Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Experimentelle Untersuchungen zur Verbesserung der Effizienz der Ultraschallgeleiteten, transvaginalen Follikelpunktion bei präpuberalen Rindern durch intraovarielle Verabreichung von Gonadotropinen

Wieking, Michael

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, bei halbjährigen Kälbern die intraovarielle Injektion von FSH für die ultraschallgeleitete transvaginale Follikelpunktion (OPU) zu etablieren und damit die Effizienz von OPU zu verbessern. Da keine Erfahrungswerte für die intraovarielle Injektion von FSH vorliegen, sollte die minimal effektive Dosis ermittelt werden, die anschließend durch entsprechende Wiederholung von OPU und der i.o.-Injektion bestätigt werden sollte. Insgesamt wurden 59 Kälber in Gruppen von 4-10 Tieren über einen Zeitraum von sechs Wochen zweimal wöchentlich punktiert. Die gewonnenen Oozyten wurden morphologisch in 6 Qualitätskategorien eingeteilt. Die Oozyten der Klasse I-III wurden als IVP-tauglich eingestuft und in vitro gereift, fertilisiert und bis zum Stadium der Morula oder Blastozyste kultiviert. Bei einem Teil der gewonnenen Oozyten wurde der Durchmesser der Oozyten gemessen sowie die Reifungs- und Befruchtungsraten ermittelt. Bei Blastozysten und Morulae die aus Oozyten von FSH-stimulierten Kälbern stammten, wurde die Zellzahl bestimmt. Zwei der Embryonen wurden auf Empfängertiere übertragen. Folgende Ergebnisse wurden erarbeitet: 1. Nach rechtsseitiger intraovarieller Stimulation von FSH und einer Dosis, die über zwölf Punktionen konstant blieb, wurden mit 5,5 KOK und 3,3 KOK der Klasse I-III/Tier/Punktion signifikant (P<0,01) mehr Oozyten als in der Kontrollgruppe gewonnen, mit 1,4 KOK und 0,8 KOK der Klasse I-III/Tier/Punktion. Auch die Morula-Blastozysten-Rate war mit 7,5 % signifikant (p<0,05) höher als in der Kontrollgruppe mit 0 %. Linksseitig und rechtsseitig gewonnene Oozyten zeigten innerhalb der Gruppen bezüglich Oozytenausbeute und des Anteils der Morulae und Blastozysten keine signifikanten Unterschiede. Die Oozyten der jeweiligen Ovarien der FSH-Gruppe waren im Vergleich mit der Kontrollgruppe bezüglich der Oozytenausbeute und Oozytenqualität signifikant (P<0,01) besser. 2. Nach rechtsseitiger intraovarieller Stimulation von FSH und einer Verdopplung der Dosis nach sechs Punktionen wurden mit 3,8 KOK signifikant (p<0,05) weniger Oozyten gewonnen als in der Kontrollgruppe mit 5,5 KOK. Der Anteil der Morulae und Blastozysten war mit 7,2 % bei der FSH-Gruppe signifikant (p<0,01) höher als in der Kontrollgruppe mit 0 %. Linksseitig und rechtsseitig gewonnene Oozyten zeigten innerhalb der Gruppen bezüglich Oozytenausbeute sowie des Anteils der Morulae und Blastozysten keine signifikanten Unterschiede. 3. Nach einer beidseitigen intraovariellen Stimulation mit höherer FSH-Dosis, die nach sechs Punktionen erhöht wurde, gab es zwischen FSH-Gruppe und Kontrollgruppe keinen statistischen Unterschied. 4. Nach beidseitiger intraovarieller Stimulation mit einer FSH-Dosis, die nur geringfügig nach sechs Punktionen erhöht wurde, wurden mit 2,8 KOK und 1,7 KOK der Klasse I-III/Tier/Punktion signifikant (p<0,01) mehr Oozyten als in der Kontrollgruppe mit 1,9 KOK insgesamt und 1,1 KOK der Klasse I-III/Tier/Punktion gewonnen. Auch der Anteil der Morulae und Blastozysten war mit 4,0 % signifikant (p<0,05) höher als in der Kontrollgruppe mit 0 %. 5. Nach beidseitiger intraovariellen Stimulation mit einer FSH-Dosierung von 1,25 mg und einer Verdopplung der Dosierung nach sechs Punktionen, wurden mit 6,5 KOK und 3,4 KOK der Klasse I-III/Tier/Punktion signifikant (p< 0,01) mehr Oozyten als in der Kontrollgruppe mit 3,6 KOK und 2,0 KOK der Klasse I-III/Tier/Punktion gewonnen. 6. Bei der Bestimmung der Reifungsrate erreichten 67,0 % der Oozyten der FSH-stimulierten und 60,2 % der Oozyten der Kontrolltiere das Stadium der Metaphase II. 7. Die Fertilisationsrate betrug 52,7 % für die Oozyten der FSH-stimulierten Kälber und 55,6 % für die Oozyten der unstimulierte Tieren. Die Polyspermie-Rate der Oozyten der FSH-stimulierten Tiere war mit 37,9 % signifikant (p<0,05) höher als für die Oozyten der Kontrolltiere mit 20,0 %. 8. Der Durchmesser der Oozyten aus den FSH-stimulierten Kälbern betrug 117,2 µm und bei den Oozyten der Kontrolltiere116,7 µm. 9. Bei einigen Morulae und Blastozysten, die aus Oozyten FSH-stimulierter Kälber entwickelt wurden, wurde die mittlere Zellzahl ermittelt. Die mittlere Zellzahl betrug bei den Morulae 71,3 ± 19,8 und bei den Blastozysten 78,8 ± 16,4. 10. Es wurden zwei Embryonen übertragen, die beide aus FSH-stimulierten Spendern stammten. Daraus resultierte eine Trächtigkeit, aus der ein gesundes Bullenkalb von 45 kg, das auf natürlichem Wege geboren wurde. 11. Alle Tiere wurden frühestens drei Monate nach der Punktion einer rektalen und vaginoskopischen Untersuchung unterzogen. Hierbei wurden nur vereinzelt palpatorisch pathologische Befunde festgestellt, die bei einer Ultraschall-Untersuchung nicht bestätigt werden konnten. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass bei einer beidseitigen intraovariellen Injektion mit einer FSH-Dosis von 1,25 mg, die nach sechs Punktionen auf 2,5 mg verdoppelt wird, Anzahl und Qualität der Oozyten im Vergleich zu unstimulierten Tieren gesteigert werden kann. Es können mit dieser Methode Kälber produziert werden. Gesundheitliche Schäden durch wiederholte rektale Palpation; i.o.-Injektion und Punktion sind selten. Für den routinemäßigen Einsatz in der Praxis müßte die Anzahl transferfähiger Embryonen allerdings erheblich gesteigert werden.

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Wieking, Michael: Experimentelle Untersuchungen zur Verbesserung der Effizienz der Ultraschallgeleiteten, transvaginalen Follikelpunktion bei präpuberalen Rindern durch intraovarielle Verabreichung von Gonadotropinen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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