Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur intrauterinen Geschlechtsfeststellung bei Feten kleiner Wiederkäuer mittels Ultrasonographie

Bürstel, Daniela-Miriam

Whereas ultrasonographic sex determination in large farm animals has gained a considerable importance in prenatal diagnostics, this technique is mainly of scientific interest in small ruminants. The aims of these studies were, on the one hand, to examine fetal genitalia for their sex specific distinctions and, on the other hand to determine the optimal investigation period. Furthermore it had to be investigated, whether multiplet pregnancies, occuring regularly in small ruminants, allow a reliable determination of all fetuses in the uterus and to test this in a practical study under field conditions. In preliminary studies 8 uteri from slaughtered ewes were examined to find the earliest investigation point for ultrasonographic sex determination. Under experimental conditions 24 ewes and 17 does were examined daily, transrectally and transabdominally, during a period running from day 50 to day 75 of pregnancy using a 5-MHz-linear transducer. To test practical relevance, single ultrasonic investigations were made in 60 ewes and 4 does of 6 small herd book breeding farms. On another farm 9 ewes were examined twice during the optimal investigation period. The following results could be observed: 1.      While transrectal ultrasonic sex diagnosis was performed without any sucsess transabdominal examinations allowed diagnosis in 92 % of the cases in both species and proved to be correct in 86 % of all cases for ewes and in 92 % of all cases for does. Diagnostic precision decreases with an increasing number of fetuses (e.g. singleton pregnancies in ewes 88 % vs. triplets 83 %), more than three embryos or fetuses can hardly be seized. Furthermore, it was found out, that for both species the precision of diagnosis decreases between day 58 and day 64 of pregnancy, which can be explained by the embryonic development from the genital tubercle as a forerunner of fetal sex to the male or female genital organs. Statistically, the subjectively higher representability of male genitalia could not be confirmed. In preliminary tests, day 40 of gestation was found to be the earliest possible point in time for representing a sex difference in fetuses from slaughtered ewes scanned in water bath. In our studies in vivo, a sex differentiation could only be done regularly from day 50. Under field conditions a complete and correct diagnosis with a single investigation could be carried out in 64 per cent of the cases. Overlooked multiple pregnancies were an important source of error. The 9 ewes examined twice during the optimal invesatigation period led to a better global result (78 %). In the present investigation it was demonstrated for the first time, that ultrasonographical sex determination in small ruminants can be performed with good results also in the case of multiplet pregnancies. Frequently however, one single examination is not sufficient. Two ultrasonographies should be carried out during the indicated period of gestation (D 50 - 58 and D 65 - 70 of pregnancy), a prior counting of fetuses (D 30 of pregnancy) being an advantage.  

Während die ultrasonographische Geschlechtsfeststellung bei Rind und Pferd schon einen hohen Stellenwert in der pränatalen Diagnostik gewonnen hat, ist sie bei den kleinen Wiederkäuern überwiegend von Interesse für experimentelle Fragestellungen, bei denen eine frühzeitige Diagnose des Geschlechts erforderlich ist. Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand zum einen in der Untersuchung des fetalen Genitales auf geschlechtsspezifische Unterscheidungsmerkmale und in der Bestimmung eines optimalen Untersuchungszeitraumes zur ultrasonographischen Geschlechtsfeststellung. Des weiteren sollte analysiert werden, ob die bei kleinen Wiederkäuern regelmäßig auftretenden Mehrlingsgraviditäten eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung aller im Uterus befindlichen Früchte zulassen. Neben diesen unter experimentellen Bedingungen durchgeführten Versuchen erfolgte zusätzlich eine Überprüfung der Methodik unter Praxisbedingungen. Unter experimentellen Bedingungen wurden zunächst 8 Uteri von Schlachtschafen zur Ermittlung des frühesten Untersuchungszeitpunktes ultrasonographisch untersucht. Des weiteren erfolgte eine tägliche bzw. zweitägige transrektale bzw. transabdominale ultrasonographische Untersuchung von 24 Schafen und 17 Ziegen zwischen dem 50. und 75. Tag der Gravidität mit einem 5-MHz-Linearschallkopf zur Bestimmung des Geschlechts der Feten. Für die Untersuchungen unter Feldbedingungen standen 60 Schafe und 4 Ziegen aus 6 Zuchtbetriebeneinmaligen Untersuchung zur Verfügung. In einem weiteren Betrieb wurden 9 Schafe zweimalig innerhalb des ermittelten optimalen Zeitraumes untersucht. Folgende Ergebnisse konnten erarbeitet werden: 1.      Es wurde festgestellt, dass eine transrektale Ultraschalluntersuchung in keinem Fall zu einer Geschlechtsdiagnose führte. Mit der transabdominellen Untersuchung konnte bei den Schafen in 92 % der Fälle eine Diagnose gestellt werden, welche sich zu 86 % als korrekt erwies. Bei Ziegen traf dies in jeweils 92 % der Fälle zu. Die Diagnosegenauigkeit sinkt mit steigender Anzahl an Früchten (z.B. Einlinge Schaf: 88 % korrekte Diagnosen vs. Drillinge Schaf: 83 % korrekte Diagnosen), mehr als drei Embryonen bzw. Feten sind meist nicht zu erfassen. Es konnte ermittelt werden, dass bei beiden Spezies zwischen dem 58. - 64. Tag der Gravidität die Diagnosegenauigkeit absinkt, was mit der embryonalen Entwicklung der Geschlechtsorgane aus dem Genitaltuberkel uund den damit verbundenen Umwandlungsprozessen zu erklären war. Die subjektiv empfundene bessere Darstellbarkeit der männlichen Genitalien konnte statistisch nicht bestätigt werden. In Vorversuchen wurde der 40. Trächtigkeitstag als frühest möglicher Zeitpunkt zur Darstellung eines Geschlechtsunterschiedes an Feten aus Schlachthoforganen im Wasserbad herausgefunden. In vivo konnte bei den hier durchgeführten Untersuchungen erst ab dem 50. Tag regelmäßig eine Geschlechtsdifferenzierung vorgenommen werden. Unter Praxisbedingungen konnte eine vollständige und korrekte Diagnose bei 64 % der untersuchten Schafe und Ziegen erhoben werden, wobei die häufig übersehenen Mehrlinge eine wichtige Fehlerquelle darstellten. Eine doppelte Untersuchung unter Praxisbedingungen während des optimalen Untersuchungszeitraumes ergab eine korrekte Geschlechtsdiagnose in 78 % der Fälle. Insgesamt konnte mit der vorliegenden Arbeit erstmals gezeigt werden, dass die ultrasonographische Geschlechtsbestimmung bei den kleinen Wiederkäuern auch bei mit Mehrlingen tragenden Tieren mit guten Ergebnissen möglich ist, wobei aber eine einmalige Untersuchung als nicht ausreichend angesehen werden kann, um zuverlässige Resultate zu erzielen. Es sollte eine zweimalige Ultrasonographie zwischen dem 50. und 58. Trächtigkeitstag und dem 65. - 70. Tag der Gestation erfolgen, wobei zuvor eine Zählung der Früchte am 30. Tag der Gravidität von Vorteil wäre.  

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Bürstel, Daniela-Miriam: Untersuchungen zur intrauterinen Geschlechtsfeststellung bei Feten kleiner Wiederkäuer mittels Ultrasonographie. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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