Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Expression muriner NK-Zellrezeptoren nach allogener Knochenmarktransplantation

Wilk, Esther

NK-Zellen sind große granuläre Lymphozyten mit der Fähigkeit, Zielzellen ohne vorherige Sensibilisierung zu lysieren. Sie erkennen Zellen, die ihre normale MHC-I-Expression verloren haben wie z.B. Virus-infizierte oder Tumorzellen. Das Erkennen normaler und veränderter MHC-I Expression durch MHC-I spezifische Rezeptoren befähigt die NK-Zellen zwischen ‘selbst’ und ‘nicht-selbst’ zu differenzieren. Innerhalb dieser Studie haben wir die Verteilung verschiedener MHC-I spezifischer NK-Zellrezeptoren der Ly49-Familie im Modell der murinen allogenen Knochenmarktransplantation untersucht. Es wurden Mäuse der Linien C57Bl/6 und BALB/c eingesetzt. Nach dem Transfer des Knochenmarks von der einen Mauslinie in die andere wurde die Entwicklung der Ly49-Expression auf NK-Zellen des Donortyps im allogenen Empfänger im Vergleich zu syngenen Kontrollen untersucht. Die Ly49-Expression wurde auf peripheren Blutlymphozyten mittels Durchflußzytometrie hinsichtlich der Häufigkeit und Dichte der Expression ermittelt. Zusätzlich wurde die Ly49-Expression auf T- und NKT-Zellen analysiert. Funktionell wurden die NK-Zellen im Zytotoxizitätsassay getestet. Die Expression aktivierender und inhibierender Ly49 Rezeptoren war nach allogener Knochenmarktransplantation im neuen Wirt nach einem Zeitraum von 2 Monaten signifikant verändert. Die Größe der Ly49+ Subpopulation war ebenso von den Veränderungen betroffen wie die Dichte der Rezeptorexpression. Diese Veränderungen scheinen von dem Vorhandensein eines passenden Liganden im allogenen Empfänger abzuhängen. Der Kontakt zu einem neuen korrespondierendem Liganden nach Transplantation resultierte in einer Reduktion der Expression. Der Verlust eines entsprechenden Liganden dagegen führte zur Hochregulation des jeweiligen Rezeptors. Die Anzahl und Dichte der Ly49 Rezeptoren scheint also direkt mit der Anwesenheit des passenden Antigens zu korrelieren. Langzeitstudien bestätigten, daß die Veränderungen der Expression innerhalb der ersten zwei Monate für den Rest des Lebens der Mäuse stabil bleibt. Demnach sind NK-Zellen in der Lage, ihre Rezeptorexpression nach einer allogenen Knochenmarktransplantation innerhalb von zwei Monaten zu ändern und dem neuen Environment entsprechend der MHC-I Expression anzupassen. Äquivalente Ergebnisse wurden bei der Untersuchung der Ly49-Expression auf T- und NKT-Zellen erhalten. Um die funktionelle Bedeutung der veränderten Ly49-Expression in allogenen Chimären zu analysieren, wurden die NK-Zellen im Zytotoxizitätstest eingesetzt. Es konnten keine Unterschiede in der Fähigkeit unspezifische Zielzellen zu lysieren zwischen syngen und allogen transplantierten Mäusen gefunden werden. Nach einem Zeitraum von zwei Monaten mit reduzierter Zytotoxizität zeigte sich Toleranz gegen Zellen vom Empfängertyp. Diese Toleranz scheint wesentlich vom aktivierenden Rezeptor Ly49 D abzuhängen. Wir vermuten aufgrund dieser Daten, daß NK-Zellen durch ihre Fähigkeit, die Rezeptorexpression nach allogener Knochenmarktransplantation an einen neuen Wirt anzupassen, Toleranz entwickeln und auch wieder ihre physiologischen Funktionen übernehmen können.

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Wilk, Esther: Expression muriner NK-Zellrezeptoren nach allogener Knochenmarktransplantation. Hannover 2001. Tierärztliche Hochschule.

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