Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Arthroskopische Diagnostik und Therapie von im engeren Sinne nicht zur Ellbogengelenksdysplasie gehörenden Ellbogengelenkserkrankungen beim Hund

Heinen, Verena

The present study includes 154 dogs which were presented at the „Small Animal Clinic at Hanover Veterinary School“ between January 1st 1996 and December 31st 2000 because of an elbow lameness. All had to undergo an arthroscopy for diagnostic reasons and arthroscopic surgery.   Excluded were cases of elbow dysplasia (fragmented coronoid process, osteochondrosis dissecans or isolated anconeal process). Cases could be classified into five different groups of diagnose:   1. chondromalacia-like lesions stated at the medial coronoid process    (n=77) 2. abrasion of different degrees stated at the medial coronoid     process and/or trochlea humeri (n=24) 3. arthropathia deformans (n=16) 4. metaplasia of the bend tendons which originate from the medial humeral     epicondyle 5. incomplete ossification of the humeral condyle (IOCH, n=13)   Furthermore, the study included 22 elbows which had undergone an arthroscopy due to the suspicion of an affected elbow, which arthroscopically, however, could not be confirmed.   Only large dogs (over 25 kg) were affected by the chondromalacia-like lesion, the Rottweiler being affected more often than other breeds (13/77). The sex ratio of male to female dogs was 1.7:1. 89.6% of the patients were older than a year at the time of the first examination. After a single jointlavage (n=8), three of the cases were considered as “good”, two as “satisfactory” and three as “unsatisfactory”. The removal of the altered cartilage (n=39) led to a “good” result in 51.3% of the cases, whereas 30.7% could be considered as “satisfactory” and 18% as “unsatisfactory”. The ostectomy of the cranial tip of the medial coronoid process, 57.1% of the cases showed a “good” result and 42.9% a “satisfactory” one. The improvement of the lameness after the ostectomy was 18% higher than the improvement in cases of curettage of the altered cartilage (p=0.016). In most of the cases (54.3%), the secondary arthropathia deformans seemed to increased independently of procedure of the treatment (p=0.275).   Abrasion of the articular cartilage of the medial coronoid process only occurred in medium-sized (15–25 kg) or large dogs (over 25 kg). German Shepherd dogs(9/24) most often were affected. Sex ratio (male/ female) was 1.7:1. 91.6% of the patients were older than one year when first presented at the small animal clinic. Curettage by shaving of altered bone (n=16) led to “good” results in 50% of the cases, to “satisfactory” one in 43.7% and to an “unsatisfactory” one in 6.3% of the cases. After the ostectomy, the result was considered as “good” in 33.3% of the cases and as “satisfactory” in 66.7% of the cases. In 50% of the cases, the secondary arthrosis kept growing. No important difference recurred both treatment procedures.   Arthropathia deformans of uncertain pathogenesis could mainly be seen in half-breed dogs (4/16). Female dogs were represented more often than the male (sexratio 1.3:1). 87.5% of the patients were older than one year when first presented. After a jointlavage (n=10), 30% of the cases achieved a “good” result, whereas 20% could be classified as “satisfactory” and 50% as “unsatisfactory”. In one case, the result of curettage (n=4) was “good” in an other case “satisfactory” and in two cases “unsatisfactory”. In 83.3% of the cases (5/6) osteophytes did not grow.   The MEHB occurred in medium-sized (15–25 kg) and large (over 25 kg) dogs, Labrador Retrievers being most often affected (8/24). Three dogs were bilaterally affected. Male patients with 70.8% were represented more often than females with 29.2%. 37.5% of the dogs were younger than a year at the time of diagnoses. After surgery of 22 joints, 72.7% achieved “good” results, 22.7% “satisfactory” and 4.6% “unsatisfactory”. When re-examining the dogs, it was noticed that in 50% of the cases the arthrosis remained unchanged.   Regarding the IOCH, only medium-sized dogs were affected, the German Wachtel being affected more often (3/9). Four dogs showed an IOCH on both sides. Sexration (male/female) was 2.3:1. 53.8% of the dogs were younger than a year at the time of diagnose. 7 of 11 (63,9%) joints which had undergone reduction and screwfixation were considered as “good”, 27.3% (3/11) as “satisfactory” and 9.1% (1/11) as “unsatisfactory”. A progression of the arthrosis could be stated in 53.9% of the cases.   In  22 elbowjoints without special findings, no negative influence of arthroscopy could be noticed. None of the joints showed any secondary arthrosis or any other restriction of functionality.  

In die vorliegende Untersuchung wurden insgesamt 154 Hunde einbezogen, die wegen einer im Ellbogengelenk lokalisierten Lahmheit zwischen dem 01.01.1996 und 31.12.2000 in der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover vorgestellt wurden und bei denen zur Diagnostik bzw. Therapie ein arthroskopischer Eingriff erfolgte. Nicht berücksichtigt wurden solche Fälle, bei denen eine zur Ellbogengelenksdysplasie gehörende Erkrankung (fragmentierter Processus coronoideus, Osteochondrosis dissecans, isolierter Processus anconaeus), als alleiniger Befung vorlag. Die Patienten gliederten sich in die Diagnosegruppen: 1. Chondromalazie-ähnliche Veränderung im Bereich des Processus     coronoideus medialis der Ulna (n=77) 2. Usuren unterschiedlichen Grades an den Gelenkflächen des Processus     coronoideus medialis der Ulna und der Trochlea humeri (n=24) 3. Arthropathia deformans (n=16) 4. Metaplasie der am medialen Epicondylus humeri entspringenden Beugesehnen     (MEHB, n=24) 5. Inkomplette Ossifikation des Condylus humeri (IOCH, n=13) Weiterhin wurden 22 Ellbogengelenke in die Untersuchung einbezogen, bei denen eine Arthroskopie aufgrund der klinischen Untersuchungsbefunde vorgenommen wurde, sich dieser jedoch nicht bestätigte.   Von der chondromalazie-ähnlichen Veränderung waren ausschließlich großwüchsige Hunderassen (über 25 kg) betroffen, wobei der Rottweiler (13/77) am häufigsten vorkam. Das Geschlechterverhältnis männlicher zu weiblicher Tiere betrug 1,7:1. 89,6% der Patienten waren zum Zeitpunkt der Vorstellung älter als ein Jahr. Nach einer alleinigen Gelenklavage (n=8) zeigten drei der Fälle ein „gutes“, zwei ein „befriedigendes“ und drei ein „unbefriedigendes“ Ergebnis. Die Entfernung des veränderten Gelenkknorpels (n=39) führte bei 51,3% zu einem „guten“, bei 30,7% zu einem „befriedigenden“ und bei 18% zu einem „unbefriedigenden“ Ergebnis. Die Ostektomie der kranialen Spitze des Processus coronoideus medialis der Ulna (n=28) ergab zu 57,1% ein „gutes“ zu 42,9% ein „befriedigendes“ Ergebnis. Eine um 18% höhere Lahmheitsverbesserung trat nach der Ostektomie der kranialen Spitze des Processus coronoideus medialis im Vergleich zur Kürettage des veränderten Knorpels auf (p=0,017). In der Mehrzahl der Fälle (54,3%) nahm die sekundäre Arthropathia deformans unabhängig vom Therapieverfahren zu (p=0,275).   Gelenkflächenusuren kamen nur bei mittelgroßen (15-25 kg) oder großen (über 25 kg) Rassen vor. Der Deutsche Schäferhund (9/24) war am häufigsten beteiligt. Das Geschlechterverhältnis männlicher zu weiblicher Tiere betrug 1,7:1. 91,6% der Patienten waren zum Zeitpunkt der Vorstellung in der Klinik älter als ein Jahr. Das Debridement des veränderten Knochens (n=16) führte bei 50% zu einem „guten“, bei sieben Hunden zu einem „befriedigenden“ und bei einem Hund zu einem „unbefriedigenden“ Therapieergebnis. Die Ostektomie der kranialen Spitze des Processus coronoideus medialis ulnae (n=9) wurde in drei Fällen mit „gut“ und in sechs mit „befriedigend“ bewertet. Bei der Hälfte der Patienten schritten die sekundären Arthrosen weiter fort. Ein Therapievergleich ergab keine auffälligen Unterschiede. Eine Arthropathia deformans unklarer Genese trat am häufigsten beim Mischling (4/16) auf. Weibliche Patienten waren häufiger als männliche betroffen mit einem Geschlechtsverhältnis von 1,3:1. 87,5% der Patienten waren zum Zeitpunkt der Vorstellung in der Klinik älter als ein Jahr. Nach einer Gelenklavage (n=10) zeigten drei ein „gutes“, zwei ein „befriedigendes“ und fünf ein „unbefriedigendes“ Ergebnis. Die Kürettage der Osteophyten im Randbereich des Processus coronoideus mediales (n=4) führte einmal zu einem „guten“ bzw. „befriedigenden“ und zweimal zu einem „unbefriedigenden“ Behandlungsergebnis. Bei fünf von sechs Gelenken trat keine Größenzunahme der Osteophyten auf. Die MEHB kam bei mittelgroßen (15-25 kg) und großen (über 25 kg) Hunderassen vor, Labrador Retriever waren am häufigsten erkrankt (8/24). Drei Hunde waren beiderseits betroffen. Die männlichen Patienten waren mit 70,8% häufiger vertreten als die weiblichen mit 29,2%. 37,5% der Hunde waren zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als ein Jahr. Nach der operativen Behandlung von 22 Gelenken wurde bei 72,7% (16/22) ein „gutes“, bei 22,7% (5/22) ein „befriedigendes“ und bei 4,6% (1/22) ein „unbefriedigendes“ Ergebnis erreicht. 50% der Fälle wiesen zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung einen unveränderten Arthrosegrad auf. An einer IOCH waren nur mittelgroße Hunderassen erkrankt, die Deutsche Wachtel war dreimal (23,1%) betroffen. Vier Hunde wiesen beiderseitig eine IOCH auf. Das Geschlechterverhältnis männlicher zu weiblicher Tiere betrug 2,3:1. 53,8% der Hunde waren zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als ein Jahr. 63,6% (7/11) von elf operativ mit Zugschraube versorgten Gelenken wurden mit „gut“, 27,3% (3/11) mit „befriedigend“ und 9,1% (1/11) mit „unbefriedigend“ bewertet. Eine Progression der Arthrose war bei 53,9% der Fälle zu beobachten. Bei 22 arthroskopierten Ellbogengelenken ohne pathologische Befunde konnte kein negativer Einfluss der Arthroskopie festgestellt werden. Alle nachuntersuchten Gelenke waren bei der Nachuntersuchung frei von Arthrosebefunden, alle wiesen eine ungestörte Gelenkfunktion auf.  

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Heinen, Verena: Arthroskopische Diagnostik und Therapie von im engeren Sinne nicht zur Ellbogengelenksdysplasie gehörenden Ellbogengelenkserkrankungen beim Hund. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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