Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vergleichende Untersuchung konventioneller und digitaler intraoraler Röntgentechnik in der Tierzahnmedizin

Eickhoff, Markus

Seit der Einführung des ersten filmlosen intraoralen digitalen Röntgens im Jahre 1987 hat sich die den zugrundeliegenden Systemen inherente Technik den spezifischen zahnmedizinischen Fragestellungen angepasst und gleichzeitig qualitativ weiterentwickelt. Aus diesem Grund wurde ein Vergleich zwischen dem digitalen System Sidexis (Sirona, Deutschland) und dem konventionellen dentalen Röntgen in der Tierzahnheilkunde durchgeführt. Dabei zeigte sich, daß bei allen untersuchten Hunden und Katzen intraorale digitale Aufnahmen mit dem Sidexis-System erstellt werden konnten. Bei kleinen Heimtieren war das intraorale Platzieren der Sensoren aufgrund ihrer Dicke erschwert, teilweise konnten nur Aufnahmen der Frontzahnregion angefertigt werden. In Ausnahmefällen war ein intraorales Platzieren der Sensoren gänzlich unmöglich. Die Nutzung der Sensoren zur Darstellung anderer anatomischer Lokalisationen bei Exoten war unter Zuhilfenahme einer Sensorfixationshilfe aus Silikon ohne Schwierigkeiten möglich. In der eigenen Untersuchung war die Qualität konventioneller Röntgenaufnahmen denen digitaler Originalaufnahmen bei allen Spezies überlegen (Hund p = 0,007; Katze p = 0,04; kleine Heimtiere p = 0,008). Dementgegen wurden nachbearbeitete digitale Röntgenaufnahmen besser bewertet als die konventionellen Vergleichsaufnahmen (Hund und Katze p = 0,002 ) oder als gleichwertig eingestuft (kleine Heimtiere p = 0,082). Daher sollten die Optionen zur Nachbearbeitung digitaler Aufnahmen nach Möglichkeit genutzt werden, um die diagnostische Qualität der Aufnahmen zu erhöhen. Das Sidexis-System erwies sich für die Darstellung graziler Strukturen bei Exoten in der eigenen Untersuchung als sehr gut geeignet. Im Rahmen dieser Studie wurde beim Hund eine Dosisreduktion von 65 %, bei der Katze und beim kleinen Heimtier von 54 % und bei Exoten von 48 % erreicht. Diese Ergebnisse bewegen sich im Bereich der beim Menschen erzielten Dosisreduktion von 50-90%. Weitere Vorteile der direkten digitalen Bilderzeugung finden sich vor allem im Bereich der Arbeitseffizienz, Datenmodulation und –archivierung. Dank der sogenannten Echtzeitbilder und dem Wegfall des Entwicklungsprozesses ergibt sich ein enormer Zeitgewinn bei gleichbleibender Bildqualität. Diese kann bei einer digitalen Aufnahme nachträglich beeinflusst werden und entsprechend der Präferenzen des Betrachters oder hinsichtlich bestimmter Fragestellungen angepasst werden. Der inherente diagnostische Gehalt kann durch digitale Bearbeitungsverfahren zwar nicht erhöht werden, die Darstellung der Information kann jedoch verbessert werden. Im Rahmen der Telemedizin können digitale Bildformate zur ortsunabhängigen Konsultation und Bildinterpretation genutzt werden, weiterhin kann die Besitzeraufklärung durch eine geeignete Darstellung der Röntgenbilder am Monitor verbessert werden. Das Archivieren der Bilddateien auf digitalen Speichermedien ist einfacher sowie platzsparender und kostengünstiger als die Archivierung von Filmen. Ein grosser Vorteil des digitalen Systems ist die Sicherung der Patientendaten und Befunde am Bild, eine gesonderte Archivierung ist nicht notwendig und Verwechslungen wird vorgebeugt. Als nachteilig erwiesen sich die Größe der Sensoren und nicht korrigierbare Bildartefakte. Die zur Verfügung stehenden Sensoren sind kleiner als die handelsüblichen Dentalfilme, wodurch im Einzelfall Mehraufnahmen notwendig werden, um die abzubildende Region vollständig darzustellen. Die Steifheit und Dicke der Sensoren sowie das Kabel sind Ursache für Probleme bei der korrekten Platzierung, mit ausreichender Einarbeitungszeit stellen sie jedoch nur ein temporäres Problem dar. Umständlich ist der eventuell notwendig werdende Umbau zum Wechsel der Sensorgrösse, da an der Röntgenbox nur eine Anschlussmöglichkeit zur Verfügung steht. Aufgrund fehlerhafter Expositonsdosis können bei digitalen Aufnahmen nicht korrigierbare Artefakte entstehen, wie bei zu niedriger Strahlendosis das Phänomen der Körnigkeit, bei zu hoher Strahlendosis das Blooming. Weiterhin weisen digitale Systeme Probleme bei der Darstellung grosser Kontrastumfänge auf, da die Bildschirmdarstellung auf 256 Grauschattierungen beschränkt ist. Weitere Nachteile digitaler Systeme sind eine schlechte Qualität im Druckformat, hohe Anschaffungskosten sowie die bisher nicht eindeutig geregelte gesetzliche Basis für digitale Bildformate. Papierausdrucke digitaler Bilder sind qualitativ schlechter als eine „Soft Copy“-Darstellung auf einem Monitor. Die Kosten eines digitalen Systems sind nur im Zusammenhang mit der Nutzungsintensität beurteilbar. Die hohen Anschaffungskosten relativieren sich durch niedrigere laufende Kosten, so dass sich das Sidexis-System bei ca. 100 Röntgenaufnahmen pro Monat nach drei bis vier Jahren amortisiert hat. Die rechtliche Situation hinsichtlich Manipulationsmöglichkeiten und Datenverlust muß zunächst vorsichtig eingeschätzt werden, eine verbesserte Akzeptanz digitaler Formate durch gesetzliche Regelungen ist zu erwarten. Hauptkritikpunkt eines Verzichts auf Dentalfilme und dem alleinigen Einsatzes des digitalen Sidexis-Systems in der Tierzahnheilkunde bleiben die nicht für alle Indikationen geeigneten Sensorgrössen, qualitativ jedoch stellen digitale Aufnahmen insbesondere nach Bearbeitung einen adäquaten Ersatz für dentale Röntgenfilme dar.

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Eickhoff, Markus: Vergleichende Untersuchung konventioneller und digitaler intraoraler Röntgentechnik in der Tierzahnmedizin. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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