Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Beurteilung der Tiergerechtheit des angereicherten Käfigtyps "Aviplus" unter besonderer Berücksichtigung ethologischer und gesundheitlicher Aspekte bei Lohmann Silver Legehennen

Sewerin, Katrin

In this investigation the use of equipment in the enriched cage system Aviplus should be evaluated qualitatively and quantitatively in order to assess animal welfare. There were 18 Aviplus cages, each containing ten hens, serving for the experiment. The focal point was sandbathing behaviour. In order to find out if the lattice laying in the sandbath had an influence on sandbathing behaviour it was removed in some of the cages in the second half of the year. In the other cages the lattices stayed. So in contrast to the first half of the year the sandbaths were permanently accessible in the second half of the year. Behavioural observations were done directly and by use of video-equipment. Additionally the animal condition was assessed in comparison to hens in conventional cages and in an aviary which had a roofed and an unroofed outside run. In all systems there were Lohmann Silver laying hens coming from the same raising which was similar to an aviary. A problem was to offer enough litter for the sandbath as the sandbath being filled once in the week was empty for the main part of the week. There were no problems with soiling of the sandbaths. An increase of eggs layed into the sandbath was found in the second half of the year. These findings are probably related to a not optimally designed nest. The relatively low use of nests (5 % of day time) probably caused by shortened and abnormal egg laying behaviour also hints at this. Most of the sandbathing behaviour took place "in the sandbath", but sandbathing also occured at other places in the cage. After filling of the sandbath hens sandbathed more "in and at the sandbath" than on days with an empty sandbath. They also turned more at an angle of 180° around their axis while sandbathing in the sandbath and there were more hens sandbathing in the sandbath and picking into it simultaneously while one hen was sandbathing in the sandbath. This indicates the great importance of litter. There were more hens picking into the "sandbaths without lattice" than into the "sandbaths with lattice". This result could mean that sandbathing motivation was greater in "sandbath without lattice" than in "sandbath with lattice". Concerning the frequencies of sandbathing "in the sandbaths" no difference was found comparing permanently accessible sandbaths with only temporary accessible sandbaths. This could mean that the opening hours of the first half of the year were sufficient for the hens. However during the first half of the year with temporary accessible sandbaths some hens may have got used to sandbathing at other locations than in the sandbath and then maintained this habit as well in the second half of the year. Compared to sandbathing behaviour in the outside run the duration of sandbathing behaviour in the sandbath of the Aviplus cage was shorter which was probably due to less frequencies of single behavioural elements and to the absence of resting while sandbathing. In the outside run sandbathing hens mostly turned at an angle of 45° and 90° around their axis whereas hens sandbathing in the sandbath of the Aviplus cage turned less often and only at an angle of 180° around their axis. The use of perches was less than known from literature (20-24 % of the birds in the light period, 65-75% of the birds in the night time) which was probably due to the unattractive plastic material and the disadvantageous arrangement of the perches. Feather and claw condition were best in the aviary whereas the Aviplus cage stood between the battery and the aviary. In conventional cages no bumble feet were found, in Aviplus cages and in the aviary there were only a few bumble feet. Most, but no high-grade, bumble feet were seen in the aviary. One reason for bumble feet occuring in the Aviplus cages was probably the plastic material of the perches and the instablity of the hens sitting on the perches. Injuries > 1 cm rarely occured in all systems. Concerning animal welfare compared between the systems the Aviplus system stands between the other systems. This means that the conditions for well-being in the Aviplus cage were worse than in the aviary (including a roofed and an unroofed outside run), but better than in the conventional cages. It has to be decided politically and socially if the extent of animal welfare in the Aviplus cage is acceptable. In these necessary ethical and political considerations it should be included that improvements of the Aviplus cage don`t seem to be possible in some important fields, such as sandbathing behaviour.  

Ziel dieser Arbeit war es, zur Beurteilung der Tiergerechtheit des ausgestalteten Käfigsystems Aviplus die Nutzung der darin vorhandenen Einrichtungen durch die Legehennen qualitativ und quantitativ einzuschätzen. 18 Käfige mit je zehn Hennen wurden untersucht. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag auf dem Sandbadeverhalten. Um festzustellen, ob das im Sandbad liegende Gitter Einfluss auf das Sandbadeverhalten hatte, wurde im zweiten Halbjahr des Untersuchungsjahres bei einigen Käfigen das Gitter entfernt, während es bei den restlichen Käfigen vorhanden blieb. Beide Sandbadtypen waren im zweiten im Gegensatz zum ersten Halbjahr ständig zugänglich. Es wurden direkte und videogestützte Verhaltensbeobachtungen durchgeführt. Darüber hinaus wurde der körperliche Zustand im Vergleich zum Tierzustand in einer Batterie- und einer Volierenhaltung mit Aussenscharrraum und Auslauf beurteilt. In allen Haltungssystemen befanden sich Lohmann-Silver-Legehennenhybriden aus der selben, volierenähnlichen Aufzucht. Als ein Problem stellte sich das ausreichende Angebot von Einstreu dar, da das Sandbad bei einmal wöchentlicher Befüllung zum Großteil der Woche leer war. Es traten keine Probleme mit einer Verschmutzung des Sandbades auf. Im zweiten Halbjahr wurde ein Anstieg der ins Sandbad verlegten Eier festgestellt. Dies steht vermutlich im Zusammenhang mit einer nicht optimalen Nestgestaltung, worauf auch die relativ geringe Nestnutzung von 5 % der Zeit durch wahrscheinlich verkürztes und verändertes Eiablageverhalten hinweist. Sandbaden fand größtenteils "im Sandbad", aber auch an anderen Lokalisationen des Käfigs statt. Nach Sandbadbefüllung wurde mehr "im und am Sandbad" sandgebadet als bei leerem Sandbad. Auch führten die Tiere mehr 180°-Drehungen um ihre Achse während ihrer Sandbadeaktion im Sandbad durch, es badeten mehr Tiere gleichzeitig im Sandbad und es pickten mehr Tiere während der Sandbadeaktion eines Tieres in das Sandbad. Dies unterstreicht die große Bedeutung der Einstreu. Während der Sandbadeaktion einer Henne pickten mehr Tiere in das "Sandbad ohne Gitter" als in das "Sandbad mit Gitter". Dieses könnte bedeuten, dass die Motivation zum Sandbaden "im Sandbad ohne Gitter" größer war als im "Sandbad mit Gitter". Es wurde kein Einfluss der ständigen im Vergleich zur zeitlich beschränkten Zugänglichkeit des Sandbades auf die Sandbadefrequenzen "im Sandbad" festgestellt. Folglich waren entweder die Öffnungszeiten des Sandbades im ersten Halbjahr ausreichend für die Tiere oder einige Hühner hatten sich im ersten Halbjahr mit zeitlich beschränkt zugänglichem Sandbad daran gewöhnt, an anderer Stelle als im Sandbad sandzubaden und behielten dies bei. Die Dauer einer Sandbadeaktion im Sandbad des Aviplus-Käfigs war im Vergleich zum Freiland verkürzt, wahrscheinlich bedingt durch eine geringere Frequenz der einzelnen Verhaltenselemente und durch das Fehlen von Ruhephasen während der Sandbadeaktion. Im Auslauf nahmen sandbadende Hennen vorwiegend 45°- und 90°-Drehungen, im Aviplus-Sandbad insgesamt weniger und ausschließlich 180°- Drehungen um ihre Achse vor. Die Sitzstangennutzung (20-24% der Tiere in der Lichtphase, 65-75% der Tiere in der Dunkelphase) lag vermutlich auf Grund wenig attraktiver Kunststoffsitzstangen und ungünstiger Anordnung der Sitzstangen unter den in der Literatur beschriebenen Werten. Der Gefieder- und Krallenzustand war in der Volierenhaltung am besten, gefolgt vom Aviplus-Käfig und der Batteriehalung. In der Batteriehaltung wurden keine, im angereicherten Käfig und in der Voliere wenige Ballengeschwüre festgestellt. In der Voliere traten die meisten, allerdings keine hochgradigen Ballengeschwüre auf. Wahrscheinlich war das Plastikmaterial der Sitzstangen und eine instabile Position der Hühner auf den Sitzstangen mitverantwortlich für das Vorkommen der Ballengeschwüre im Aviplus-Käfig. Verletzungen von mehr als 1 cm Größe traten in allen drei Haltungssystemen kaum auf. Bei der vergleichenden Beurteilung der Tiergerechtheit steht das Aviplus-System zwischen konventionellem Käfig und der Voliere (mit angegliedertem Aussenscharrraum und Auslauf), wobei die Voraussetzungen für Wohlbefinden im Aviplus-Käfig schlechter als in der Voliere, aber besser als im konventionellen Käfig sind. Die Entscheidung, ob und inwieweit das Maß an Tiergerechtheit des Aviplus-Käfigs akzeptabel ist, muss auf gesellschaftlicher, politischer Ebene getroffen werden. In die Überlegungen sollte mit einbezogen werden, dass Verbesserungen des Aviplus-Käfigs in einigen wesentlichen Bereichen – wie dem des Sandbadeverhaltens - kaum möglich erscheinen.

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Sewerin, Katrin: Beurteilung der Tiergerechtheit des angereicherten Käfigtyps "Aviplus" unter besonderer Berücksichtigung ethologischer und gesundheitlicher Aspekte bei Lohmann Silver Legehennen. Hannover 2002. Tierärztliche Hochschule.

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