178 Tiere in die Auswertung einbezogen werden konnten. Es handelte sich um Kühe ab dem 21. Tag p.p., die wegen einer Endometritis angemeldet wurden. Nach vaginaler und rektaler Untersuchung sowie Entnahme der Uterustupfer- und Blutproben wurden ihnen alternierend entweder intrauterin 100 ml 4%ige LotagenÒ-Lösung oder 20 ml TotocillinÒ infundiert oder intramuskulär 5 ml DinolyticÒ injiziert oder sie wurden der unbehandelten Kontrollgruppe zugeordnet. Nach 2 Wochen erfolgte eine Nachuntersuchung und falls erforderlich eine weitere Behandlung. 2. Zwischen den 4 Gruppen ergaben sich weder bezüglich der klinischen Heilung noch hinsichtlich der Fertilitätsparameter eindeutige Unterschiede. Daraufhin wurde der Einfluß anderer Faktoren, wie Abstand zur Abkalbung, rektaler Befund, bakteriologischer Befund und Vorhandensein eines Corpus luteum, die sich auf die Heilung und die Fertilität auswirken, überprüft. 3. Mit zunehmendem Abstand zur Kalbung nahm der Schweregrad der Endometritis ab und somit stieg die Erstheilungsrate gruppenübergreifend signifikant von 59,5% bei Therapiebeginn vor dem 42. Tag p.p. auf 79,6% bei Therapiebeginn nach dem 42. Tag p.p. an. Die verbesserten Heilungsaussichten führten aber nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung der Fertilitätsindices bei einem späteren Therapiebeginn. In der DinolyticÒ-Gruppe wurden allerdings statistisch signifikant bessere Ergebnisse bezüglich der Erstheilungsrate (100, 0%) und ebenfalls bei den Fertilitätsindices (Gesamtträchtigkeitsrate (GTR): 92,9%; Erstbesamungserfolg (EBE): 78,6%; Trächtigkeitsindex (TI): 1,2) festgestellt als in den anderen Gruppen (TotocillinÒ: GTR: 72,2%; EBE: 38,9%; TI: 1,8+1,1; LotagenÒ: GTR: 100,0%; EBE: 33,3%; TI: 1,7+0,5; Kontrollgruppe: GTR: 70,0%; EBE: 30,0%; TI: 1,7+ 0,8), wenn die Behandlung ab dem 42. Tag p.p. erfolgte. Eine deutliche Vergrößerung des Uterus (G IV-VI) hatte zwar einen signifikanten negativen Einfluß auf die klinische Heilung (Erstheilungsrate: 68,2% bei G I-III zu 44,4% bei G IV-VI), was sich aber nicht in allen Therapiegruppen gleichermaßen auf die Fertilitätsindices auswirkte. Die Therapie mit DinolyticÒ (Erstheilungsrate: 45,5%; GTR: 87,5%; Abgänge: 36,4%) und LotagenÒ (Erstheilungsrate: 50,0%; GTR: 88,8%; Abgänge: 33,3%) ergab gleichwertige Ergebnisse, während die Behandlung mit TotocillinÒ signifikant schlechter abschnitt (Erstheilungsrate: 33,3%; GTR: 0,0%; Abgänge: 100,0%), aber es ist zu berücksichtigen, daß die Anzahl der Tiere mit GIV-VI in dieser Gruppe zu gering war, um eine übertragbare Aussage zu machen. 4. Die Anwesenheit von Arcanobacterium pyogenes (A. pyogenes) führte sowohl zu einer signifikanten Verschlechterung der Heilungsaussichten (Erstheilungsrate 79,0% ohne Nachweis von A. pyogenes zu 31,5% mit A. pyogenes) als auch zu einer deutlich verminderten Fertilität (fruchtbarkeitsbedingte Abgänge 8,1% bei Tieren ohne Nachweis von A. pyogenes und 22,2% bei Tieren mit Nachweis von A. pyogenes), wobei sich auch hier Unterschiede zwischen den verschiedenen Therapiegruppen ergaben. Die Behandlung mit DinolyticÒ (EBE: 50,0%; TI: 1,5+0,7; Güstzeit (GZ): 117,8+42,0; Verzögerungszeit (VZ): 18,1+26,4) und LotagenÒ (EBE: 58,8%; TI: 1,3+0,5; GZ: 109,8+34,9; VZ: 10,0+18,6) führte wieder zu gleichwertigen Resultaten, während sich in der TotocillinÒ-Gruppe (EBE: 16,7%; TI: 2,7+1,2; GZ: 163,6+46,1; VZ: 58,8+45,5) eine wesentlich schlechtere Fruchtbarkeitssituation ergab, wenn A. pyogenes nachgewiesen wurde. 5. Der Nachweis unspezifischer Keime hatte keine bedeutenden Auswirkungen auf die klinische Heilung. Statistisch signifikante Unterschiede ergaben sich lediglich bei der Kontrollgruppe, die eine schlechtere Erstheilungsrate (56,5%) aufwies als die anderen Gruppen. Die Therapie mit LotagenÒ (EBE: 100,0%; TI: 1,0) erreichte die signifikant besten Fertilitätsindices bei den Tieren ohne Keimnachweis im Vergleich zu der TotocillinÒ-Gruppe (EBE: 25,0%; TI 2,3+1,2), der DinolyticÒ-Gruppe (EBE: 60,0%; TI: 1,8+1,1) und der Kontrollgruppe (EBE: 0,0%; TI: 2,0+0,0). Das Vorhandensein eines Corpus luteum zeigte wenig Einfluß auf die klinische Heilung und auch die Fertilitätsindices wiesen gruppenübergreifend keine entscheidenden Unterschiede auf. Innerhalb der Behandlungsgruppen hob sich die Therapie mit DinolyticÒ jedoch hinsichtlich des Erstbesamungserfolges deutlich ab (DinolyticÒ: EBE: 72,2%; LotagenÒ: EBE: 46,2%; TotocillinÒ: EBE: 7,1%; Kontrollgruppe: EBE: 30,0%). 6. Die multivariate Analyse der Einflußfaktoren ergab für den Nachweis von A. pyogenes und die „Nichtbehandlung“ einen statistisch signifikanten, unabhängigen, negativen Einfluß auf die Erstheilungsrate. Das Vorliegen von übelriechendem Vaginalsekret und die „Nichtbehandlung“ zeigten einen statistisch signifikanten, unabhängigen negativen Einfluß auf den Erstbesamungserfolg. Die Parameter Vorliegen von übelriechendem Vaginalsekret und zunehmender Abstand zur Kalbung wiesen einen statistisch signifikanten, unabhängigen Einfluß auf die Güstzeit auf.

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Tenhagen genannt Emming, Simone: Vergleich verschiedener Behandlungen der chronischen Endometritis des Rindes unter Berücksichtigung von Faktoren des Behandlungserfolges. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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