Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Transkription und Besprechung einer Handschrift über "Hippotomie und Splanchnologie" nach Friedrich Bock (1806)

Petschat, Stephanie Jette

This thesis has been based on the transcription and edition of a 121-paged origin handwriting about „Hippotomy and Splanchnology by Bock“ written up by the student named Johann Friedrich Arnold In der Strohdt (1782-1846), born in the surrounding of Osnabrück in Germany, during his second year of study at the veterinary school of horses in Hannover, Germany.   Scientific life in Hannover was influenced by the political and military consequences of the european wars (1792-1807) in those days. Just as the occupying authorities kept changing the veterinary school of horses between being a hospital and a military pharmacy. Due to that situation the director August Konrad Havemann was not able to continue teaching at school in the usual way, so the students had to get their knowledges mostly from books and previous handwritten lectures.   Under these circumstances Johann Friedrich Arnold In der Strohdt made several manuscripts based on previous files of lectures. Besides this he took part in dissections at the ‚Collegium anatomico-chirurgicum‘ led by the medicus of court Ernst Friedrich Wilhelm Heine, whose notices of lectures together with the important real-learning from popular books were added to his manuscripts as marginal notes. Transfering observations from the humane medicine onto the veterinary medicine he has followed the modern trend.   During the decades after the foundation of the first european veterinary schools (after 1762) the veterinary medicine was not yet an accepted science on its own. Frequently previous doctors became professors of veterinary science and thought their knowledges and experiences on this new discipline – often without any sort of degrees. Later selected people were sent to France and Austria to get further experiences and education. After returning they were allowed to teach at any veterinary school new founded all over the country. Nevertheless these first teachers were not able to teach all the subjects required (for example Botanic and Chemistry) so a lot of students had to attend the lectures of natural science at the Colleges of Medicine additionally to the study at the veterinary schools.   Even though at the time Johann Friedrich Arnold In der Strohdt was studying the previous teacher Friedrich Andreas Daniel Bock (1766-1801) had already died several years ago the education of anatomy at the veterinary school of horses was still based on his lectures. A Bock-Biography was written in order to assess his being a teacher and a scientist at the time regarding the special events of time.   Another two anonymic manuscripts of anatomy dated 1799 and 1820 being almost identical to the In der Strohdt’s manuscripts are possessed by the School of Veterinary Science in Hannover. They were transcripted, too, and were compared as well formally as contently to the edition of 1806. The result was that both manuscripts dated 1806 and 1820 were revisions of a previous based lecture, the manuscript of 1799 in the lifetime of Bock though was written on dictation of the lecturing person.   Mostly Bock took possession of previous teacher’s teaching contents (for instance Martin Albert Tögl in Vienna, Austria) and added topical physiological results of researching for instance of Albrecht von Haller and Alexander von Humboldt. During the decades after Bock’s death his knowledge of veterinarian anatomy was still considered being on a high level at the veterinary school of horses. Until the year of 1822 August Konrad Havemann and Ulrich Friedrich Hausmann relied on Bock’s rough draft of lectures, it was then when the first edition of „Handbuch der vergleichenden Anatomie der Haus-Säugethiere“ by the teacher for anatomy at the veterinary school in Berlin, Ernst Friedrich Gurlt, was published.   Compared the anatomic teaching and lectures with those of the most important European veterinary schools at the end of the eighteenth century and the beginning of the nineteenth century the result is that Bock took part in the leading scientists´ teaching-opinion. Integrating this into his teaching at the veterinary school in Hannover the teaching of anatomy increased to be topical and progressive.  

Grundlage der Arbeit bildet die buchstabengetreue Transkription und Edition einer 121 Seiten umfassenden Handschrift über ‚Hippotomie und Splanchnologie nach Bock‘, die der aus dem Osnabrücker Raum stammende Student Johann Friedrich Arnold In der Strohdt (1782-1846) in seinem zweiten Studienjahr an der Pferdearzneischule Hannover im Mai 1806 anfertigte.   Die politischen und militärischen Folgen der europäischen Koalitionskriege (1792-1807) beeinflußten in dieser Zeit das wissenschaftliche Leben in Hannover nachhaltig. Ihre Ursachen und Auswirkungen wurden hier in der gebotenen Kürze betrachtet, denn die Pferdearzneischule diente den jeweiligen Besatzungsmächten erst als Hospital, dann als Feldapotheke. Durch diese auferzwungenen räumlichen Einschränkungen konnte Direktor August Konrad Havemann den Unterricht kaum aufrecht erhalten, und die Studenten waren gezwungen, sich ihr Wissen größtenteils aus Büchern und älteren Vorlesungsmitschriften anzueignen.   Unter diesem Einfluß auf den Schulbetrieb verfaßte In der Strohdt im Frühjahr 1806 mehrere Manuskripte, die zum Teil auf alten Vorlesungsunterlagen basierten. Darüber hinaus nahm er an Sektionen am ‚Collegium anatomico-chirurgicum‘ unter der Leitung von Hofmedikus Ernst Friedrich Wilhelm Heine teil. Seine Vorlesungsnotizen sowie wichtiges Faktenwissen aus populären Büchern ließ In der Strohdt in Form von Randbemerkungen in seine Handschriften einfließen. Er folgte damit dem zeitgemäßen Trend, Beobachtungen aus der Humanmedizin auf die Veterinärmedizin zu übertragen.   In den Jahrzehnten nach Gründung der ersten europäischen Tierarzneischulen (ab 1762) war die Tierheilkunde noch keine eigenständige Wissenschaft. Häufig wurden ehemalige Ärzte zu Professoren der Veterinärmedizin ernannt und wandten ihr Wissen und ihre Erfahrungen – oft ungeprüft – auf die neue Disziplin an. Später schickte man geeignete Leute zur weiteren Ausbildung an die ersten Tierarzneischulen nach Frankreich und Österreich. Nach ihrer Rückkehr wurden sie meist zu Lehrern an den allerorts neu gegründeten Tierarzneischulen ernannt. Dennoch waren diese ersten Lehrkräfte nicht in der Lage, alle geforderten Unterrichtsfächer (wie z. B. Botanik und Chemie) abzudecken, so daß viele Studenten neben dem Studium an den Tierarzneischulen noch naturwissenschaftliche Vorlesungen an den medizinischen Collegien hörten.       Auch wenn der ehemalige zweite Lehrer Friedrich Andreas Daniel Bock (1766-1801) zu In der Strohdts Studienzeiten bereits mehrere Jahre tot war, basierte die anatomische Ausbildung an der Pferdearzneischule noch immer auf seinen Vorlesungen. Um Bock als Lehrer und Wissenschaftler vor dem Hintergrund der Zeitereignisse einschätzen zu können, wurde eine Biographie von ihm erstellt.   Die Tierärztliche Hochschule Hannover besitzt noch zwei weitere, jedoch anonyme anatomische Handschriften aus den Jahren 1799 und 1820, die mit dem Manuskript von In der Strohdt nahezu identisch sind. Sie wurden ebenfalls transkribiert und sowohl formal als auch inhaltlich mit der Ausgabe von 1806 verglichen. Dabei stellte sich heraus, daß die beiden Manuskripte von 1806 und 1820 Überarbeitungen einer älteren Ausgangsvorlesung darstellen, die zu Lebzeiten Bocks verfaßte Handschrift von 1799 jedoch nach Diktat des Vortragenden entstand.   Bock übernahm seine Unterrichtsinhalte größtenteils von ehemaligen Lehrern (z. B. Martin Albert Tögl in Wien) und erweiterte sie mit aktuellen physiologischen Forschungsergebnissen z. B. von Albrecht von Haller und Alexander von Humboldt. Bocks Wissensstand auf dem Gebiet der Tieranatomie – damals auf der Höhe seiner Zeit – besaß auch in den Jahrzehnten nach seinem Tod an der Pferdearzneischule noch Gültigkeit. Bis zum Erscheinen der ersten Auflage des „Handbuchs der vergleichenden Anatomie der Haus-Säugethiere“ des Berliner Anatomen Ernst Friedrich Gurlt im Jahr 1822 orientierten sich August Konrad Havemann und später Ulrich Friedrich Hausmann an Bocks Vorlesungskonzept.   Ein Vergleich mit den Lehrern der Anatomie und ihren Vorlesungen an den wichtigsten europäischen Tierarzneischulen am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigt, daß Bock sich die Lehrmeinungen führender Wissenschaftler seiner Zeit aneignete und in den Unterricht integrierte. Dadurch gestaltete er den anatomischen Unterricht an der Pferdearzneischule Hannover fortschrittlich und aktuell.    

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Petschat, Stephanie Jette: Transkription und Besprechung einer Handschrift über "Hippotomie und Splanchnologie" nach Friedrich Bock (1806). Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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