Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vergleichende Untersuchung zur Arrhythmie-Prophylaxe mit Metildigoxin und Verapamil oder Metildigoxin und Mexiletin beim Hund mit Torsio ventriculi unter Langzeit-EKG-Überwachung

Calvo Wieland, Ana Isabel

Die Torsio ventriculi des Hundes ist als perakute Erkrankung immer noch mit einer relativ hohen Letalitätsrate behaftet. Der Ausgang der Erkrankung ist einerseits vom präoperativen Zustand des Tieres und der zügig durchgeführten Operation abhängig, andererseits wird er aber auch entscheidend von der postoperativen Intensivüberwachung und Behandlung beeinflußt. Es stellen sich in dieser postoperativen Phase sehr oft bedrohliche Herzarrhythmien (vor allem ventrikuläre Extrasystolien) ein, so daß auch beim noch rhythmischen Patienten zum Operations-Zeitpunkt eine antiarrhythmische Prophylaxe angezeigt ist. Eine Prophylaxe mit Metildigoxin und Verapamil hat sich als effektiv erwiesen. In der vorliegenden Studie wurde mit Hilfe eines Langzeit-EKGs eine Kombinationstherapie von Metildigoxin und Mexiletin mit der zuvor erwähnten Prophylaxe bezüglich ihrer Effektivität verglichen. Das Patientengut bestand aus 50 Hunden, die an einer Torsio ventriculi operiert wurden. Diese Patienten setzten sich aus zwei Behandlungsgruppen mit je 25 Hunden zusammen. Unmittelbar im Anschluß an die Operation wurde eine 24-stündige Langzeit-EKG-Untersuchung durchgeführt und die Patienten wurden zusätzlich über fünf Tage mittels Standard-EKG-Aufnahmen in acht-stündigen Abständen überwacht. Bei der Auswertung der EKG-Untersuchungen wurden die Handhabbarkeit des Gerätes, die Fähigkeit zur Arrhythmieunterdrückung, das Auftreten von Überleitungsstörungen und der Einfluß auf die Herzfrequenz beurteilt. In der eigenen Studie ist die Sensitivität des Langzeit-EKG in Bezug auf die Aufdeckung der Rhythmusstörungen höher als die des Standard-EKGs. Bei dem Vergleich beider Behandlungsstrategien in Bezug auf die Unterdrückung ventrikulärer Extrasystolen war kein statistisch signifikanter Unterschied feststellbar, wobei der Anteil der Patienten mit einer solchen Arrhythmie in den Tagen nach der Operation in der Metildigoxin/Mexiletin-Gruppe etwas geringer war. Im Hinblick auf die Reduktion supraventrikulärer Extrasystolen wurde festgestellt, daß sowohl im Durchschnitt des prozentualen Anteils als auch zu mehreren einzelnen Zeitpunkten der ersten 24 Stunden die Metildigoxin/Mexiletin-Gruppe deutlich weniger dieser Extrasystolen als die Metildigoxin/Verapamil-Gruppe zeigte. Nur wenige Patienten jeder Gruppe zeigten Überleitungsstörungen, wobei die Störungen jeweils in einer sehr geringen Anzahl auftraten und kein Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen bestand. Was den Einfluß der verwendeten Medikamente auf die Herzfrequenz der Patienten betrifft, wurde kein deutlicher Unterschied zwischen beiden Gruppen festgestellt, obwohl in den ersten 24 Stunden eine tendenziell niedrigere Frequenz in der Metildigoxin/Verapamil-Gruppe beobachtet wurde. In der vorliegenden Studie wurde ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsstrategien bezüglich der Unterdrückung supraventrikulärer Extrasystolen in den ersten 24 Stunden festgestellt, obwohl ein Einfluß von Mexiletin auf solche Extrasystolen bisher nicht bekannt ist. Bei den bedrohlichen ventrikulären Extrasystolen konnte kein Unterschied aufgezeigt werden. Da die Kosten der Therapie mit Mexiletin deutlich höher liegen als die der Verapamilbehandlung und sich aus dem Ergebnis dieser Studie kein deutlicher Vorteil des Mexiletin gegenüber dem Verapamil ableiten läßt, sollte die empfohlene Arrhythmieprophylaxe bei Hunden mit Magendilatation oder -torsion zunächst weiterhin aus einer Kombinationsbehandlung mit Verapamil und Metildigoxin bestehen.

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Calvo Wieland, Ana Isabel: Vergleichende Untersuchung zur Arrhythmie-Prophylaxe mit Metildigoxin und Verapamil oder Metildigoxin und Mexiletin beim Hund mit Torsio ventriculi unter Langzeit-EKG-Überwachung. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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