Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Wirksamkeit und Verträglichkeit einer parenteralen Ernährung und einer frühzeitigen enteralen Ernährung bei der Parvovirose des Hundes

Will, Kerstin Karen

Ziel dieser Arbeit war, die Wirkung einer parenteralen Ernährung sowie einer frühzeitigen enteralen Ernährung auf den klinischen Verlauf der caninen Parvovirose vergleichend zu untersuchen. In die Untersuchung gingen Hunde (n = 19) mit Parvovirose im Alter von 2 bis 12 Monaten ein, die als Patienten der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Zeitraum vom Juni 1999 bis Februar 2001 stationär aufgenommen worden waren. Zur Auswertung wurden ausschließlich Patienten herangezogen, die folgende Voraussetzungen erfüllten: 1. hämorrhagische Gastroenteritis (Vomitus und blutige Diarrhoe) und beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, 2. Alter < 12 Monate und 3. Leukopenie (< 6 x 10 9 /l). Die Hunde wurden 2 Gruppen zugeteilt: die Gruppe PE (n = 9) wurde während 4 Tagen parenteral ernährt, Gruppe EE (n = 10) erhielt zusätzlich ab dem 2. Infusionstag eine hochverdauliche hydrolysierte Diät, die oral verabreicht wurde. Um Informationen über den Einfluss einer enteralen und einer parenteralen Ernährung (mit und ohne Zusatz von Glutamin) auf die Immunfunktionen zu erhalten, wurden Plasmakonzentrationen von Immunglobulin A und G bestimmt. Wegen der relativ kleinen Zahl der Patienten der Gruppen EE und PE wurde zu-sätzlich auf Plasmaproben von 3 Patientengruppen (n = 28) aus einer früheren Studie zurück-gegriffen, die nach ähnlichem Prinzip aufgebaut worden war, allerdings in deutlichem zeitlichen Abstand zu der eigenen Arbeit durchgeführt wurde (FARLOPULOS 2000). Diese Patientengruppen waren Gruppe HG P (parenterale Ernährung), Gruppe HG PG (parenterale Ernährung + Glutamin) und Gruppe HG K (Kontrollgruppe). Die Infusionslösung zur parenteralen Ernährung (PE) bestand aus Aminosäuren (Aminosteril® KE 10 % kohlenhydratfrei: 49,8 ml/kg KM 0,75 x Tag ), Lipiden (Lipovenös® 20 %: 12,5 ml/kg KM 0,75 x Tag), Kohlenhydraten und Elektrolyten (Glucosteril® 50 %: 35 ml/kg KM 0,75 x Tag und Jonosteril® D5: 22,1 ml/kg KM 0,75 x Tag). Alle Lösungen wurden von der Fresenius AG (Bad Homburg v.d.H.) bezogen. Die enthaltene Glukose lieferte zwei Drittel der Gesamtenergie. Täglich wurden 0,5 MJ/kg KM 0,75 metabolisierbare Energie zugeführt und 5 g Aminosäuren /kg KM 0,75 . Die Gruppe EE erhielt über die hydrolisierte enterale Nahrung am zweiten Tag zusätzlich durchschnittlich 74 kJ/kg KM 0,75 und an den darauffolgenden Tagen des Infusionsintervalls durchschnittlich 148 kJ/kg KM 0,75 umsetzbare Energie. Durch den Zusatz von Pankreatin® wurde eine Vorverdauung der Proteine (Speisequark) und Fette (Speiseöl, Eigelb) eingeleitet. Täglich wurde dreimalig Blut zu den Stunden 0, 6 und 10 während des zehnstündigen Infusi-onsintervalls entnommen um die nachfolgend genannten diagnostischen Untersuchungen durchzuführen. Ein Blutbild wurde vor Infusionsbeginn (Stunde 0) angefertigt. Glukose, Triglyzeride, Elektrolyte und der Säuren-Basen-Status wurden täglich zu den Stunden 0, 6 und 10 ermittelt. Messungen von Fibrinogen, Gesamtprotein, Albumin, Leberenzymen, Gesamtbilirubin, Cholesterin, Harnstoff und Kreatinin im Blutplasma fanden täglich zu den Stunden 0 und 6 statt. An Tag 1 und 3 der Infusion wurden Plasmakonzentrationsbestimmungen von Immunglobulin A und G mittels ELISA durchgeführt. Die quantitative Bestimmung des fäkalen caninen a1-Protease Inhibitors mittels ELISA im Abstand von 2 Tagen diente dem Nachweis des intestinalen Proteinverlusts. Ein Xyloseabsorptionstest wurde zur Beurteilung der intestinalen Kohlenhydratabsorption am 5. Tag durchgeführt. Nach Beendigung der Infusion erfolgte eine mikrobiologische Untersuchung des Zentralvenenkatheters in den Gruppen EE und PE. Die Mortalität betrug 0 % (0/10) in der Gruppe EE und 22 % (2/9) in der Gruppe PE. Hä-matologische und klinisch-chemische Untersuchungen zeigten Anämie, Hyperfibrinogenämie, Hypoproteinämie, Hypalbuminämie, Azidose, Hyperglykämie, Hypokaliämie und Hyponatriämie. Vereinzelt wurden Bilirubinämie, eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase und Urämie beobachtet. Die Konzentrationen des Immunglobulin A und G waren an Tag 1 und 3 der Infusion in allen 5 Patientengruppen (Gruppen EE, PE, HG P, HG PG und HG K) niedriger als in der Kontrollgruppe (Gruppe K1). Die Xyloseabsorption war in den Gruppen EE und PE am 5. Tag nach Behandlungsbeginn gegenüber den Werten gleichaltriger klinisch gesunder Hunde (Gruppe R) reduziert. Der Referenzwert des caninen a1-Protease Inhibitors von 5,6 µg/g Kot wurde ausnahms-los bei allen Patienten der Gruppen EE und PE zu jedem Messzeitpunkt überschritten. Bei ca. 1/3 der Patienten der Gruppe EE und 2/3 der Gruppe PE wurde eine bakterielle Kontamination des Zentralvenenkatheters nachgewiesen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Ernährung von Intensivpatienten mit einer caninen Parvovirose auch bei relativ kurzer Applikationsdauer von 10 Stunden durch eine parenterale Infusion vorgenommen werden kann. Die zusätzliche frühzeitige enterale Zufuhr einer hochverdaulichen hydrolisierten Diät war nicht mit offensichtlichen Vorteilen verbunden, die kleine Patientenzahl erfordert jedoch eine vorsichtige Interpretation der Ergebnisse.

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Will, Kerstin Karen: Wirksamkeit und Verträglichkeit einer parenteralen Ernährung und einer frühzeitigen enteralen Ernährung bei der Parvovirose des Hundes. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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