Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur unchirurgischen und chirurgischen distalen intrauterinen Besamung mit reduzierter Spermienzahl bei Jung- und Altsauen

Wolken, Andrea

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, bei einer chirurgischen und unchirurgischen Besamung im distalen Bereich der Uterushörner des Schweines die Auswirkungen ausgewählter Spermadosierungen auf das Befruchtungsergebnis zu untersuchen. Desweiteren sollte der Einfluß einer Konzentrationserhöhung durch eine Verringerung des Volumens berücksichtigt werden. Im weiteren Verlauf wurde die Tauglichkeit eines speziell entwickelten Besamungskatheters mit unterschiedlichen niedrigen Spermienmengen und deren Einfluß auf Trächtigkeitsraten und Wurfgrößen untersucht. In Versuchsabschnitt I wurden 46 hormonell stimulierte präpuberale Jungsauen 32 Stunden nach hCG-Gabe mit folgenden Spermiendosierungen operativ belegt: 1x107, 5x107, und 1x108 Spermatozoen in je 0,5 ml AndrohepÔ-Verdünner und 1x107, 5x107 und 1x108 motile Spermatozoen in je 10 ml Verdünner und 1x108 motile Spermatozoen in 50 ml Verdünner pro Uterushorn. Die Insemination erfolgte bei 16 Sauen mittels Laparotomie und bei 30 Tieren durch eine Laparoskopie ca. 10 cm kranial der Bifurcatio uteri. Durch Beurteilung des Funktionszustandes der Ovarien während der Operation konnte festgehalten werden, ob die Besamung vor, während oder nach der Ovulation stattgefunden hat. 48 Stunden nach der operativen Besamung erfolgte nach Tötung der Tiere die Spülung der Uteri und Eileiter zur Rückgewinnung von Embryonen sowie der ungeteilten und degenerierten Stadien. Der Befruchtungserfolg wurde anhand der Anzahl normal entwickelter Embryonen ermittelt. Es wurden folgende Ergebnisse erzielt: 1. Die Teilungssraten der unterschiedlichen Spermiendosierungsgruppen unterschieden sich nicht signifikant voneinander (70,8 %; 63,7 %; 81,0 %; 41,1 %; 61,2 %; 42,3 %; 31,9 %). 2. Bei Insemination von 1x107, 5x107 und 1x108 Spermatozoen pro Uterushorn lag die Teilungsrate bei dem kleineren verwendeten Volumen nicht höher als bei einem Volumen von 10 ml. Somit konnte keine Steigerung der Befruchtungsrate durch eine Reduktion des Volumens erzielt werden. Im II. Versuchsabschnitt wurden durch chirurgische Besamungen von 18 präpuberalen Jungsauen unterschiedliche Lokalisationen des Uterus auf ihre Tauglichkeit als Besamungsort überprüft. Der Zyklus dieser Tiere wurde hormonell induziert. Es wurden 1x108 Spermien in 20 ml AndrohepÔ-Verdünner in ein Uterushorn, 5x107 motile Spermatozoen in 10 ml Verdünner pro Uterushorn beidseitig und bei der dritten Gruppe 1x108 Spermien in 20 ml in das Corpus uteri inseminiert. Die genaue Lokalisation der Besamung im Uterushorn war identisch zu den vorangegangenen chirurgischen Versuchen. Die Tötung der Tiere erfolgte 48 Stunden nach der chirurgischen Insemination. Nach Rückspülung aus dem Genitaltrakt wurden die Embryonen auf ihr Entwicklungsstadium untersucht. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: 1. Es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Befruchtungsraten der einzelnen Gruppen in Bezug auf den Ort der Samendeponierung festgestellt werden. 2. Hinsichtlich der Teilungsraten konnten im Vergleich des ypsi- und kontralateralen Uterushornes weder innerhalb der Gruppen noch zwischen den einzelnen Gruppen signifikante Unterschiede festgestellt werden. Es erfolgte die Befruchtung der Oozyten beider Ovarien und eine gleichmäßige Verteilung der Embryonen unabhängig von der Lokalisation der Inseminatdeponierung. Der III. Versuchsabschnitt stellte Vorversuche für den nachfolgenden Feldversuch dar. Es wurde die Tauglichkeit eines Besamungskatheters geprüft, der auf unchirurgischem Wege intrauterine Besamungen in distale Uterusabschnitte ermöglicht. Untersucht wurde die Frage, ob bei der einmaligen Insemination von 1x108 Spermatozoen in 5, 10 oder 50 ml AndrohepÔ-Verdünner ausreichend hohe Trächtigkeits-, Abferkelraten und Wurfgrößen erreicht werden können. Für diesen Versuchsabschnitt standen 28 Altsauen, die bereits zwei bis elf vorausgegangenene Trächtigkeiten hatten, nach dem Absetzen zur Verfügung. Die Tiere wurden 24 bis 32 Stunden nach Rauschebeginn besamt. Der Ovulationszeitpunkt wurde vor, während und nach der Besamung in 24stündigem Abstand transkutan mittels Ultraschalluntersuchung überprüft. Tragende Tiere konnten austragen und ferkelten ab. Es wurden folgende Ergebnisse ermittelt: 1. Die ermittelten Trächtigkeits- und Abferkelraten der unchirurgisch besamten Altsauen unterschieden sich weder signifikant zwischen den einzelnen Gruppen (37,5 %, 50 %; 50 %) noch gegenüber dem Stalldurchschnitt der zur gleichen Zeit mit der üblichen Spermiendosierung zweimalig besamten Tiere der gleichen Altersgruppe (87,1 %). 2. Bei der durchschnittlichen Anzahl der gesamt-, lebend- und totgeborenen Ferkel konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Spermiendosierungsgruppen festgestellt werden. Die Anzahl der lebendgeborenen Ferkel (8,0) lag bei einer Spermienmenge von 1x108 in 10 ml signifikant unter der Ferkelanzahl im Stalldurchschnitt (10,8) mit zweimaligem Besamungsschema. Für den IV. Versuchsabschnitt standen 113 spontan ovulierende Sauen nach dem Absetzen zur Verfügung, von denen 93 besamt wurden. Bei den Tieren wurde zweimal täglich in zwölfstündigem Abstand vom Tag des Absetzens an eine Rauschekontrolle durchgeführt. Es wurde angestrebt, die Sauen in einem Abstand von 24 bis 32 Stunden nach der Duldung unchirurgisch intrauterin mit einer Spermienmenge von 5x108, 1x108 in 20 ml und 1x108 in 10 ml BTSÔ-Verdünner zu besamen. Der Ovulationszeitpunkt wurde mittels Ultraschalluntersuchung tagsüber in sechsstündigem Abstand, nachts in zwölfstündigem Abstand überprüft. Ab dem 18. Tag nach der Besamung fand eine Kontrolle auf Umrauscher durch einen Sucheber statt. Untersuchungen auf eine eventuell bestehende Trächtigkeit wurden mittels Ultraschalluntersuchung am 21., 23. und 28. Tag durchgeführt. Alle Sauen wurden zwischen dem 28. und 35. Tag nach der Besamung geschlachtet und der Uterus auf potentielle Föten hin untersucht. Folgende Ergebnisse wurden ermittelt: 1. Die frühen Trächtigkeitsraten (Tag 23) unterschieden sich nicht signifikant zwischen den einzelnen Spermiendosierungsgruppen. Die Trächtigkeitsraten am Tag der Schlachtung lagen bei einer Spermienzahl von 5x108 (72,7 %) signifikant über den Trächtigkeitsraten der Gruppen mit 1x108 (60,9 %; 53,9 %) insemierten Spermatozoen. Bei den Gruppen mit 1x108 Spermien lag die Trächtigkeitsrate mit dem größeren Volumen signifikant über der Gruppe mit dem geringeren Volumen. Bei den im gleichen Zeitraum herkömmlich besamten multiparen Sauen lag die Trächtigkeitsrate mit 95,1 % über den im Versuch erzielten Ergebnissen, ein signifikanter Unterschied konnte nicht festgestellt werden. 2. Die Anzahl der Föten am Tag der Schlachtung unterschied sich weder innerhalb der unchirurgisch besamten Gruppen noch gegenüber der mittleren Anzahl der durchschnittlichen gesamt-geborenen Ferkel der vorausgegangenen Würfe der jeweils selben Sauen und der Wurfgröße der aus der letzten vor dem Versuch stattgefundenen Abferkelung. 3. Das optimale Besamungsintervall einer unchirugischen intrauterinen Besamung lag bei den in der vorliegenden Arbeit durchgeführten Versuchen mit den verwendeten Spermiendosierungen zwischen 30 und 12 Stunden vor der Ovulation. Es konnte in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, daß bei einer intrauterinen Besamung in distale Uterusabschnitte mit reduzierter Spermienzahl gute Befruchtungsergebnisse erzielt werden können. Zur Durchführung einer unchirurgischen intrauterinen Besamung konnte ein Besamungskatheter mit speziell entwickelter Spitze erfolgreich eingesetzt werden.

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Wolken, Andrea: Untersuchungen zur unchirurgischen und chirurgischen distalen intrauterinen Besamung mit reduzierter Spermienzahl bei Jung- und Altsauen. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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