Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Analyse der Zusammenhänge zwischen der Entwicklung von Körper- und Klauenmerkmalen sowie der Druckverteilung unter den Klauen bei Jungrindern der Rassen Deutsche Holsteins und Deutsches Braunvieh

Alsleben, Birgit

Das Ziel dieser Untersuchung bestand darin, grundlegende Informationen über Zusammenhänge und Proportionalität zwischen der Entwicklung von Körperform, Körpergewicht, Klauenform und Klauenhorneigenschaften sowie der Druckverteilung unter den Klauen bei wachsenden Rindern zweier Rassen zu erhalten. Dafür wurden über einen Zeitraum vom 2. bis zum 24. Lebensmonat bei insgesamt 32 weiblichen Rindern der Rassen Deutsche Holsteins (DH) und Deutsches Braunvieh (DBV) an zwei unterschiedlichen Standorten in Abständen von vier bis sieben Wochen Daten zur Körper- und Klauen­entwicklung erhoben. Neben dem Körpergewicht wurden Körpermerkmale und an den Klauen der rechten Vorder- und linken Hintergliedmaße Klauenformmerkmale sowie Klauenhorneigenschaften erfasst. Die punktuelle Druckverteilung unter den Klauen wurde mittels einer elektronischen Messanlage nach dem kapazitiven Prinzip ermittelt. Die Messwerte der Druckverteilung an den Fußungsflächen der medialen und lateralen Klauen wurden für die Auswertung jeweils in einen vorderen und einen hinteren Abschnitt untergliedert. Des Weiteren wurden an den axialen Abschnitten der Klauen vier Zentralzonen unterschieden. Für die Klauen sowie ihre Teilbereiche wurden die absolute und relative Gewichtslast und Fußungsfläche, der mittlere Druck und die Verteilung der verschiedenen Drücke bestimmt. In dieser Arbeit erfolgte in univariaten Analysen eine altersabhängige Auswertung der Entwicklung der Körpermerkmale und der Druckverteilung unter den Klauen sowie der Zusammenhänge zwischen allen untersuchten Merkmalen. Die Ergebnisse für die Entwicklung der Klauenform und der Klauenhorneigenschaften wurden bereits in der Arbeit von Russke (2001) dargestellt. Die Körpermerkmale wiesen während des Untersuchungszeitraumes besonders in den ersten 250 bis 300 Lebenstagen ein verstärktes Wachstum auf. Dieses war bei der Mittelhandlänge, der Körpertiefe, der Hüftbreite und dem Abstand der Großen Umdreher sowie der Widerrist- und Kreuzhöhe am stärksten ausgeprägt. Die DH hatten gegen Ende des zweiten Lebensjahres ein deutlich höheres Körpergewicht sowie eine größere Widerristhöhe, Körpertiefe, Beckenbreite und einen größeren Brustumfang als das DBV. Das DBV zeigte dagegen signifikant größere Röhr- und Fesselbeinumfänge. Das Körpergewicht wies nur vereinzelte niedrige Residualkorrelationen mit den Klauenformmerkmalen auf. Zwischen den Körpermerkmalen und den Klauenformmerkmalen Dorsalwand- und Diagonalenlänge bestanden dagegen signifikante niedrige bis mittlere Residualkorrelationen. Der mittlere Druck an der Fußungsfläche der Klauen zeigte lediglich in Einzelfällen signifikante Residualkorrelationen mit den Körpermerkmalen und erwies sich mit den Klauenformmerkmalen als ausnahmslos niedrig korreliert. Zwischen Gewichtslast und Fußungsfläche innerhalb derselben Teilflächen der Klauen bestanden dagegen hohe Residualkorrelationen. Bei der Druckverteilung unter den Klauen konnten zum Teil deutliche Rasse- und Standortunterschiede festgestellt werden. Die Tiere, die vorwiegend auf Spaltenboden aufgestallt waren, wiesen signifikant größere Fußungsflächen der Klauen und Zonen auf, als jene, die im Laufstall mit Stroheinstreu bzw. auf der Weide gehalten wurden. In der prozentualen Verteilung von Gewichtslast und Fußungsfläche bestanden signifikante Rasseunterschiede. Im Kälberalter wiesen die Tiere an den medialen Klauen von Vorder- und Hintergliedmaße eine deutlich größere prozentuale Gewichtslast und Fußungsfläche bei der Messung der punktuellen Druckverteilung auf als an den lateralen Klauen. Diese ungleiche Verteilung scheint physiologisch zu sein. Im Alter von zwei Jahren waren bei den Rindern die Belastungs- und Flächenverhältnisse unter der medialen und lateralen Klaue an der Hintergliedmaße relativ ausgeglichen, an der Vordergliedmaße hatten sie sich sogar weitgehend umgekehrt. Die Fußungsflächen der Klauen passten sich tendenziell dem auf ihnen lastenden Gewicht an. Meist fielen die altersbedingten Veränderungen der prozentualen Fußungsfläche jedoch geringer aus als die des prozentualen Gewichts. Innerhalb der Teilflächen der Klauen traten die stärksten Veränderungen von Gewichtslast und Fußungsfläche in den hinteren Sektoren auf. In den ersten beiden Lebensjahren sanken die prozentualen Gewichts- und Flächenanteile im Sektor hinten medial während sie im Sektor hinten lateral anstiegen. Der mittlere Druck unter der Fußungsfläche nahm in den hinteren Sektoren am stärksten zu. Die Fähigkeit der Fußungsfläche, sich an die sich mit dem Alter ändernden Belastungsverhältnisse anzupassen, war in den hinteren Sektoren demnach schlechter ausgeprägt als in den vorderen Sektoren. Eine um den 500. Tag durchgeführte Klauenpflege bewirkte in der vorliegenden Untersuchung besonders an den Klauen der Hintergliedmaße einen signifikanten Anstieg der Fußungsfläche. In den Zentralzonen wurde die Fußungsfläche durch das Ausschneiden der Hohlkehlung dagegen kleiner. Der mittlere Druck sank durch die Klauenpflege teilweise signifikant. Bei der prozentualen Verteilung der Drücke nahmen die niedrigsten Drücke mit zunehmendem Alter stark ab, die höchsten Drücke stiegen dagegen überproportional an. Die laterale Klaue der Hintergliedmaße, die in der Literatur als die am häufigsten erkrankte Klaue beschrieben wird, wies im Vergleich mit den anderen Klauen während der gesamten Zeit den niedrigsten Anteil an hohen Drücken auf. Da auch der mittlere Druck bei dieser Klaue durchschnittlich niedriger war als bei den anderen Klauen, zeigen diese Ergebnisse, dass, zumindest in den ersten beiden Lebensjahren, nicht die Anzahl hoher Drücke oder deren absolute Höhe, sondern vor allem die starken Steigerungen des mittleren Drucks im hinteren Bereich dieser Klaue, möglicherweise kombiniert mit einer besonders hohen Empfindlichkeit des Gewebes und mangelnder Anpassungsfähigkeit an wechselnde Druckverhältnisse, ausschlaggebend für das häufige Entstehen von Erkrankungen sind. Die Entwicklung von Skelett- und Klauenwachstum verlief während der ersten zwei Lebensjahre weitgehend proportional. Das Körpergewicht stieg dagegen im Verhältnis zum Wachstum des Klauenhornschuhs überproportional an. Ab einem Alter von etwa 550 Tagen bzw. einem Körpergewicht von ca. 450 kg nahm die Fußungsfläche unter den Klauen im Gegensatz zum Körpergewicht und der Gewichtslast auf den Klauen jedoch nur mehr geringfügig oder gar nicht mehr zu. Ab diesem Zeitpunkt konnte ein verstärkter Anstieg des mittleren Drucks im Verhältnis zum Körpergewicht festgestellt werden. Möglicherweise tritt ab diesem Alter ein kritischer Zustand an den Klauen ein, der sie empfänglich für das Auftreten von druckassoziierten Erkrankungen macht. Es erscheint somit auch spätestens ab diesem Alter ratsam eine regelmäßige Klauenpflege und Gesundheitskontrolle der Klauen durchzuführen.

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Alsleben, Birgit: Analyse der Zusammenhänge zwischen der Entwicklung von Körper- und Klauenmerkmalen sowie der Druckverteilung unter den Klauen bei Jungrindern der Rassen Deutsche Holsteins und Deutsches Braunvieh. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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