Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur paraneoplastischen Polyneuropathie des Hundes

Wagner, Heike

The paraneoplastic polyneuropathy in dogs is a neurologic disease with peripheral nerve damage caused by extraneurally located tumours. The disease is supposed to be the result of an antibody mediated damage of the nervous tissue. The present study aimed to demonstrate the clinical or subclinical relevance of the disease. The disorder in dogs has been described in histopathological studies by Braund in 1987, and in single case reports. However, detailed clinical studies are not available. A number of 120 dogs affected with extraneural tumours were examined by neurological examination and using electrodiagnostical techniques. Serum samples were taken to determine antineural nuclear antibodies (ANNA) and antinuclear antibodies (ANA) using the technique of immunohistochemistry, or immuno­fluorescence respectively. The control group consisted of 20 healthy dogs and 20 dogs with polyneuropathies of different origin. A positive-control group for the immuno­histochemical examinations was represented by five dogs, with Lupus erythematodes and exposed a positive titre of antinuclear antibodies. The neurological and electrodiagnostical examinations of the 120 tumour patients did not reveal any remarkable results. With the exception of 4 dogs these examinations remained normal (96,6 % of the dogs). In these 4 dogs polyneuropathies of different origin were excluded via clinical neurologic and laboratory diagnostic examinations and a paraneoplatic polyneuropathy was suspected. The nerve conduction velocity (NCV) showed an average of 40 m/s. In electromyography (EMG) fibrillation potentials were noticed. The other dogs with extraneural tumours had a NCV with mean values of 87 m/s, comparable with the healthy control group. Both groups of dogs had no abnormalities in the EMG. Dogs with polyneuropathy of different origin had fibrillation potentials in the EMG, the NCV had an average of 43 m/s. Immunohistochemical examinations for the detection of antineural antibodies were negative in the group of dogs with “extraneural tumours”. Only one dog out of this group showed the presence of ANA, whereas all dogs affected with Lupus erythematodes were found to have a positive ANA-titre as well as antineural antibodies. The present study shows that the clinical relevance of Paraneoplastic Polyneuropathy in the dog is low. This polyneuropathy as well as subclinical forms seem to affect mostly older animals in the end stage of their tumour disease.  

Die paraneoplastische Polyneuropathie beim Hund ist eine neurologische Erkrankung, bei der periphere Nerven sekundär zu einem extraneuralen Turmorgeschehen geschädigt werden. Ursächlich wird eine Antikörper-vermittelte Nervenzellschädigung angenommen. Ziel der vorlie­genden Arbeit war es, die klinische bzw. subklinische Relevanz der Erkrankung zu verdeutli­chen. Beim Hund wurde diese Störung im Rahmen einer pathologischen Stu­die von Braund 1987, sowie in einzelnen Fall­darstellungen beschrieben. Ausführliche klinische Studien wurden jedoch nicht durchgeführt. In die vorliegende Studie wurden 120 Hunde mit extraneuralen Tumoren, die histo­pathologisch klassifiziert werden konnten, einbezogen. Diese Hunde wurden neurologisch und elektrodiagnostisch untersucht. Zusätzlich wurden Serumpro­ben entnommen, um antineurale nukleäre und allgemein antinukleäre Antikörper (ANA) immunohistochemisch bzw. mit Hilfe der Immunfluoreszenz zu bestimmen und die Relevanz dieser Antikörper beim Hund mit extraneuralen Tumoren zu untersuchen. Als Kontrollgruppen dienten 20 gesunde Hunde und 20 Hunde mit Polyneuropathien anderer Ge­nese. Eine Positivkontrollgruppe für die immunohistochemischen Unter­suchungen bildeten 5 Hunde, die an Lupus erythematodes erkrankt waren und einen positiven Titer antinukleärer Antikörper aufwiesen. Die neurologischen und elektrodiagnostischen Untersuchungen der 120 Tumor­patienten zeigten mit Ausnahme von vier Hunden keine Auffälligkeiten (96,6%). Bei diesen vier Hunden konnte die Ver­dachtsdiagnose „Paraneoplastische Polyneuro­pathie“ gestellt werden. Polyneuropathien anderer Genese wurden durch klinisch-neurologische und labordiagnostische Untersuchungen ausgeschlossen. Die Nerven­leit­geschwindigkeit (NLG) bei diesen 4 Hunden betrug durchschnittlich 40 m/s. In der Elektromyographie (EMG) fielen Fibrillationspotentiale auf. Die Nervenleit­ge­schwindigkeit bei den übrigen Hunden mit extraneuralen Tumoren betrug durchschnittlich 87,3 m/s und unterschied sich nicht von der der gesunden Hunde (87,4 m/s). Bei beiden Gruppen (gesunde Kontrolltiere und Hunde mit extraneuralen Tumoren) war das EMG ohne besonderen Befund. Hunde mit Polyneuropathien anderer Genese wiesen im EMG Fibrillationspotentiale auf, die NLG lag durch­schnittlich bei 43 m/s. Immunohistochemische Untersuchungen zum Nachweis von antineuralen Antikörpern verliefen bei den Hunden aus der Gruppe „extraneuraler Tumore“ negativ. Nur bei einem Hund aus dieser Gruppe war der Nachweis von ANA positiv, hingegen wiesen alle Hunde mit Lupus erythematodes einen positiven ANA – Titer und antineurale Antikörper auf. Anhand dieser Studie muß die klinische Relevanz der paraneoplastischen Polyneuro­pathie als eher niedrig eingestuft werden. Diese Erkrankung bzw. subklinische Verlaufsformen scheinen vor allem bei älteren Tieren, im Endstadium der Tumor­erkrankung aufzutreten.  

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Wagner, Heike: Untersuchungen zur paraneoplastischen Polyneuropathie des Hundes. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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